Privatbanken: Qualität gegen Inflation
Die hohe Inflation macht Investoren das Leben schwer. Das GELD-Magazin hat bei ausgewählten Privatbanken nachgefragt, wie man sein Depot bestmöglich vor der Teuerung schützen kann. Interessant sind dabei Qualitäts-Titel.
Es ist laut Experten wahrscheinlich, dass die Inflation langsam zurückgehen wird, aber doch auf relativ hohem Niveau verharren wird. Wie sollen sich Investoren nun verhalten?
Anleihen: Wieder attraktiver
Alexander Eberan, Leiter Private Banking Wien bei der Steiermärkischen Sparkasse, meint: „Aus heutiger Sicht kann man davon ausgehen, dass ein Großteil der Zinserhöhungen zwar noch nicht vorgenommen, aber in den Märkten bereits eingepreist ist. In dieser Transformationsphase steigender Zinsen ist neben der Möglichkeit des Haltens von Inflation Linked Bonds auch eine Strategie mit Anleihen kurzer Laufzeit im Portfolio angebracht. Auch bringen amerikanische Staatsanleihen wieder gute Renditen. Hier muss der Wechselkurs mitberücksichtigt werden.“
Eberan weiter: „Der Aktienanteil hat bis zum Zinshöhepunkt noch volatile Monate zu überstehen, wird danach aber wieder seine volle Attraktivität zurückgewinnen. Wir empfehlen daher in den nächsten Monaten Aktien in der Gewichtung schrittweise, aber signifikant auszubauen. Groß kapitalisierte Aktien im Gesundheitssektor sind interessant – aber auch substanzstarke Technologiewerte sollten berücksichtigt werden.“
Gebotene Vorsicht
Harald Holzer, Chief Investment Officer und Vorstandsmitglied der Kathrein Privatbank ist sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen vorsichtig positioniert – das heißt Aktien untergewichtet mit einem Fokus auf Value. „Auf der Anleihenseite halten wir Geldmarktpapiere für interessant, die von steigenden Zinsen in Form von höheren Kuponzahlungen profitieren sollten.“
Christian Nemeth, Mitglied des Vorstandes der Zürcher Kantonalbank Österreich, meint: „Wir gehen davon aus, dass gerade auf der Anleiheseite die hohen Renditen bereits einiges vorweggenommen haben. Auch auf der Aktienseite gibt es an manchen Handelstagen schwache Versuche einer Bodenbildung. Hier sieht die Lage noch etwas fragiler aus, da die Gewinnerwartungen insgesamt noch zu optimistisch sind. Eine defensive Positionierung ist daher weiterhin angezeigt, aber mit zunehmender Krisendauer steigt auch hier das mittelfristige Potenzial. Wir bestätigen gegenwärtig unsere neutrale Aktienpositionierung, setzen aber stark auf Qualitätstitel mit solidem Cashflow.“
Dividende fürs Portfolio
Manfred Huber, Vorstandsvorsitzender der Euram Bank, fügt hinzu: „In Inflationszeiten sind insbesondere Aktien jener Unternehmen interessant, die in der Lage sind, ihre gestiegenen Kosten unmittelbar weiterzugeben. Aktien mit einer guten Dividenden-Rendite stabilisieren ebenfalls das Portfolio. Im Anleihebereich können inflationsgeschützte Anleihen einen guten Schutz bieten, jedoch sind diese sehr komplexen Finanzinstrumente nicht frei von Risiken – erwartete Inflation und Laufzeit führten in diesem Jahr bei langlaufenden Anleihen zu herben Kursverlusten.“ Auch Gold könnte laut Huber ein guter Inflationsschutz sein und damit helfen, heftige Kursrückgänge bei Aktien abzufedern.
Fokus auf Qualität
Helmut Siegler, Vorstandsvorsitzender der Schoellerbank, fasst abschließend zusammen: „In einem Umfeld steigender Preise sollten Anlegerinnen und Anleger bei ihren Veranlagungsentscheidungen einerseits einen klaren Qualitätsfokus haben und andererseits auf Realwerte setzen. Dazu zählen neben Aktien auch rohstoffabhängige Fremdwährungen oder inflationsgeschützte Anleihen.“
Lesen Sie die ganze Story in der GELD-Magazin November Ausgabe.