Industrie Österreich: Kleine Schritte
Der Verbesserungstrend der österreichischen Industrie hat sich im März deutlich verlangsamt. Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex stieg im März nur noch minimal um 0,2 auf 46,9 Punkte, gekennzeichnet von einer sehr uneinheitlichen Entwicklung der einzelnen Komponenten.
UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer dazu: „Mit dem immerhin dritten Anstieg in Folge erreichte der Indikator aber den höchsten Wert seit genau zwei Jahren. Die Wachstumsgrenze von 50 Punkten wurde jedoch erneut deutlich unterschritten. Der aktuelle Indikator signalisiert damit eine Fortsetzung der Rezession der heimischen Industrie, die sich im Verlauf des ersten Quartals 2025 zumindest schrittweise gemildert hat.“
Wenig „Licht“
Das Licht am Ende des Tunnels wurde im März jedoch kaum heller. „Das Tempo des Produktionsrückgangs erhöhte sich zu Frühlingsbeginn leicht, zumal das Neugeschäft deutlicher als im Vormonat zurückging. Die Unternehmer reagierten mit einer stärkeren Einschränkung der Einkaufsmenge, um bewusst die Lagerkosten zu senken. Aufgrund des erneuten Anstiegs der Kosten erhöhten die Betriebe erstmals seit zwei Jahren auch die Abgabepreise, jedoch aufgrund der schwachen Nachfrage zu wenig, um die Ertragssituation zu verbessern. Positiv stach im März vor allem die Verlangsamung des Jobabbaus hervor“, fasst Bruckbauer zusammen.
Mit der Abschwächung des Verbesserungstrends unterschied sich die Entwicklung in Österreich vom Trend in den meisten anderen europäischen Ländern. „Im Euroraum stieg der Einkaufsmanagerindex der verarbeitenden Industrie spürbar auf 48,7 Punkte, getragen unter anderem von einer Verbesserung in Deutschland und in Frankreich auf 48,3 bzw. 48,9 Punkte. Damit wurde der österreichische Index vom Wert im Euroraum wie schon in den vergangenen zweieinhalb Jahren übertroffen. Der Abstand verdoppelte sich gegenüber dem Vormonat und erstmals seit einem halben Jahr lag auch der deutsche Wert höher“, so UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.
Jobabbau verlangsamt
Die Zahl der Beschäftigten in der heimischen Industrie ist Ende des ersten Quartals 2025 weiter gesunken. Damit sinkt der Beschäftigtenstand in der Sachgütererzeugung bereits seit fast zwei Jahren. Im März hat sich das Tempo des Personalabbaus aber immerhin den vierten Monat in Folge verlangsamt. Der Beschäftigtenindex erreichte mit 43,2 Punkten damit ein Zehn-Monats-Hoch.
„Die Arbeitslosenquote in der verarbeitenden Industrie in Österreich betrug im ersten Quartal 2025 durchschnittlich 4,3 Prozent, nach 4,0 Prozent im Jahresdurchschnitt 2024. Die geringe Kapazitätsauslastung und das Bemühen um Kosteneinsparungen werden in den kommenden Monaten trotz der schrittweisen Verbesserung der Industriekonjunktur zu einem weiteren Rückgang der Beschäftigung im Sektor führen. Wir gehen von einem Anstieg der Arbeitslosenquote in der heimischen Industrie auf durchschnittlich 4,5 Prozent 2025 aus“, so Pudschedl.
Unsichere Erwartungen
Das Ende der Rezession in der heimischen Industrie ist noch nicht absehbar, eine Stabilisierung der Industriekonjunktur kündigt sich jedoch an. Das Auftrags-Lager-Verhältnis verschlechterte sich im März zwar geringfügig, weist damit jedoch nur knapp darauf hin, dass bei aktuellem Stand in den Auslieferungslagern die einlangenden Aufträge auch mit geringeren Produktionskapazitäten erfüllt werden können. Die Produktion dürfte somit in den kommenden Monaten kaum mehr weiter sinken.
Eine spürbare Erholung scheint nicht in Sicht, darauf weisen auch die mittelfristigen Produktionserwartungen der Betriebe hin. „Die Sorgen über die gesunkene Wettbewerbsfähigkeit, die allgemein schwache Nachfrage und negative Folgen der US-Zollpolitik haben die Erwartungen der Unternehmen im März wieder etwas gedrückt. Der Index für die Produktionserwartungen in den kommenden zwölf Monaten sank auf 51,0 Punkte, blieb damit jedoch den dritten Monat in Folge im positiven Bereich“, meint Bruckbauer und ergänzt: „Mit der Ankündigung des Investitionsprogramms in Deutschland kam es in den vergangenen Wochen zu einer überraschenden Veränderung der Rahmenbedingungen. Dies nährt die Hoffnung auf eine bevorstehende Besserung auch in Österreich.“
UniCredit Bank Austria/HK