GELD-Magazin, Dezember 2018 / Jänner 2019

CREDITS: beigestellt BUCHTIPPS NEUERSCHEINUNGEN & PFLICHTLEKTÜRE 90 ° GELD-MAGAZIN – DEZEMBER 2018 FÜR DIE PRAXIS. Ein zentraler Ausgangs- punkt von Autor Hartmut Janesch (Geschäfts- führer von predigma – Institut für Börsenstra- tegie) ist, dass es nur einer Minderheit gelingt, an den Finanzmärkten erfolgreich zu agieren. Warum das so ist, versucht er in „Börsen- Phasen entschlüsseln“ zu erklären. Janesch begibt sich dabei auf eine interessante Reise von über 100 Jahren Börsengeschichte.Wo- bei der Autor offen und ehrlich zugibt, dass auch er keine Kursprognosen für DAX und Co. abgibt, es gehe vielmehr darum, den eignen Standpunkt (den des Anlegers) zu festigen und auf objektive Daten zurückzugreifen. Natür- lich ist man im Nachhinein immer klüger: So ist es heute einfach, das Börsenjahr 2007 als Wendepunkt in der Finanzkrise festzumachen. Allerdings gab es auch schon zuvor Anzei- chen und Vorwarnungen. So etwa, dass die Zinskurve zehnjähriger US-Anleihen rund zwei Jahre vor der Finanzkrise negativ wurde – und eine sogenannte inverse Zinskurve ist auf Dauer gefährlich für die Wirtschaft und auch für die Aktienmärkte. Die Zinsentwicklung stellt aber nur einen unter vielen Faktoren dar, der für die Analyse von Börsenphasen entschei- dend ist. Eine wesentliche Rolle spielen etwa die Rohstoffmärkte, der Kurs der Weltwäh- rungen, die Bewertungen der Aktien selbst usw. Janesch fasst seine Erkenntnisse wie folgt zusammen: „Um an der Börse erfolgreich zu sein, braucht es keine Vorhersagen über deren künftigen Verlauf (...).Wichtig ist nur, dass Sie erkennen und unterscheiden können, wann es an der Börse wirklich gefährlich wird und wann Sie risikoarm investieren können.“ GROSSE NAMEN. Der Einband von „Management. Die Top-Tools der Besten“ wird von prominenten Köpfen wie Napole- on, Einstein,Warren Buffett oder Steve Jobs geschmückt. Das beginnt ja recht vielverspre- chend, vor allem, weil der Autor und Unter- nehmensberater Frank Arnold verspricht, dass Führungskräfte und Manager von den Künsten der ganz Großen lernen können. Nun, ganz gelingt dieses Kunststück nicht. Schlagen wir etwa beim Kapitel über Winston Churchill nach, wo wir einiges Interessantes über den britischen Staatenlenker und dessen Manage- ment-Fähigkeiten (denn darum geht es in dem Buch hauptsächlich) erfahren. Daraus werden dann Aufgaben und Denkanstöße für den Leser abgeleitet, wie etwa: „Was sind Ihre Werte? Welche Werte werden in Ihrer Organisation hochgehalten?“ Oder: „Verlangen Sie dort vor- bildliches Verhalten und hohe Leistungsstan- dards, wo Sie es beeinflussen können. Bringen Sie starke, kompetente Leute an die Spitze, um das Gesamtniveau zu steigern.“ Ähnlich die Ratschläge im Kapitel über Napoleon: „Was müssen Sie bei einer aktuell anstehenden Entscheidung tun, um sorgfälltiger zu planen? Überdenken Sie Ihre Standards und Ihren An- spruch, wenn es um Vorbereitung und Planung geht.“ Jetzt stellt sich für Entscheidungsträger die Frage, ob sie mit solchen Anregungen tat- sächlich etwas anfangen können oder ob sie nicht zum Allgemeingut des täglichen Lebens zählen.Vielleicht wäre es für dieses Buch bes- ser gewessen, nicht dutzende Persönlichkeiten unterzubringen, sondern eine kleinere Auswahl zu treffen und mehr ins Detail zu gehen. DIE WELT WIRD BESSER. Steven Pinker lehrt an der Universität Harvard Psychologie und stellt sich unter anderem die Frage, ob und warum sich Gewaltausübung rund um den Globus auf dem absteigenden Ast befin- det. Schon hier könnte der eine oder ande- re stutzig werden: Die Welt wird doch immer gefährlicher und brutaler – oder etwa nicht? Nein, die akribischen Forschungen Pinkers belegen klar, dass die Welt im Laufe der Jahr- hunderte und Jahrtausende ein friedfertigerer Ort geworden ist. So haben Gewaltverbrechen abgenommen, die Folter wurde verboten und der Sklavenhandel abgeschafft (auch wenn Folter und Sklaverei noch immer existieren, ist das im Vergleich mit deren ursprünglicher offizieller Systematik und Brutalität ein großer Erfolg).Was sind nun die Ursachen für diese positiven Tendenzen? Hier spielt nicht zuletzt die wirtschaftliche Theorie und Praxis eine wesentliche Rolle. So wird im vorliegenden Buch etwa Adam Smith zitiert, der Sklaverei letztlich als wenig effizient bezeichnet.Auch setzte sich der Gedanke durch, dass das Führen von Kriegen in Wirklichkeit irrational und vermeidbar sei. „Das Positivsummen- spiel eines freien Handels ist reizvoller als das Nullsummen- oder Negativsummenspiel eines Krieges.Warum sollte man Geld und Blut ver- schwenden, um in ein Land einzudringen und seine Schätze zu plündern, wenn man sie mit weniger Aufwand auch kaufen kann“, schreibt Pinker in seinem über 1000 Seiten starken Werk „Gewalt“, das viele interessante Erkennt- nisse liefert. Zum Schmökern muss man sich ob des Umfangs aber viel Zeit nehmen. MANAGEMENT FrankArnold.Verlag:Redline.288 Seiten. ISBN:978-3-86881-729-4 BÖRSEN-PHASEN ENTSCHLÜSSELN Hartmut Janesch.Verlag:Wiley.342 Seiten. ISBN:978-3-527-50938-6 GEWALT Steven Pinker.Verlag:Fischer.1211 Seiten. ISBN:978-3-596-19229-8

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