GELD-Magazin, Dezember 2018 / Jänner 2019

Dass Pensionen auch zukünftig tenden­ ziell ins Hintertreffen geraten werden, zeigten zuletzt die herbstlichen Gehaltsver­ handlungen. Während die Lohnsteigerun­ gen bei denMetallernmit plus 3,46 Prozent, jene bei den ÖBB mit plus 3,40 Prozent (rückwirkend mit 1. Juli) ausverhandelt wurden, werden niedrige Pensionen um 2,6 Prozent angehoben, höhere Pensionen (ab 1500 Euro) um zwei Prozent – quasi als In­ flationsausgleich. Dass die Inflation im für Pensionisten wichtigenMiniwarenkorb laut Statistik Austria um 4,9 Prozent (Stichzeit­ punkt Oktober 2018) angestiegen ist und selbst der breite Verbraucherpreisindex um 2,2 Prozent zugelegt hat, steht auf einem an­ deren Blatt. Die Lobby der Pensionisten ist aber offensichtlich schwächer – sie können ja auch nicht wirklich streiken, wie Metaller und ÖBB. Zweite und dritte Säule fördern Neben der gesetzlichen Pension gibt es nun auch die zweite (betriebliche) und drit­ te (private) Säule der Altersvorsorge – für all jene, die aus Eigeninitiative heraus ein Abrutschen in die Altersarmut verhindern wollen. Seit Langem wird eine Stärkung bzw. Förderung dieser zwei Bereiche gefor­ dert, die aber entweder ins Leere gelaufen sind oder auch schlicht gefloppt haben (Pensionsinvestmentfonds, prämiengeför­ dere Zukunftsvorsorge etc). Zuletzt wurde das Thema Ende September bei der fünften Jahresenquete der ARGE Zusatzpensionen – einem Arbeitsbündnis vom Fachverband der Pensionskassen, dem Verband der Ver­ sicherungsunternehmen Österreichs, der Plattform der betrieblichen Vorsorgekassen und der Vereinigung Österreichischer In­ vestmentgesellschaften – behandelt. „Der Ruf nach dem Ausbau der Zusatzpensionen in Österreich ist mittlerweile beinahe unüberhörbar“, läutet Andreas Zakostelsky, Obmann des Fachverbandes der Pensions­ kassen und Initiator der ARGE Zusatzpen­ sionen, das Plenum ein. Alle rund 100 Teil­ nehmer – Experten, Politiker und Obmän­ ner der Fachverbände – waren sich einig: Da muss was getan werden und alle werden sich um eine Lösung bemühen. Als Positiv­ beispiel wurde das schwedische Pensions­ system angeführt, das imWesentlichen, ne­ ben einer transparenten Information über das Pensionskonto jedes Einzelnen, die freie Wahl über den Pensionsantritt beinhaltet und sich die Pensionshöhe jeweils indivi­ duell nach Erwerbsdauer und Lebenserwar­ tung berechnet. Auch wenn man die Bemühungen von Finanzminister Hartwig Löger hinsichtlich der geplanten Steuerreform 2020 in vielen Bereich nicht gering schätzen darf, die Aus­ wirkung auf die betriebliche und private Vorsorge dürfte vernachlässigbar gering sein. Einer der Ankerpunkte dazu ist die ins Auge gefasste Senkung der KESt von 27,5 Prozent auf kolportierte 25 Prozent. Die Richtung stimmt, das geplante Ausmaß wird aber kaum dazu reichen, einen deut­ lichen Anreiz zur privaten Vorsorge zu set­ zen – und Erträge bei Lebensversicherun­ gen sind sowieso KESt-frei. Wo der Hund begraben ist Der wesentlichste Grund für die schlechte Perspektive für Altersvorsorge­ produkte ist die derzeitige Niedrigzinsphase und damit gerade für konservative Sparpro­ dukte. Dass sich das bereits herumgespro­ chen hat, sieht man deutlich an der schrumpfenden Anzahl der Lebensversi­ cherungen. Kein Wunder, denn nach Adam Riese kann bei den derzeitigen Marktver­ hältnissen und Gebühren (Abschlusskos­ ten, Versicherungssteuer, Bestandsprovisio­ nen, Verwaltungskosten etc.) als Ablaufleis­ tung real nur weniger rauskommen als man einbezahlt hat. Der angepriesene progres­ sive Effekt durch Zinseszinsen fällt prak­ tisch weg. Und wer will schon über viele Jahremehr einbezahlen als letztendlich wie­ der herausbekommen? Ein deutliches Indiz für den rauenWind in der Versicherungsbranche war ja bereits die ersatzlose Streichung der Garantiever­ zinsung und die Reduzierung der Einmal­ erläge. Einige der noch wenigen attraktiven Modelle findet man in der betrieblichen Altersvorsorge (durch Steuerersparnis und höherem Aktienanteil bei Pensionskassen­ lösungen) und in der fondsgebundenen Le­ bensversicherung. Um Personen aber tat­ sächlich zu stärkerer privater Vorsorge zu animieren, muss an Schrauben gedreht wer­ den, die in der Versicherungsbranche wenig erwünscht sind: Eine Abschaffung der KESt auf Investmentprodukte zur Pensionsvor­ sorge, Pensionsinvestmentfonds ohne Aus­ gabeaufschlag und eine generelle Begren­ zung der Gebühren (Total Expense Ratio) – eine Abschaffung der Versicherungssteuer auf Lebensversicherungen würde auch das richtige Signal setzen. Letztendlich muss unter dem Strich – netto – ein Anlageerfolg herauskommen, der die Inflationsrate deut­ lich übersteigt. Pensionen ° Vorsorge Dezember 2018 – GELD-MAGAZIN ° 89

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