GELD-Magazin, Dezember 2018 / Jänner 2019

D ie Lage bei den staatlichen Pensions­ verpflichtungen spitzt sich weltweit zu. Nach Berechnung des World Economic Forum wird 2050 weltweit eine Finanzie­ rungslücke im Pensionssystem von rund 400 Billionen Dollar (!) entstanden sein – ein Vielfaches des globalen Bruttoinlands­ produktes (2018 rund 84,8 Bio. Dollar). Die Situation in Österreich ist da nicht viel bes­ ser: 2017 gab es in Österreich laut Statistik Austria 2,3 Millionen Pensionsempfänger, die rund 41 Milliarden Euro an Auszah­ lungen erhielten. Dem stehen Einnahmen aus Pensionsversicherungsbeiträgen von knapp vier Millionen Beitragszahlern rund 26 Milliarden Euro gegenüber. Zur Finan­ zierung des österreichischen Pensionssys­ tems muss der Staat demnach, trotz sinken­ der Leistungen, einen jährlichen Zuschuss von etwa 22 Milliarden Euro leisten. Inklu­ diert sind steigende Kosten aus dem Sozial­ system für die Altenpflege (siehe GELD- Magazin Ausgabe September 2018, ab Seite 78), häufigere Arztbesuche und Spitalsauf­ enthalte sowie höherer Medikamentenver­ brauch. Der Grund, warum der Saldo von Einnahmen aus Beiträgen und Aufwen­ dungen für Leistungen immer weiter ins Minus rutschte, ist die Demografie. 2050 wird in Österreich laut Schätzungen der Statistik Austria der Anteil der über 65-Jäh­ rigen (trotz Zuwanderung) von 22,2 Pro­ zent auf 34,1 Prozent ansteigen – sprich: auf rund 2,9 Millionen Pensionsempfänger, da­ runter rund 1,2 Millionen, die älter als 80 Jahre sein werden. Reform-Möglichkeiten Nun gibt es mehrere Möglichkeiten, dieses (zukünftige) Finanzierungs-Dilem­ ma zu lösen: Das Pensionsantrittsalter wird auf rund 70 Jahre angehoben, was aber nur eine sehr bedingte Auswirkung hat, denn gleichzeitig werden Krankenstände und Ar­ beitsunfähigkeiten stark ansteigen. Das zei­ gen die Statistiken zum tatsächlichen Pen­ sionsantrittsalter und zu Frühpensionie­ rungen. Eine zweite Möglichkeit ist es, die Beiträge zu erhöhen, was bei den derzei­ tigen hohen Lohnnebenkosten nicht sehr realistisch ist. Bei der kommenden Steuer­ reform 2020 geht es vielmehr in Richtung Entlastung. Und dritte Möglichkeit: die Pensionen werden gekürzt. Das wurde be­ reits 2014 initiiert, indem der Durchrech­ nungszeitraum zur Pensionsberechnung schrittweise verlängert wird. creditS: beigestellt, Markus Rössle, krissikunterbunt/stock.adobe.com Vorsorge  ° Pensionen 88 ° GELD-MAGAZIN – Dezember 2018 Alle sind sich einig: Die betriebliche und die private Altersvorsorge sollen gestärkt werden, denn der Rah- men für die staatliche Rente (und Altenpflege) wird zunehmend enger. Was aber niemand dazu sagen will: Die zweite und dritte Säule der Altersvorsorge ist derzeit mit wenigen Ausnahmen einfach nicht rentabel. Mario Franzin Sparen muss attraktiver werden! „Seit 1970 ist die Lebenserwar- tung um elf Jah- re gestiegen, wir gehen aber mit demselben Al- ter in Pension wie damals“ Franz Schellhorn, Agenda Austria Pensionslücke in Österreich 21,6 Mrd. Quelle:EcoAustria Die Auszahlungen der ASVG-, GSVG-, FSVG-, BSVG- und Beamten- pensionen liegen immer weiter über den Beitragszahlungen. 50 Mrd.€ 40 Mrd.€ 30 Mrd.€ 20 Mrd.€ 10 Mrd. € 1985 1980 1990 1995 2000 2005 2010 2015 Leistungen gesamt Beiträge der Versicherten Lebenserwartung und Pensionsantrittsalter Quelle: Statistik Austria. Anmerkung: Die Lebenserwartung wurde anhand der geschlechts- spezifischen ferneren Lebenserwartung bei Pensionsantritt berechnet. Datengrundlage hierfür bilden die Sterbetafeln von Statistik Austria. Pensionsantrittsalter Männer Pensionsantrittsalter Frauen Lebenserwartung Männer Lebenserwartung Frauen 18,5 Jahre in Pension 13,7 Jahre in Pension 26,7 21,5 18,5 Jahre in Pension 13,7 Jahre in Pension Quelle:AgendaAustria/StatistikAustria In den letzten 45 Jahren erhöhte sich die Pensionsdauer aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung um rund acht Jahre. 1980 1970 1990 2000 2010 2016 Lebenserwartung Männer Lebenserwartung Frauen Pensionsantrittsalter Männer Pensionsantrittsalter Frauen 80 Jahre 85 Jahre 70 Jahre 75 Jahre 65 Jahre 60 Jahre

RkJQdWJsaXNoZXIy MzgxOTU=