GELD-Magazin, Dezember 2018 / Jänner 2019

credit: Bengt Nyman by Wikipedia 82 ° GELD-MAGAZIN – Dezember 2018 WISSEN Shiller KGV D as traditionelle KGV (Kurs-Gewinn- Verhältnis) ist auch den meisten Men- schen ein Begriff, die sich nur hobbymäßig mit der Börse beschäftigen. Man setzt hier den Aktienkurs eines Unternehmens zu dem aktuell erwirtschafteten Gewinn pro Aktie ins Verhältnis. Sprich: Der Kurs wird durch den Gewinn dividiert und fertig ist das KGV. Je höher dieses ausfällt, desto teurer ist das Wertpapier. Beliebtes Instrument Der große Vorteil dieser Kennzahl: Es ist sehr einfach zu berechnen, zu verstehen und anzuwenden. Börsenkurse sind ohne- dies in Zeiten des Internet jederzeit greifbar, und der Gewinn wird entweder den aktuell publizierten Unternehmenszahlen oder Analystenschätzungen entnommen.Der Nachteil dieser Methodik: Gewinne können stark schwanken und sich in Rezessions- phasen mitunter massiv rückläufig entwi- ckeln. Somit zeigt das konventionelle KGV immer nur eine Momentaufnahme und neigt zu Fehlsignalen. Um dieses Problem zu lösen, hat der US-Ökonom Robert Shil- ler das Shiller KGV oder CAPE (cyclically adjusted price-to-earnings-ratio: zyklisch angepasstes KGV) entwickelt. Shiller wurde übrigens für seine „empirische Analyse von Kapitalmarktpreisen“ 2013 mit dem Wirt- schaftsnobelpreis ausgezeichnet. Ausgefeilte Weiterentwicklung Aber kehren wir zurück zu dem nach ihm benannten KGV: Um die Effekte des Konjunkturzyklus auf das KGV zu „glätten“, wählt Shiller nicht den aktuellen Gewinn pro Aktie. Stattdessen wird ein arithme- tisches Mittel der Gewinne der letzten zehn Jahre herangezogen und sowohl der Ge- winn als auch der Aktienkurs inflationsbe- reinigt. Somit sollen sowohl preis- als auch konjunkturelle Effekte geglättet werden. Wobei das CAPE vor allem gerne als Risiko- indikator für Börsen-Crashs herangezogen wird. Denn es hat sich erwiesen, dass das Shiller KGV zu hohe Marktbewertungen besser widerspiegelt als das traditionelle KGV. Und Überbewertungen sind oftmals Warnsignale für einen Börsenabsturz oder zumindest schmerzhafte Korrekturen. Das beweist ein Blick in die Börsenhistorie (sie- he Grafik): Vor dem großen Börsencrash Ende der 1920er-Jahre erreichte das CAPE die kritische Größe von 30. Auch vor dem Platzen der New Economy-Blase zur Jahr- tausendwende schlug der Shiller-Indikator kräftig aus – damals sogar bis zu einemWert von fast 45. Und sollte das Shiller KGV wie- der einmal Recht behalten, so könnte bald Ungemach drohen: „Das Shiller KGV mahnt an den amerikanischen Aktienmärk- ten schon seit langer Zeit zur Vorsicht. Mit einem Wert von über 30 war der S&P 500 zuletzt sehr hoch bewertet“, so etwa Fina- kons (Finanz Konsilium GmbH für profes­ sionelle Finanzplanung und Beratung) zur aktuellen Entwicklung. Natürlich ist das Shiller KGV nicht allwissend, die Warnung liegt allerdings auf dem Tisch. Es soll als Warnsignal vor Abstürzen an den Börsen dienen: Das Shiller KGV. In der Vergangenheit wurde es dieser Funktion durchaus gerecht. Bedenklich in der heutigen Situation: Der Indikator ist in den USA bereits wieder in die Höhe geschossen. Harald Kolerus Crash-Indikator unter der Lupe Us-Börse: Shiller KGV warnt vor korrektur Mit einem Wert um die 30 ist das Shiller KGV für den S&P 500 aktuell recht ambitioniert bewer- tet. Das könnte der Vorbote für einen Bärenmarkt sein. 1880 Black Tuesday Black Monday 30.94 1890 1900 1910 1920 1930 1940 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010 45 40 35 30 25 20 15 10 5 0 Quelle:www.finanz-konsilium.de Robert James Shiller wurde für sein Gesamt- werk mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.

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