GELD-Magazin, Dezember 2018 / Jänner 2019

u rsprünglich kommen diese Finanz­ produkte aus dem Investment­ banking. In den 1980er-Jahren wurden sie in Großbritannien entwickelt, um die Stem­ pelsteuer zu umgehen. Diese sah für jede Aktientransaktion an der Londoner Börse eine staatliche Abgabe in Höhe von 0,5 Pro­ zent vor. Die Konstruktion der Differenz­ kontrakte erlaubte jedoch einen außerbör­ slichen Handel, wodurch die Steuer um­ gangen werden konnte. Beim Kauf eines CFDs erwirbt der Anleger den Basiswert, z.B. eine Aktie, nicht physisch, sondern par­ tizipiert lediglich an der Kursentwicklung des Basiswertes. Wie bei Futures gibt es kei­ nen Volatilitätseinfluss. Hebel massiv gekappt Extreme Hebel gehören allerdings der Vergangenheit an. So sind etwa beiWährun­ gen die Hebel von maximal 500 auf 30 gefal­ len. Wollte ein Trader einen Marktwert von 100.000 Euro bewegen, lag früher die mini­ male Margin bei 200 Euro (= Hebel 500). Nun liegt die Margin bei mindestens 3333 Euro, der Hebel bei maximal 30. Die Kondi­ tionen, die CFD-Broker, wie etwa CMC- Markets oder XTB, bieten können, sind we­ gen des außerbörslichen Handels immer noch attraktiv. Trader zahlen, Aktien ausge­ nommen, nur den Spread (Differenz zwi­ schen An- und Verkaufskurs), aber keine weiteren Kauf- bzw. Verkaufsspesen. Hinzu kommen die beliebig geringen Positions­ größen. Wenn man einen Terminkontrakt, etwa den DAX-Future, an der Eurex (Euro­ päische Futures- und Optionenbörse) han­ deln will, so hat dieser einen Kontraktwert von z.B. 11.000 (Indexstand) x 25 Euro, also 275.000 Euro. Bei einer Margin von z.B. fünf Prozent muss man 13.750 Euro auf dem Brokerkonto hinterlegen. Mit allen Konsequenzen: Verliert der DAX einen Punkt, verliert der Trader 25 Euro, bei 100 Punkten Verlust liegt das Minus bei 2500 Euro. Bei CFDs reicht ein Konto mit 1000 Euro. Breite Produktpalette Und nicht zuletzt haben CFD-Anleger auf einem einzigen Konto Zugang zu fast allen Assetklassen – nur zu Futures nicht. Dafür funktioniert ein CFD wie ein Future, nur die Mindest-Handelsvolumina sind viel kleiner. „Mit der Nachschusspflicht konn­ ten in der Vergangenheit für den Anleger unkalkulierbare Verluste entstehen, die über das eingesetzte Kapital hinausgingen. Deshalb begrüßt CMC Markets auch die Maßnahme der ESMA, CFDs mit Nach­ schusspflicht für den Vertrieb an private Kunden zu verbieten. Das dürfte zu einem stärkeren Interesse derjenigen an CFDs füh­ ren, die bislang vor den hohen Risiken zu­ rückgeschreckt sind“, erläutert Gabor Meh­ ringer, Relationship Manager bei CMC Markets. Philipp von Breitenbach, Partner­ ship Manager bei X-Trade Brokers (XTB), erklärt die Unterschiede zu (Hebel-) Zerti­ fikaten: „Ein CFD ist ein derivatives Hebel­ produkt, mit dem Anleger außerbörslich auf steigende oder fallende Preise eines zu­ grunde liegenden Basiswertes spekulieren können. CFDs haben keine ISIN oderWKN und können nur über darauf spezialisierte Brokerhäuser gehandelt werden. Ein we­ sentlicher Unterschied zu Optionen oder Zertifikaten besteht in der simplen Kon­ struktion des Hebels. Ein Brokerhaus bietet einem Investor an, einen beliebigen Basis­ wert zu handeln. Dafür muss der Kunde je­ doch nur einen Bruchteil, sagen wir ein Zehntel bei einer Hebelwirkung von 1:10, selbst investieren (Margin). Das restliche benötigte Kapital wird vom Broker gestellt, creditS: beigestellt/Archiv aktien  ° Contracts for Difference 78 ° GELD-MAGAZIN – Dezember 2018 Contracts for Difference (CFDs) sind bei spekulativen Anlegern immer noch gefragt , obwohl die extrem hohen Hebel seit der Regulierung durch die europäische Aufsichtsbehörde ESMA (European Securities and Markets Authority) deutlich kleiner geworden sind. Dafür sinken auch die Risiken erheblich. Wolfgang Regner CFDs Reloaded ° Von konservativ bis spekulativ Früher lag die maximal zu handelnde Stückzahl bei einem aktuellen DAX-Stand von 11.000 bei fast 50 CFDs. Heute beträgt die Margin fünf Prozent, d.h. pro Kontrakt 550 Euro, reichen also immer noch 1000 Euro für einen DAX-CFD. Für zwei CFDs benötigt man dann entsprechend 1100 Euro. Dazu ein Beispiel: Bei einem CFD kann man z.B. den DAX um 11.000 Euro kaufen und muss bei einem Hebel von 20 nur 550 Euro auf dem Konto haben. Fällt der DAX dann um 100 Punkte, so verliert der Trader 100 Euro. Um sich vorsichtiger an das Trading mit CFDs heranzutasten, können Anleger bei CMC Markets auch nur einen Zehntel des DAX kaufen und verlieren dann nur zehn Euro.Wenn man nur einen DAX-CFD-handelt, dann bewegt sich der Kontostand um einen Euro pro DAX-Punkt.Wenn man fünf CFDs kauft, dann um fünf Euro pro Punkt. Für Trader sollte diese Zahl – die Positionsgröße – einer der wichtigsten Punkte imTrading sein. Dadurch spielt die Höhe der Margin eine sekundäre Rolle, denn diese beträgt immer fünf Prozent beim DAX, unabhängig von der Größe des Tradingkontos. Beispiel: DAX-Stand: 11.500 Punkte,Margin: Fünf Prozent. Ein Trader kauft fünf Kontrakte. Die Schwankung des Handelskontos liegt bei fünf Euro pro DAX-Punkt – 5x11.500 = 57.500 Euro Handelswert / Fünf Prozent Margin von 57.500 = 2875 Euro Margin.

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