GELD-Magazin, Dezember 2018 / Jänner 2019

creditS: shutterstock.com 74 ° GELD-MAGAZIN – Dezember 2018 aktien  ° Deutschland Wachstumsrückgang SAP: Übernahme kommt nicht gut an Europas größter Softwarekonzern SAP wildert mit einem weiteren milliarden- schweren Zukauf im Revier des US-Kon- kurrenten Salesforce. Für acht Milliarden Dollar in bar übernahmen die Walldorfer die US-Firma Qualtrics, die eigentlich in Kürze an die Börse gehen wollte – mit einer geplanten Bewertung von ‚nur‘ sechs Mil­ liarden. Qualtrics hat eine Software-Platt- form entwickelt, mit der Organisationen Feedback und Daten von Kunden und Mit- arbeitern einsammeln können, um diese in Echtzeit zu analysieren und weiterzuverar- beiten. Qualtrics zählt weltweit 9000 Kun- den und erwartet nach SAP-Angaben im laufenden Jahr einen Umsatz von über 400 Millionen Dollar sowie zukünftiges Wachs- tum von mehr als 40 Prozent – Synergie­ effekte noch nicht eingerechnet. Infineon schlägt eigene Prognose Auch der Technologiekonzern Infineon ist optimistisch: Der Chiphersteller stellte für 2018/19 (per Ende September) ein Um- satzplus von neun bis 13 Prozent in Aus- sicht. Im abgelaufenen Geschäftsjahr stieg der Umsatz um acht Prozent auf 7,6 Milliar- den Euro und übertraf damit sowohl die eigenen Ziele als auch die Erwartungen der Analysten. Auch die operative Marge lag mit 17,8 Prozent über den Erwartungen. 2018/19 soll sie auf 18 Prozent steigen, wenn sich die Umsatzerwartungen erfüllen. „Das strukturelle Wachstum in unseren Kernseg- menten hält an. Deswegen sehen wir zuver- sichtlich in das kommende Jahr“, meinte CEO Reinhard Ploss. Vor allem das Ge- schäft mit der Autoindustrie brummt, weil diese gerade massiv in Elektrofahrzeuge in- vestiert. In einemElektroauto stecken Chips D er Ifo-Index, das Barometer für das Geschäftsklima bei deutschen Unter- nehmen, sank den dritten Monat in Folge überraschend deutlich um 0,9 auf 102,0 Punkte. Drei Rückgänge hintereinander signalisieren in der Regel eine Wende zum Schlechteren. Die Führungskräfte beurteil- ten sowohl ihre Geschäftslage schlechter als auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate. Wegen massiver Produk­ tionsprobleme der Autobauer imZuge eines neuen Abgastests war das Bruttoinlands- produkt (BIP) im dritten Quartal um 0,2 Prozent gesunken. Das war der erste Rück- gang seit dreieinhalb Jahren und das stärkste Minus seit über fünf Jahren. „Die deutsche Wirtschaft wird im Gesamtjahr mit Sicher- heit nur um 1,5 Prozent wachsen“, sagte Ifo- Ökonom Klaus Wohlrabe. Zudem sei die bisherige Regierungsprognose für 2019 von 1,8 Prozent „eine sehr optimistische Ein- schätzung“. Gegenwindwird stärker Der exportabhängige Sektor leidet un- ter zahlreichen Risiken (Italien, Brexit, US- Zölle auf Autos). Modellzulassungen im Zuge des neuen Abgastests WLTP sprechen für einen Nachholbedarf bei Aufträgen für die Automobilindustrie. Dieser wird sich wohl erst nach der Jahreswende bemerkbar machen. Der Handelsstreit drückt auf die Investitionslaune der Unternehmen. Aber auch die Konsumstimmung kippt – die Aus- gaben der Verbraucher sanken um 0,3 Pro- zent. Der Höhepunkt des Aufschwungs ist definitiv vorbei. Kein Wunder also, dass der DAX das Jahr 2018 erstmals seit sieben Jahren mit einem Minus abschließen dürfte. Das zeigt auch ein Blick auf die Unternehmensge- winne: nach der Stärke in den ersten beiden Quartalen lassen die seither vorgenom- menen negativen Revisionen für das Ge- samtjahr fast nur noch ein Nullwachstum erwarten. Die deutlichsten negativen Ge- winnrevisionen gab es bei der Deutschen Bank (–63%), Deutsche Post (–25%), Conti- nental (–15%), Bayer (–12%) und Thyssen- Krupp (–12%). Das dritte Quartal fiel dem- entsprechend schlecht aus – insgesamt sind die DAX-Gewinne zuletzt sogar gesunken. Nur sechs DAX-Konzerne steigerten den operativen Gewinn. Deutscher AktienIndex (DAX) Herbstblues statt vorweihnachtlicher Hochgefühle: Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im November bereits den dritten Monat in Folge eingetrübt. Kein Wunder: Wegen des Handelsstreits mit den USA hat vor allem die wichtige Automobilindustrie große Sorgen. Wolfgang Regner Kampf um die 11.000er-Marke. Der Deutsche Aktienindex (DAX) konnte nach dem deutlichen Fall unter die 200-Tage-Linie die Unterstützung bei 11.000 Punkten halten.Alle Anläufe der Bullen nach oben wurden spätestens bei 11.450 Punkten gestoppt. Entwarnung kann aber erst beim Knacken des Widerstandes bei 11.520 Punkten gegeben werden.Anleger sollten ein Stopp-Limit bei 10.970 Punkten beachten. Eine Entschärfung des Handelskonflikts mit den USA könnte eine Rally bis 11.900 Punkte auslösen.

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