GELD-Magazin, Dezember 2018 / Jänner 2019

Mit der Konzentration auf die Bereiche Büro- und Einzelhandel hat sich die Immofinanz als einer der Top- Player im gewerblichen Immobilienbereich in Zentral- und Osteuropa positioniert. Neben einem größeren Aktienrückkauf investiert der Konzern derzeit in den Ausbau seiner Retail Parks. GELD ° Ihr Unternehmen weist ein Perio- denergebnis von 135 Millionen Euro auf. Sind solche Erträge nachhaltig zu erwirtschaften? Oliver Schumy: Dieses Ergebnis ist die Fol- ge der Neuaufstellung des Konzerns als einer der führenden gewerblichen Immobilienkon- zerne in Zentral- und Osteuropa mit Fokus auf Büro und Einzelhandel. Die Verbesserung un- serer Kennzahlen spiegelt sich unter anderem in einem höheren Vermietungsgrad, deutlichen Verbesserungen in unserem Kerngeschäft – dem Ergebnis aus Asset Management – und gesunkenen Kosten wider. Diese Faktoren sind als nachhaltig anzusehen. Im Bereich der Projektentwicklung haben wir von Bewertungs- effekten profitiert, etwa bei unseren beiden voll vermieteten Büro-Landmark-Projekten im Düsseldorfer Medienhafen. Dabei achten wir auf ein sehr gesundes Verhältnis zwischen Projektentwicklungen und dem gesamten Im- mobilienbestand. Wir verstehen uns als Asset Manager, der in einem vernünftigen Ausmaß – nicht mehr als zehn Prozent des gesamten Portfoliovolumens – Projekte entwickelt. Be- wertungseffekte in diesem Bereich hängen somit immer mit der Größe und dem Fertigstel- lungsgrad der Pipeline zusammen. Im Finanzergebnis sehen wir deutlich gesun- kene Finanzierungskosten – diese liegen um mehr als 30 Prozent unter dem Vergleichswert des Vorjahres. Das ist nachhaltig. Gleich- zeitig hatten wir hier auch einen positiven Bewertungseffekt aus dem profitablen Verkauf unserer Beteiligung an der CA Immo, was wie- derum einen Einmaleffekt darstellt. Schaut man sich die Entwicklung der für viele Investoren wichtigen Kennzahl FFO1 an – das sind die nachhaltigen Funds from Operations aus dem Bestandsgeschäft –, so haben wir diese im Ver- gleich zum Vorjahreszeitraum auf 63 Millionen Euro verdoppelt. Damit liegen wir gut im Plan, 2019 einen FFO1 von mehr als 100 Millionen Euro zu erreichen. Die Cash-Position belief sich zum Stichzeit- punkt 30. September auf 685 Millionen Euro. Wie wollen Sie das Kapital Gewinn bringend einsetzen? Durch den Verkauf des CA Immo-Anteils er- zielten wir einen Nettozufluss von mehr als 500 Millionen Euro. Einen Teil der Mittel nutzen wir für einen weiteren, größeren Aktienrück- kauf, um eigene Aktien bis zur Maximalhöhe von zehn Prozent aufstocken zu können. Die- ser Rückkauf läuft bereits seit Juli und aktuell halten wir bereits rund 4,2 Prozent an eigenen Aktien. Damit verbessern wir die Kennzahlen je Aktie und wirken einer potenziellen Verwässe- rung durch unsere Wandelanleihe mit Laufzeit 2024 entgegen. Des Weiteren sind wir auch gut für Zukäufe gerüstet: So haben wir erst vor we- nigenWochen den Erwerb von acht Retail Parks für rund 90 Millionen Euro bekannt gegeben. Das entspricht einer sehr attraktivenMietrendi- te von acht Prozent . Damit wächst unsere STOP SHOPMarke auf 80 Standorte in neun Ländern. Weitere Zukäufe sind in Evaluierung. Darüber hinaus fühlen wir uns im aktuellen Umfeld mit unserer sehr soliden Bilanz – unser Verschul- dungsgrad liegt, gemessen am Netto-Loan to value, bei unter 40 Prozent – wohl und sind gut gerüstet, um auch in einem sich verändernden Marktumfeld opportunistisch Chancen nutzen zu können. Ist die Expansion mit Retail-Flächen im digitalen Zeitalter der richtige Weg? Ja, mit Bezug auf unsere beiden Retail-Produkte schon. Wir setzen uns seit Jahren mit dem Online-Handel intensiv auseinander und be- rücksichtigen dessen Entwicklungen in unserer Markenstrategie und Portfoliostrukturierung. Genau deshalb konzentrieren wir uns mit un- seren Einzelhandelsimmobilien auf dezentrale Standorte in CEE. Wir sind also in Regionen präsent, deren Shopping-Center-Dichte signi- fikant unter dem Niveau Westeuropas liegt, wo Smartphone-Angebote begrenzt sind und wo die Bezahlung via Kreditkarte oft eine Bar- riere darstellt. Und gerade deshalb profitieren wir sogar von den Auswirkungen des Online- Handels. Denn die Stärke unserer dezentralen Struktur ist die schnelle Erreichbarkeit quasi vor der Haustür. Wie sieht Ihre Dividendenpolitik aus? Die Aktie ist wieder als nachhaltiger Divi- dendenwert positioniert. Mit dem geplanten Anstieg auf 0,8 Euro je Aktie erhöhen wir zum dritten Mal in Folge die Ausschüttung. Ob die Zahlung der Dividende KESt-frei erfolgt, kann sich das Unternehmen generell nicht aussuchen. Aus heutiger Sicht ist aber davon auszugehen, dass diese Dividende auch als Einlagenrückzah- lung dargestellt werden kann. www.immofinanz.com Gut gerüstet für weiteres Wachstum Interview mit Oliver Schumy, Immofinanz AG ° Experts Talk dezember 2018 – GELD-MAGAZIN ° 71 Dr. Oliver Schumy, CEO, Immofinanz AG CrediT: beigestellt

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