GELD-Magazin, Dezember 2018 / Jänner 2019

StaatsanwaltschaftMünchen. Beim Zahlungsdienstleister Wirecard kam es immer wieder zu heftigen Kurseinbrüchen. Besonders stark sackte die Aktie im Februar 2016 nach einer negativen Unternehmensanalyse sei- tens der bis dahin unbekannten Firma Zatarra Research ab,in der gegenWirecard Betrugsvor- würfe erhoben wurden. Die damals imTecDAX gelistete Wirecard verlor binnen Minuten rund 1,3 Milliarden Euro an Börsenwert. Nach Über- zeugung der Staatsanwaltschaft München sei hier ein krimineller Hintergrund nachweis- bar und beantragte gegen den Herausgeber der Internetseite Zatarra, Fraser Perring, einen Strafbefehl. Sollte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft folgen und Perring zu einer Geldstrafe verurteilen, könnten sich Anleger in Schadenersatzforderungen bestärkt sehen. Mit einem Urteil rechnen Beteiligte im kom- menden Jahr. Bei 37 weiteren Beschuldigten, die wegen Geschäften mit Wirecard-Papieren während der Attacke ins Visier der Ermittler ge- rieten, erhärtete sich der Verdacht nicht. Schadenersatz. Der Flugzeugkomponen- tenhersteller FACC aus Ried im Innkreis klagt zwei ehemalige Vorstände auf zehn Millio- nen Euro Schadenersatz. Hintergrund ist ein Betrugsfall, der Anfang 2016 bekannt wurde und die Firma 54 Millionen Euro gekostet hat. Zwischen 22. Dezember 2015 und 13. Jänner 2016 war einer Mitarbeiterin im Zuge eines sogenannten „Fake-President-Frauds“ vorge- gaukelt worden, Zahlungsanweisungen ihrer Chefs zu erhalten, die daraufhin insgesamt 54 Millionen Euro an mehrere ausländische Emp- fänger überwies.Nach diesemVorfall wurde im Februar 2016 die Finanzchefin, im Mai 2016 der damalige Firmenchef abberufen. Sie sind nun Erst- bzw. Zweitbeklagte. FACC wirft den ehemaligen Chefs vor, kein angemessenes internes Kontrollsystem geschaffen zu haben und die Pflicht zur kollegialen Überwachung verletzt zu haben. Die Beklagten bestreiten ein schuldhaftes Verhalten, wenden auch die ‚Un- schlüssigkeit‘ des Klagebegehrens ein. Lkw-Mautsystem. KapschTrafficCom(KTC) versucht bis zuletzt,den Auftrag für denWeiter- betrieb der LKW-Maut in Tschechien für sich zu retten. Denn anders als erwartet, vergab das Verkehrsministerium in Prag am 20. Septem- ber denAuftrag ‚ab 2020 für zehn Jahre‘ an ein tschechisch-slowakisches Konsortium (Czech- Toll und SkyToll). Einen kurz darauf erhobenen Einspruch von KTC lehnte das tschechische Wettbewerbsamt ab.Ende Oktober bot KTC den Betrieb des Mautsystems nochmals zu einem reduzierten Preis von knapp 270 Millionen Euro an – und damit um 155 Millionen Euro unter jenem des siegreichen tschechisch-slo- wakischen Konsortiums. Ursprünglich hatte Kapsch mehr als 500 Millionen Euro gefor- dert. Die wiederholte Beschwerde gegen die Vergabe an die Konkurrenten wurde am 10. Dezember von der tschechischen Wettbe- werbsbehörde neuerlich abgewiesen. Die jetzige Entscheidung kann wieder innerhalb von 15 Tagen angefochten werden. Neues Gesetz. Mit Anfang 2019 tritt eine Änderung im Aktiengesetz in Kraft, nach dem es auch österreichischen KMUs gestattet sein wird, Inhaberaktien zu führen. Damit ist der Weg zu einer Börsennotiz frei gemacht worden. Die Wiener Börse begrüßt den politischen Be- schluss, den Dritten Markt für österreichische Klein- und Mittelbetriebe wieder zu öffnen und steht mit dem neuen börsenregulierten Seg- ment „direct market plus“ in den Startlöchern: Das Einstiegssegment wird als Basis für den nächsten Schritt zu mehr Kapital und Wachs- tum gesehen. Gegen eine einmalige Gebühr von 5000 Euro und jährlich 1000 Euro sind die Aktien des entsprechenden Unternehmens an der Wiener Börse handelbar und Investoren können über das Handelssystem Xetra kaufen oder verkaufen. Die Zugangsvoraussetzungen und Folgepflichten sind gering, ein Capital Market Coach steht unterstützend zur Seite. Kleinanleger seien jedoch vor diesen Aktien gewarnt. Geringe Publizitätspflichten und die geringe Liquidität im Handel lassen überzo- Wirecard: Marktmanipulation FACC: Klage gegen Ex-Vorstände Kapsch: Wieder gescheitert a1: Modernstes Rechenzentrum Wiener Börse: Start des „direct market plus“ für KMUs AKTIEN Panorama 62 ° GELD-MAGAZIN – Dezember 2018 gene Fantasiebewertungen befürchten,wie sie jetzt bereits im Segment „other securities“ zu beobachten sind.Als Beispiel: Das griechische UnternehmenWorld Excellent Products,das im wesentlichen Olivenöl aus Griechenland ver- treibt, wies 2017 einen Umsatz von 174.152 Euro auf, ein EBITDA von minus 86.846 Euro und einen Jahresverlust von 98.463 Euro. An derWiener Börse liegt die Marktkapitalisierung der World Excellent Products bei sagenhaften 42,8 Millionen Euro! creditS: A1/apa, Wiener Börse TelekomAustria. Mit demA1Next Genera- tion Datacenter investierte die Telekom Austria 40 Millionen Euro in ihre IT-Infrastruktur. Das neue Rechenzentrum in Wien-Floridsdorf, das nun nach einer Errichtungszeit von 17 Mona- ten eröffnet wurde, verfügt über die höchsten Zertifizierungen für Sicherheit, Qualitäts-, Umwelt- und Energiemanagement. „Unterneh- men aller Branchen und Größen werden davon profitieren, denn wir begleiten Österreichs Unternehmen und Konsumenten bei der Digi- talisierung“, so A1-CEO Marcus Grausam.

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