GELD-Magazin, Dezember 2018 / Jänner 2019

brennpunkt Panorama 6 ° GELD-MAGAZIN – Dezember 2018 800 Milliarden Dollar des US- Handelsvolumens könnten von einem eskalierenden Handelskrieg negativ be- troffen sein, diese Zahl wurde von Aberdeen ins Spiel gebracht. Die Einschätzung der Experten zu dem Thema lautet kurz zusammengefasst: „Der Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und China wird sich zunächst erst verschärfen, bevor es zu einer Entspannung kommen wird.Wir gehen jetzt jedenfalls von einem bilateralen Kon- flikt zwischen diesen beiden Staaten aus.“ Sprich: andere Handelspartner werden nicht so sehr von Sanktionen und Zöllen betroffen sein. 60 Prozent der Chief Operating Of- fices (COOs) rund um den Globus meinen,dass Datenanalysen wichtig für Personal­ entscheidungen sind,so eine Befragung von PwC. Allerdings nutzen nur 27 Prozent der Entschei- dungsträger tatsächlich solche Analysen.Weitere Ergebnisse der Analyse: Neue Technologien, die steigende Lebenserwartung sowie die sogenann- te ‚Gig Economy‘,bei der Kleinaufträge kurzfristig an Freiberufler vergeben werden, verändern die Arbeitswelt grundlegend. Laut Studie haben die meisten Unternehmen bereits erkannt, welche Kompetenzen in Zukunft entscheidend sind, in vielen Fällen scheitert jedoch die Umsetzung: „Unternehmen müssen bereits jetzt die richtigen Schritte setzen und sich mit künftigen Anforde- rungen an die Arbeitswelt auseinandersetzen. Wird dies versäumt, droht ein Wettbewerbsnach- teil für die gesamte Organisation, da dringend benötige Fachkräfte nicht angeworben, entwi- ckelt und in weitere Folge gehalten werden kön- nen“, warnt Olivia Stiedl von PwC Österreich. Ein Bereich, in dem Organisationen ihre Leistung steigern können, ist übrigens die Verteilung des Arbeitspensums: Während 76 Prozent der Be- fragten eine faire und angemessene Verteilung des Arbeitspensums für wichtig halten,geben nur 50 Prozent an,dass Schritte in diese Richtung un- ternommen werden.Während für 78 Prozent der Befragten die Entwicklung der Anpassbarkeit und Flexibilität ihrer Mitarbeiter wichtig ist, geben nur 52 Prozent an, dass die Personalentwicklung da- rauf ausgerichtet ist. Den Mitarbeitern freizustel- len, wo und wann sie arbeiten, ist von zuneh- mender Bedeutung für die Personaler. zahlenspiel Nur Keine Panik. Der weltweit historisch hohe Schuldenstand sollte als Gefahr für eine glo- bale Rezession auch nicht überbewertet wer- den, erklärt Hans Bevers, Chefvolkswirt bei De- groof Petercam: „Das globale Finanzsystem,in dem auch Notenbanken zwangsläufig eine wich- tige Rolle spielen, ist ständig verschiedensten Risiken ausgesetzt. Krisen gehören zum kapi- talistischen System, in dem wir leben, als ganz natürlicher Bestandteil. Eines der Ziele des Quantitative Easing der Zentralbanken war es, die Preise von Vermögenswerten nach oben zu treiben und gleichzeitig das Renditeniveau niedrig zu halten. Primäres Ziel dabei war, ei- nen Wohlstandseffekt zu erzeugen. Sicherlich blähten sich dadurch die Bilanzen der No- tenbanken in nie gekanntem Ausmaß auf. Da Degroof Petercam: globale Rezession? liegt es nahe, mit großen Zahlen zu argumen- tieren und die Notenbanken für die nächste Krise verantwortlich zu machen. Das wäre al- lerdings zu kurzsichtig.” Der Ökonom stimmt zwar grundsätzlich mit der Ansicht überein, dass Staatsfinanzierung nicht zur Aufgabe von Notenbanken gehören sollte. Die über die ver- gangenen Jahre aufgeblähten Bilanzen dieser Institutionen hält er jedoch für einen Non- Event, da die Notenbanken aufgekaufte Assets lediglich vor sich her schieben und – anders als Staaten – nicht zahlungsunfähig werden können. Ein größeres Risiko für die Weltkon- junktur sieht der Spezialist hingegen derzeit von der Fiskalpolitik der Vereinigten Staaten ausgehen: „Ein jährliches Haushaltsdefizit von fünf Prozent und mehr des Sozialprodukts sind eher unangebracht in einer Spätphase des glo- balen Konjunkturzyklus. Die Art und Weise, wie Donald Trump das US-Wachstum mit fiskalen Maßnahmen künstlich aufbläht, könnte die globale Konjunktur in ihrem jetzigen Stadium ernsthafter gefährden.“ Hans Bevers, Chef- volkswirt, Degroof Petercam „Geld-Jahr“ 2019. Rechtzeitig zum Jah- resausklang hat Otto Lucius , Mitbegründer und Vorstandsmitglied des Österreichischen Verbandes Financial Planners, fünf gute Vor- sätze für die Geldanlage erstellt. Erstens: „Wer seine finanziellen Lebensziele erreichen möchte,muss heute zwangsläufig etwas Risiko in Kauf nehmen. Dieses muss jedoch gut kal- kuliert sein“, hält der Experte fest und rät vor der eigentlichen Investitionsentscheidung zu einer eingehenden Prüfung der finanziellen Ist-Situation und einer professionellen Risi- ko-Chancen-Analyse. Zweitens: Langfristig planen, aber flexibel bleiben. Denn politische und ökonomische Unsicherheitsfaktoren, aber auch die Tatsache, dass die Jahresprognosen der internationalen Finanzexperten keinen ge- meinsamen Nenner zu finden scheinen,lassen darauf schließen, dass den Märkten mit 2019 ein volatiles Jahr bevorsteht. Drittens: Den Le- bensabend im Auge behalten. Um im Alter monatlich 1000 Euro zusätzlich zur staatlichen Verband Financial planners: gute Vorsätze Pension zur Verfügung zu haben, gilt es, zuvor ein Vermögen von rund einer halben Million Euro aufzubauen. Vier- tens: Den Hausverstand nicht gänzlich ausblen- den. „Denn manche Renditen sind einfach zu gut, um wahr zu sein“, gibt Lucius zu bedenken. Fünftens:Kompetent und in Kompetenz investieren. Sich selbst einen gewissen Grundstock an Finanzwissen und Veranlagungskompetenz anzueignen, kann dabei helfen,unangenehmen Überraschungen in Geldfragen aus dem Weg zu gehen. Dazu Lucius abschließend: „Je komplexer sich per- sönliche Vermögensfragen darstellen, desto wichtiger ist es jedoch auch,in kompetente Be- ratung zu investieren und auf einen Experten zu vertrauen.“ Otto Lucius, Vorstand Verband Financial Planners CrediTS: beigestellt, Archiv (Studio Huber), pixabay

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