GELD-Magazin, Dezember 2018 / Jänner 2019

D ie Nachfrage bleibt auf globaler Ebene dynamisch mit Zuwachsraten von zehn Prozent pro Jahr in den entwickelten Ländern und von 13 Prozent in Asien ex Ja- pan. Haupttreiber dieses Wachstums sind „High Net Worth Individuals“ (= HNWI, wohlhabende Menschenmit über einer Mil- lion Dollar in liquiden Assets), die beson- ders in Asien bzw. China stark zunehmen. Luxusgüterfirmen haben die digitale Revo- lution erfolgreich in ihre Vertriebsprozesse integriert und sind imOnline-Handel eben- so erfolgreich unterwegs. „Auch die (sozia- len) Medien sind wegen zunehmenden Userzahlen wichtige Umsatztreiber, denn sie beeinflussen, was die Konsumenten kau- fen. Allerdings sind diese Wachstumsraten nicht gleich über die Branche verteilt – es gibt eine Polarisierung zwischen erfolg- reichen und weniger erfolgreichen Marken. Gewinner sind mit einem robusten Ge- schäftsmodell, das neue Nachfragequellen erschließt und klare Strategien verfolgt, bes- ser aufgestellt. Die Konsumenten werden jünger und suchen neue, hoch qualitative Produkte mit einer Vorreiterrolle, was die Markenbildung und -treue anbelangt. So ist etwa Gucci die letzten beiden Jahre um je- weils 30 Prozent gewachsen, Moncler rund 20 Prozent und Louis Vuitton um über 15 Prozent“, erklärt Isabelle Carpentier, Co- Managerin des Edmond de Rothschild Fund Premium Brands (ISIN LU1082942308). „WEICHER“ LUXUS DOMINIERT „Was die von uns favorisierten Seg- mente der Luxusgüterbranche anbelangt, so glauben wir, dass ,weicher‘ Luxus, wie ihn die genanntenMarken vertreiben, mehr Po- tenzial verspricht als ,harter‘ Luxus. Attrak- tive Produktpaletten im Modebereich, de- ren Angebot regelmäßig und mehrmals im Jahr aufgefrischt wird, etwa Straßenmode oder Freizeitmodetrends, die immer kürzer werden, machen flexible und innovative Anbieter zu Gewinnern. Da kommt es auf eine starke Markendifferenzierung an. So sind etwa hochwertige Lederwaren ein Wachstumssektor mit hoher Profitabilität. Eher zurückhaltend sind wir ,harten‘ Lu- xusgütern gegenüber eingestellt, etwa der Uhrenbranche, die sehr stark von China ab- hängig ist. Dafür gefallen uns neue Trends im Juweliergeschäft. Weiters beobachten wir sehr genau den Trend zu mehr Luxus- gütern im oberen Preissegment, zum Bei- spiel im Spirituosensegment bei Cognac und Champagner, mit Anbietern wie Per- nod-Ricard und Diageo. Auch Hotelketten wie Accor, die sich zunehmend auf Pre- mium-Hotelangebote fokussieren bzw. Lu- xushotels übernehmen und besser maßge- schneiderte Angebote und Services für ihre Gäste anbieten, zählen zu den langfristigen Gewinnern des Premium-Sektors.“ PLUSPUNKTE DES SEKTORS Die Stärken einer Premium-Marke, die Merkmale, durch die sie sich von anderen Unternehmen abhebt, sind Qualität, Inno- vation und Kundenbindung. Diese Funda- mentaldaten verleihen ihr eine echte Pricing Power. Dank dieser Fähigkeit zur Durchset- zung ihrer Preise zeichnen sich diese Unter- nehmen durch eine hohe Rentabilität aus. Das Wachstum der Schwellenländer und die rasante Zunahme des Wohlstands, insbe- sondere in Asien, sind Garanten für einen stetigen Zustrom neuer Konsumenten. Für die kommenden Jahre ist mit einer starken Zunahme der Anzahl von Millionären in Asien und der Nachfrage nach hochwer- tigen Konsumgütern zu rechnen. Seit fünf- zehn Jahren verzeichnet der Luxusgütersek- tor eine stetig wachsende Rentabilität, die sich für die beiden vergangenen Jahre auf 23 Prozent beläuft, während sie für den MSCI World-Index elf Prozent beträgt. Zudem sind Luxusgüterfirmen krisenresistent. Gründe dafür sind die relativeWiderstands- fähigkeit der Konsumenten von Luxusgü- tern sowie der signifikante Beitrag des Tou- rismus. Die Abhängigkeit von reichen Chi- nesen oder Russen bringt aber doch eine ge- wisse Zyklizität in dieses an sich recht stabi- le Geschäft. Mittelfristig werden sich die Langfristtrends durchsetzen. CREDIT: beigestellt Die Aussichten der Luxusgüterbranche sind trotz der Verlangsamung des Wachstums in China weiterhin positiv einzuschätzen. Dies liegt vor allem daran, dass die meisten Luxusgüterunternehmen ihre Produkt- und Kommunikationsstrategien auf den globalen Konsumenten ausrichten. Wolfgang Regner Luxus glänzt auch im neuen Jahr Anlagebranche Luxusgüter ° AUSBLICK 2019 DEZEMBER 2018 – GELD-MAGAZIN ° 59 „Wir favorisieren Luxusgüter wie Lederwaren und Mode“ Isabelle Carpentier, Co-Fondsmanagerin des EdR Fund Premium Brands LIPPER-INDEX LUXUSGÜTER Nicht-Basiskonsumgüter performten etwa wie der breite Weltaktien-Index. 40% 30% 20% 10% 0% 50% 60% 70% 80% 2015 2014 2013 2016 2017 2018 Aktien Global (EUR)

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