GELD-Magazin, Dezember 2018 / Jänner 2019

M itte November befanden sich die so- genannten FAANG-Aktien – Face- book, Amazon, Apple, Netflix und Google (Alphabet) – in einem Bärenmarkt, das heißt, sie haben vom Top weg gerechnet mehr als 20 Prozent ihres Börsenwertes ver- loren. Doch während Facebook in diesem Jahr um 20 Prozent gefallen ist, konnten an- dere US-Techno-Riesen wie Microsoft und Amazon um bis zu 40 Prozent zulegen. Zu- letzt hat Microsoft sogar Apple den Rang ab als teuerstes US-Unternehmen abgelaufen. Den Umsatz konnte Apple nur wegen der hohen Preise für die neuen Mobiltelefone steigern. Beunruhigt hat die Anleger vor allem, dass die führenden Apple-Zulieferer wie Foxconn aus China (baut die iPhones zusammen), der keine zusätzliche Produk- tionslinie für das neue iPhone XR anlaufen lassen will, ihre Prognosen zurücknehmen mussten. Bei Microsoft hingegen floriert das Geschäft. Cloud-Dienste und Business- Software sind gefragte Produkte, sodass der Gewinn des Konzerns zuletzt im Jahresver- gleich um rund ein Drittel zulegte. TÜTENSUPPEN TEURER ALS HIGHTECH Mikko Ripatti, Senior Client Portfolio Manager, DNB Technolog y (ISIN LU0302296495), meint hierzu: „Manche Geschäftsmodelle werden nicht mehr die gewohnten Umsatz- und Gewinnsteige- rungen generieren. Jedenfalls haben wir von den FAANGs nur mehr Alphabet (Google) übergewichtet. Das Unternehmen besitzt riesige Skalenvorteile – aufgrund seiner Größe sinken die Fixkosten gemessen am Umsatz. Daraus resultieren starke organi- sche Gewinnzuwächse (ohne Übernahmen) von rund 20 Prozent bei einem KGV (2019) von kaum 20. Das ist in den Analystenschät- zungen noch nicht berücksichtigt“, meint Ripatti. Um die Barliquidität bereinigt, liegt das KGV bei nur 16 und damit auf der Höhe der Bewertung des wachstumsschwachen Tütensuppenherstellers Campbell Soup. „Bei Facebook haben wir Zweifel am Ge- schäftsmodell, vor allem, was den Umgang mit den riesigen Datenmengen der User an- belangt. Ob sie weiterhin wie gewohnt die Umsätze antreiben, erscheint zweifelhaft. Möglicherweise schlägt ein schwächeres Userwachstum negativ auf das Werbege- schäft durch. Auch bei Apple ist derzeit vieles im Fluss und manches davon macht uns Sorgen. Noch gibt es trotz der sehr teu- ren neuen iPhones keinen Preisdruck, doch das kann sich rasch ändern. Stark gewichtet haben wir dagegen Lenovo. Die Chinesen werden ihren Marktanteil im PC-Segment weiter ausbauen und sie sind die Nummer zwei im Datencentergeschäft. Sie haben großes Restrukturierungspotenzial vor allem im Smartphonegeschäft, was die Ge- winnmargen antreiben sollte.“ Netflix be- zahlt seine Expansion mit einem hohen Schuldenberg. Die Anleihen des Unterneh- mens haben nur Junk Bond-Status. Und die Konkurrenz von Disney und AT&T wächst. HALBLEITER SCHWACH Was den Halbleitersektor anbelangt, so haben sich die Gewinnschätzungen in ne- gatives Territorium gedreht. „Besonders skeptisch sind wir bei Chipherstellern, die den Smartphone-Markt beliefern, da hier die Nachfrage bereits zurückgeht. Wir glau- ben nicht daran, dass der Bedarf des Krypto- währungssegments z.B. beim Mining neuer Bitcoins diesen Rückgang ausgleichen kann. Einige Halbleiterhersteller haben hier ein Umsatzexposure von zehn bis 15 Prozent, was wir für nicht nachhaltig erachten“, er- klärt Ripatti. Der Leader bei Grafik-Prozes- soren Nvidia musste die Prognosen senken, weil das Geschäft mit den Kryptowäh- rungen eingebrochen ist. Und je weiter der Krypto-Markt sinkt, desto unrentabler wird das Mining. Ein beträchtlicher Teil des Um- satzes von Nvidia stammt von Krypto-Mi- ning-Hardware, dieMiner nutzen, umkom- plexe mathematische Formeln zu lösen. Ein Teil dieses Geschäftes dürfte in nicht allzu ferner Zukunft aber wieder ein Comeback erleben. CREDIT: beigestellt AUSBLICK 2019 ° Anlagebranche Technologie 54 ° GELD-MAGAZIN – DEZEMBER 2018 Die Technologiebranche hat als einer der wenigen Sektoren in diesem Jahr eine positive Performance hin- gelegt. Der Nasdaq 100-Index ist um rund zehn Prozent gestiegen. Doch nun mehren sich die Anzeichen, dass die besten Zeiten vorüber sein könnten. Wolfgang Regner Ein starker Jahrgang „Wir meiden Hersteller von Chips für Smartphones“ Mikko Ripatti, Fondsmanager des DNB Technology LIPPER-INDEX TECHNOLOGIE Rasante Entwicklungen in der Informations- technologie lassen die Kurse weiter steigen. 100% 80% 60% 40% 20% 0% 120% 140% 160% 180% 2015 2014 2013 2016 2017 2018 Aktien Global (EUR)

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