GELD-Magazin, Dezember 2018 / Jänner 2019

M angels gesetzlicher Definition hat sich für virtuelle Vermögenswerte der Überbegriff Krypto-Assets (Vermögens- wert, der auf Krypthographie und distribu­ ted ledger – verteiltes Hauptbuch – oder ähnlicher Technologie beruht) etabliert. Sie stellen keine Finanzinstrumente i.S.d. WAG 2018 dar, sodass deren Herstellung oder Emission weder einer Regulierung noch der Aufsicht der FMA unterliegt. Trotzdemkön- nen Geschäfte mit Krypto-Assets Regula- tiven unterworfen sein (z.B. gemäß BWG, AIFMG oder ZaDiG) und einer staatlicher Aufsicht unterliegen, wenn im Rahmen eines Initial Coin Offerings (ICO) Rechte ähnlich einem Wertpapier gewährt werden, wenn bei Entgegennahme fremder Gelder zur Verwaltung auch die Investition inKryp- to-Assets vorgesehen ist oder, wenn der Be- treiber einer Krypto-Assets-Handelsplatt- form auch die Zahlung in herkömmlichen Währungen auf eigenen Konten abwickelt. Krypto-Assets per se werden vom Bundes­ finanzministerium (BMF) als ein mit einer Finanzanlage vergleichbares Wirtschaftsgut gesehen und als solches der steuerrecht- lichen Sammelbezeichnung der Finanz- instrumente gleichgehalten. Darunter ver- steht man alle auf rechtsgeschäftlicher Grundlage stehenden Ansprüche und Ver- pflichtungen, die unmittelbar auf den Aus- tausch von Zahlungsmitteln gerichtet sind. Immaterieller Vermögenswert Bei Krypto-Assets besteht die Proble- matik, dass die Vertragspartner ob der de- zentralen Organisation nicht fassbar bzw. abgrenzbar sind, was zur Beurteilung von Krypto-Assets als immaterieller Vermö- gensgegenstand führt. Werden sie im Be- triebsvermögen gehalten, sind bei bilanzie- renden Unternehmen nach den einschlä- gigen Vorschriften des EStG zu bewerten. Da das BMF Krypto-Assets als ‚unkörper- liche Gegenstände des Finanzanlagevermö- gens‘ betrachtet, ist eine Zuordnung zum Anlage- oder Umlaufvermögen zu treffen. Ausschlaggebend für die Einordnung ist die dokumentierte Absicht, das Krypto-Asset langfristig zu behalten – dann erfolgt eine Zuordnung zum Anlagevermögen. Für die Bewertung ist der Marktwert/Börsekurs im Zeitpunkt des Zugangs entscheidend, Kurs- gewinne oder -verluste beim späteren Ver- kauf oder Tausch sind im Zuge der Gewin- nermittlung zu beachten. Ertragsteuerrechtlich lassen sich Kryp- to-Assets im Wesentlichen in drei Bereiche gliedern: Mining (oder Schürfen), Initial Coin Offerings (ICOs, Ausgabe von Token für Gegenleistung) und Transaktionen (An- und Verkauf) und orientieren sich die be- hördlichen Beurteilung am Wartungserlass 2018 der ESt-RL (BMF-010203/0171- IV/6/2018, BMF-AV Nr. 79/2018). Besteuerung des MININGs Aufgrund der aktuell hohen Energieko- sten und der fallenden Kurse ist es fraglich, ob Schürfer 2018 überhaupt versteuerbare Erträge erwirtschaften. Die Kurse haben sich jenen Grenzen angenähert, unter wel- chen sichMining ob der benötigten Rechen- leistung (Hardware) und des hohen Strom- verbrauchs nicht mehr rentiert. Allein im November 2018 haben gemäß Coindesk mehr als 600.000 Bitcoin-Schürfer ihre An- lagen vom Netz genommen. Prinzipiell ist aber die Voraussetzung für eine Besteue- rung der Kreierung neuer Krypto-Assets, dass die Tätigkeit selbstständig, nachhaltig, in Gewinnerzielungsabsicht und durch Be- teiligung am wirtschaftlichen Verkehr er- bracht wird (vgl. § 23 EStG). Werden Ein- künfte aus Mining im Rahmen eines Unter- nehmens erzielt, ist die Einordnung als ge- werbliche Tätigkeit naheliegend. Vorsicht ist aber auch für Private geboten, da die Finanz die Gewerblichkeit bei jeder Schaffung von Krypto-Assets vermutet, dies auch, wenn zum Mining Rechenleistung, Hardware und/oder Software nur angemietet wird. Denn auch bei dieser Variante trägt der Schürfer, der auf eigene Rechnung und Ge- fahr tätig wird, das Unternehmerrisiko und wird die Gewinnabsicht zu bejahen sein – wenn nicht nur die Kosten der Erstellung gedeckt sein sollen. Da beim Mining eine nicht bestimmbare Anzahl von Transakti- onen von Krypto-Assets validiert wird, ist der Personenkreis, dem gegenüber neue Coins im Blockchain-System kreiert wer- den, nicht bestimmbar – dies erfüllt das Kri- terium der Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr. Zusammenfas- send liegt aus Sicht der Finanz daher per se credit: beigestellt , Robert Kneschke/stock.adobe.com geldanlage  ° Kryptowährungen 28 ° GELD-MAGAZIN – dezember 2018 Rechtsfreier Raum? zur person: Mag. Gregor Beer , LL.M ist Rechtsanwalt in Wien, Partner der Beer & Steinmair Rechtsanwäl- te OG. Tätigkeitsschwer- punkte sind das Wirt- schafts- und Unterneh- mensrecht, Gesellschaftsrecht, Prozessführung und insbesondere auch die Beratung in den Be- reichen Kapitalmarkt- und Versicherungsrecht. Die Begriffe Kryptowährung, virtuelle Währung, Token oder Coin sind zwischenzeitig geläufig. Was darunter zu verstehen ist und welche Rechtsfolgen mit deren Erzeugung oder Erwerb/Verkauf verbunden sind, schon weniger. Gemäß EU-Richtlinie 2018/843 sind virtuelle Währungen keine offiziellen Währungen, kein gesetzliches Zahlungsmittel oder als Devisen handelbar. Gastbeitrag von Mag. Gregor Beer

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