GELD-Magazin, Dezember 2018 / Jänner 2019

D er Schlüssel beim Start in die Selbst- ständigkeit sind insbesondere ver- schiedene Fördereinrichtungen, die zwar auch direkt Finanzierungen anbieten kön- nen, vor allem aber mit Garantien zur Er- möglichung von Bankfinanzierungen zur Seite stehen. Denn ohne Sicherheiten kein Bankkredit. Die wichtigste Fördereinrich- tung in Österreich ist die Austria Wirt- schaftsservice GmbH (aws), eine Förder- bank des Bundes, die durch Vergabe von zinsgünstigen Krediten, Garantien, Zu- schüssen sowie Eigenkapital Unternehmen bei der Umsetzung ihrer Projekte unter- stützt. Bei den nach Angeboten und Rat- schlägen befragten Banken spielte das aws faktisch eine „Schlüsselrolle“ in der Umset- zung folgender Finanzierungsbeispiele: Finanzierung einer Gründung im Einzelhandel Ein Jungunternehmer startet als Fran- chisenehmer in einer lukrativen Nische des Einzelhandels (z.B. ‚Das Futterhaus‘ oder ‚Dogstyler‘). Die gesamte Investitionssum- me beläuft sich auf 300.000 Euro und es sind bereits ca. 60.000 Euro als Eigenmittel vor- handen. Nachfolgend die Tipps und Ange- bote der Banken: Kurt Leutgeb, Geschäfts- feldleiter Garantien/Eigenkapital bei der aws, rät: „Hier bietet sich ein Bankkredit mit einer aws-Garantie sehr gut an, wobei die aws auch noch günstige Kreditmittel in Form eines ERP-Kredites zur Verfügung stellen könnte.“ Die kundenabhängige Laufzeit liegt im Bereich von fünf bis zehn Jahren. „Die Zinsen für den ERP-Kredit sind fix mit 0,5 Prozent, für die Garantie wird ein risikoab- hängiges Garantieentgelt verrechnet, das sich imBereich von 0,6 bis 1,2 Prozent bewe- gen könnte“, so Leutgeb. Und er rät prinzipi- ell zu einer Planung, die auch die Finanzie- rung des Umlaufvermögens ausreichend be- rücksichtigt, um Liquiditätsengpässe zu ver- hindern. Achtung: Gerade dort, wo die Un- ternehmen selbst über wenig Eigenkapital verfügen, stellt hier die persönliche Haftung die einzige Möglichkeit einer Risikoteilung dar (ist eine übliche Vorgangsweise). Übernahme eines Installationsbetriebs Ein Handwerker übernimmt einen Installationsbetrieb mit einem angenom- menen Übernahmepreis von 500.000 Euro (Jahresumsatz: etwa zwei Millionen Euro, EBITDA: rund 100.000 Euro), als Geschäfts- führer-Gehalt werden in der Kalkulation monatlich 5000 Euro brutto angesetzt – ein Unternehmerlohn von 60.000 Euro pro Jahr. Prinzipiell bietet die aws im Bereich der Gründungs- und Jungunternehmensförde- rung für Neugründungen und Übernahmen die gleichen Optionen an. Bank Austria-Experte Kosche rät dazu, die Idee in Zusammenarbeit mit einem Steu- erberater bzw. Wirtschaftsprüfer in Form eines Businessplanes zu prüfen, ob das Un- ternehmen – auch unter Berücksichtigung der Zinsen- und Rückzahlungsbelastungen – über fünf Jahre Gewinn bringend geführt werden kann. Kosche empfiehlt 30 Prozent des Gesamtkapitalbedarfs als Eigenkapital. Dann bietet die Bank Austria fristen­ kongruent gestaltete Investitionskredite und einen Betriebsmittelkredit für laufenden Be- darf sowie zur Abdeckung von Liquiditäts- schwankungen. Die Erste Bank bietet neben Kombinati- on von Kontorahmen für Waren, laufende Kosten und Betriebsmittel und Investitions- krediten (Laufzeiten bis 15 Jahre) auch ande- re Finanzierungsformen wie beispielsweise Leasing und Factoring. Den erforderlichen Eigenmittelanteil beziffert das Institut je nach Projekt und Branche mit 20 bis 30 Pro- zent. Die notwendigen Eigenmittel können neben eigenen Ersparnissen über Familie, Freunde, Business Angels, Crowdfunding, Investorengelder und auch Zuschüsse be- schafft werden. banking  ° Finanzierung 24 ° GELD-MAGAZIN – Dezember 2018 Unternehmensgründer und -käufer kommen heute mit etwas Eigenmitteln noch immer an eine Start-Finanzierung. Das GELD-Magazin führte dazu eine Bankenbefragung anhand zweier Fallbeispiele durch. Ergebnis: Im Grunde genommen ist jedem der Weg zum eigenen Unternehmen geebnet. Michael Kordovsky Starthilfe für Unternehmer ° Übernahme auf Raten Wenn man Förderungen nutzen möch- te, ist eine mehrheitliche Übernahme erforderlich (mindestens 51 Prozent der Gesellschaftsanteile). Hat der/die Verkäu- fer aber ein besonderes Interesse an den Nachfolgern, besteht auch die Möglich- keit einer schrittweisen Übernahme. Dazu die Experten der RLB OÖ: „Grundsätzlich ist auch eine Übernahme in Raten finan- zierungsfähig. Im Rahmen eines Finanzie- rungskonzeptes ist auch ein sogenannter ,Vendor Loan’möglich. Dabei handelt es sich quasi um eine Kaufpreisstundung durch den Verkäufer. Es wird ein Teil des Kaufpreises sofort bezahlt, der restliche Kaufpreis wird in Raten über mehrere Jahre beglichen.“ Auch Bank Austria-Fi- nanzierungsexperte Markus Kosche sieht darin eine gute Möglichkeit: „Manchmal kann es sinnvoll sein, dass der verkau- fende Unternehmer noch einige Zeit im Unternehmen bleibt, um einen schritt- weisen Übergang zu gewährleisten. Dies kann etwa durch sogenannte ,Earn-out- Modelle’ erreicht werden, wobei die Aus- zahlung und die Höhe des Kaufpreises über mehrere Jahre verteilt und vom Erreichen bestimmter wirtschaftlicher Größen abhängig gemacht werden“.

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