GELD-Magazin, Dezember 2018 / Jänner 2019

S chlechtreden sollte man Österreich si- cherlich nicht: Sozial- und Gesund- heitssystem funktionieren, man kann auf Gratisbildung und eine lebenswerte Infra- struktur zurückgreifen. Das alles hat natür- lich seinen Preis – den letztlich der Steuer- zahler berappen muss. VIEL GELD AN DEN FISKUS Tatsächlich wird jeder netto verdiente Euro mit 89 Cent Steuern und Abgaben be- lastet. Der OECD-Schnitt lag 2016 bei 62 Cent. Die starke Differenz zwischen Brutto und Netto ergibt sich aus Faktoren wie Dienstgeber- und Dienstnehmerbeitrag zur Sozialversicherung sowie natürlich der Ein- kommensteuer (siehe Grafik unten). Viele Menschen wird diese Aufstellung und vor allem die Höhe der Abgaben überraschen, was daran liegt, dass die meisten Arbeitneh- mer gar nicht wissen, wie teuer ihre Leis- tung von den Arbeitgebern bezahlt werden muss. Dazu heißt es von der Denkfabrik Agenda Austria: „Der Lohnzettel ver- schweigt imNormalfall ja, wieviel vom Ein- kommen, das Herr und Frau ,Mustermann‘ erarbeitet haben, ihr Arbeitgeber für sie di- rekt zum Beispiel an die Sozialversicherung überweist. Diese unsichtbare Belastung macht etwa für einen Jahreslohn von gut 44.000 Euro brutto immerhin fast 13.000 Euro aus.“ Lukas Sustala, Wirtschafts- experte bei der Agenda Austria, meint im Gespräch mit dem GELD-Magazin: „Öster- reich ist nach wie vor ein Hochsteuerland, vor allem was den Faktor Arbeit betrifft. Es bleibt einfach wenig Netto vom Brutto übrig. Deshalb sollte eigentlich klar sein, wohin die Reise bei der nächsten Steuer- reform geht: In Richtung einer Senkung der Lohn- und Einkommensteuer bzw. der Arbeitskosten.“ SENKUNG UND EINSPARUNGEN Das hat auch die heimische Regierung erkannt und peilt eine groß angelegte Re- form an, die ab 2020 gelten und Entlas- tungen in Höhe von bis zu sechs Milliarden Euro bringen soll. Vorgesehen ist etwa eine Senkung der Abgabenquote von derzeit rund 44 auf 40 Prozent. Das Ganze soll mit Einsparungen in der Verwaltung als Kom- pensation für eventuell niedrigere Steuer- einnahmen verbunden werden. Löbliche Pläne, seien wir auf die konkrete Umset- zung gespannt. Wichtig sind für die Agenda Austria im Zuge einer Steuerreform jeden- falls folgende drei Punkte: Einfachheit, Transparenz und Leistungsfreundlichkeit. Sustala erklärt: „Im Sinne der Einfachheit sollten die zahlreichen Ausnahmerege- lungen durchforstet und Komplexität aus dem System genommen werden. Einige der derzeitigen Bestimmungen sind einfach nicht logisch nachvollziehbar. Ein klas- sisches Beispiel: Warum brauchen wir in Österreich drei verschiedene Formen, um Pendler zu fördern?“ Transparenz bedeutet laut dem Experten wiederum, dass man auf einen Blick auf den Lohnzettel sehen sollte, CREDIT: Markus Rössle WIRTSCHAFT ° Steuerreform 20 ° GELD-MAGAZIN – DEZEMBER 2018 Fünf bis sechs Milliarden Euro soll die nächste große Steuerreform den Österreicherinnen und Österreichern bringen. So die Pläne der heimischen Regierung, die einen „großen Wurf “ anpeilt. Beim ink-Tank Agenda Austria hat man zusätzlich einige Wünsche notiert, wie man die Bürger weiter entlasten könnte. Denn die Alpenrepublik ist nach wie vor ein Hochsteuerland. Harald Kolerus Kampf der kalten Progression Quelle:AgendaAustria. STEUERN UND ABGABEN AUF DAS NETTOEINKOMMEN Ein Niedrigsteuerland ist Österreich nicht: Ein Euro netto wird mit Abgaben von 89 Cent belastet. Schwer wiegt etwa die Sozialversicherung. in Euro, für einen Durchschnittsverdiener*, Single, keine Kinder, 2016 0 Irland UK Dänemark Schweiz OECD-Schnitt Spanien Luxemburg Estland Griechenland Polen Portugal Lettland Slowenien Schweden Tschechien Slowakei Finnland Österreich Italien Frankreich Ungarn Niederlande Deutschland Belgien +1,17 Nettoeinkommen Dienstnehmerbeitrag zur SV Dienstgeberbeitrag zur SV Länderspezifische Abgaben Einkommensteuer +0,62 +0,37 +0,89 0,5 1,0 1,5 2,0

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