GELD-Magazin, November 2018

credit: pixabay 78 ° GELD-MAGAZIN – November 2018 WISSEN Luxembourg Space Agency T here’s a starman waiting in the sky“, wusste schon der selige Popbarde David Bowie zum Besten zu geben. Was aber wirklich im Himmel, besser gesagt in den Tiefen des Universums, auf uns wartet, liegt (noch) im Dunkeln. Vielleicht schier unendliche Profitchancen? Hintergrund: Bekanntlich sind die Rohstoffreserven un­ seres Planeten beschränkt und werden über kurz oder lang zur Neige gehen. Da gilt es über den Horizont hinauszudenken: Himmelskörper wie Asteroiden oder Ko­ meten können sehr hohe Konzentrationen von Edelmetallen oder Seltenen Erden ent­ halten. Goldrausch im All Dazu erreichen uns interessante Zahlen der britischen Asteroid Mining Corpora­ tion, die sich Rohstoff-Abbaumöglichkeiten im Weltraum verschrieben hat: Auf einem zwei Kilometer großen Asteroiden können sich demnach rund 10.000 Tonnen Gold und 100.000 Tonnen Platinum in einem Wert von 300 Milliarden Pfund (rund 340 Milliarden Euro) respektive 2,5 Trillionen Pfund (2,8 Trillionen Euro) verstecken. Der Gründer der Asteroid Mining Corporation ist angesichts solcher astronomischen Zah­ len zu dem Schluss gekommen, dass „jedes Unternehmen, das Asteroiden-Mining be­ treibt, unendlich reich werden kann“. Das klingt im wahrsten Sinne des Wortes abge­ hoben, dennoch handelt es sich um keine reine Science-Fiction. Dafür spricht, dass das üblicherweise bodenständige Luxem­ burg bereits im Jahr 2016 ein entsprechen­ des Gesetz vorgelegt hat, das Investoren Rechtssicherheit über das Eigentum an Rohstoffen aus dem Weltall geben soll. So­ mit wurden die rechtlichen Vorausset­ zungen geschaffen, um Unternehmen nach Luxemburg zu locken, die im möglichen Milliardengeschäft der Zukunft so richtig durchstarten wollen. „Wir sind damit das erste europäische Land, das einen Gesetzes­ rahmen für denWeltraum-Bergbau schafft“, wurde damals der Sprecher von Luxem­ burgs Wirtschaftsminister Etienne Schnei­ der im deutschen „Tagesspiegel“ zitiert. Fol­ gerichtig wurde im September des heurigen Jahres sogar eine eigene Weltraumagentur gegründet hat: Die Luxembourg Space Agency (LSA). Ihr Ziel ist es, private Fir­ men und Betriebe aus dem Bereich Welt­ raumforschung, speziell zum Space mining, mit staatlichen Mitteln zu unterstützen. Zu den nationalen Partnerorganisationen der LSA zählen honorige Institutionen aus Luxemburg, wie z.B.: Handelskammer, Em­ ployment Development Agency, Luxem­ bourg Science Center oder die Universität von Luxemburg. Interessant: Luxemburg hat inzwischen bereits mit Polen und der Tschechischen Republik ein Memorandum unterzeichnet, umbilaterale Kooperationen für Weltraum-Aktivitäten mit speziellem Fokus auf die Erforschung und Nutzung der Space-Ressourcen zu ermöglichen. Intergalaktisches Recht Steht dem „Kosmos-Kapitalismus“ jetzt also nur noch die technische Verwirkli­ chung im Wege? Ganz so „einfach“ ist das nicht, denn wem gehören eigentlich die Schätze des Weltalls? Diese Frage ist imwei­ ten Universum der Rechtsgelehrten strittig. So verbietet etwa der Mondvertrag von 1979 militärische Nutzung, staatliche Souveräni­ tätsansprüche oder privaten Besitz am Erd­ trabanten und anderen Himmelskörper. Dieses Übereinkommen ist allerdings von nur sieben Staaten ratifiziert worden. Auf breitere Zustimmung stößt der sogenannte Weltraumvertrag von 1967, dem sich 107 Nationen angeschlossen haben. Wobei um­ stritten ist, ob dieses Regelwerk Grund­ eigentum auf Himmelskörpern zulässt. So­ mit gilt: Ein kleiner Schritt für einen Men­ schen bedeutet noch keinen großen Schritt zur Ausbeutung des Weltalls. Der Weltraum, unendliche Weiten, unendliche Gewinnmöglichkeiten. Wir schreiben das Jahr 2018, in dem ein kleines europäisches Land aufgebrochen ist, nicht um fremde Galaxien zu erforschen, sondern den Kommerz im Kosmos voranzutreiben. Auch wenn das noch in weiter Zukunft liegen sollte. Harald Kolerus Der Griff nach den Sternen „ Großer Schritt für die Menschheit? Asteroiden sollen als Rohstoff- lieferanten der Zukunft dienen.

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