GELD-Magazin, November 2018

E s ist schon einige Jährchen her, da machte der sogenannte „Pensionisten­ brief “ in Österreich die Runde. 1995 ver­ sprach Franz Vranitzky darin, dass die Pen­ sionen hierzulande sicher seien. Man sagt, dass der an Rentner verschickte Brief zu einem erheblichen Teil für das gute Ab­ schneiden der SPÖ bei den folgenden Na­ tionalratswahlen mitverantwortlich war. Ungünstige Demografie „Schnee von gestern“ ist das nicht, noch immer bewegen Diskussionen um die Sicherheit unseres Pensionssystems die Gemüter. Andreas Zakostelsky, ÖVP-Natio­ nalratsabgeordneter und Obmann des Fachverbands Pensionskassen der WKO, meinte bei einer Informationsveranstaltung im heurigen Oktober zum vielzitierten Vra­ nitzky-Brief: „Das heimische Pensionssys­ tem ist sozusagen ein Evergreen. Es stimmt schon, dass die Pensionen insofern sicher sind, dass es die staatliche erste Säule immer geben wird. Nicht geklärt ist hingegen, wie hoch die Renten in Zukunft ausfallen wer­ den.“ Der Experte verweist in diesem Zu­ sammenhang auf die knallharten Fakten, die von der Demografie geliefert werden: In den 1990er-Jahren, also zur Zeit des Pensio­ nistenbriefs, befand man sich in der relativ komfortablen Situation, dass durchschnitt­ lich vier Erwerbstätige einen Pensionisten „erhalten“ haben. Heute ist dieses Verhält­ nis auf 3,3 Erwerbstätige zu einem Pensio­ nisten abgefallen. In rund 20 Jahren sollen dann nur noch 2,2 arbeitende Menschen für einen Rentner aufkommen. Kräftige Finanzspritze Man muss also kein Mathematikgenie sein, um zu erahnen, dass die Rechnung im­ mer schwieriger aufgeht: Schon heute müs­ sen aus dem Staatsbudget jährlich rund zehn Milliarden Euro in das Pensionssys­ tem gepumpt werden. Wohlgemerkt, ohne die Beamten, rechnet man die Staatsdiener hinzu, erhöht sich die Subvention insgesamt auf stolze 20 Milliarden Euro. Nochmals wohlgemerkt: pro Jahr. „20 Milliarden ent­ sprechen ungefähr der Summe, die zur Be­ wältigung der Hypo Alpe Adria aufgewen­ det werden musste. Nur handelte es sich da­ bei um ein einmaliges Ereignis“, gibt Bernd Marin, der Doyen der heimischen Pen­ sionsforschung, zu bedenken. Angesichts solcher immensen Summen rauchen natür­ lich die Köpfe: Wie soll man mit dem Fass ohne erkennbaren Boden umgehen? Nicht nachhaltig Vorschläge dazu gibt es genug. So hat sich etwa der deutsche Wirtschaftswissen­ schafter Bert Rürup zu der Thematik bereits mehrmals zu Wort gemeldet: „Das österrei­ chische Pensionssystem ist großzügig, aber nicht nachhaltig, sprich mit langfristigen Finanzierungsrisiken behaftet.“ Hinzu komme, dass seit Mitte der 1980er-Jahre in den meisten Industrielän­ dern ein Rückgang der Lohnquote und im Gegenzug ein Anstieg des gesamtwirt­ schaftlichen Anteils der Vermögensein­ kommen zu beobachten ist – auch in Öster­ reich. „Vor diesemHintergrund sollte es un­ strittig sein, dass ein gutes Altersvorsorge­ system nicht nur aus den Arbeitseinkom­ men, sondern aus allen Quellen des Volks­ einkommens – und damit auch aus den na­ tionalen wie internationalen Kapitalein­ kommen – finanziert werden sollte. Unter risikodiversifizierenden Gesichtspunkten ist Alterssicherungssystemen, die aus einer Mischung von umlagefinanzierten und ka­ pitalgedeckten Pensionen bestehen, der Vorzug vor monistisch finanzierten Syste­ creditS: FVPK/Maringer, pixabay versicherung  ° Pensionssystem 74 ° GELD-MAGAZIN – november 2018 Die Debatte zur Sicherheit unserer Renten dauert jetzt schon mehrere Jahrzehnte. Wobei die steigende Lebenserwartung schwachen Geburtenjahrgängen gegenübersteht. Viele Experten fordern eine Stärkung der betrieblichen Vorsorge, ohne das staatliche Umlagesystem „austrocknen“ zu wollen. Harald Kolerus Der richtige Mix zählt! Wieviel Geld bleibt im Ruhestand übrig? Die Diskussion geht weiter.

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