GELD-Magazin, November 2018

AKTIEN ° Deutschland 62 ° GELD-MAGAZIN – NOVEMBER 2018 Gute Chancen auf eine Herbstrally es gibt auch Lichtblicke. Der Umsatz wuchs um acht Prozent auf 15,6 Milliarden Euro. Höhere Verkaufspreise in den meisten Segmenten waren hierfür ausschlag- gebend. Zudem will BASF seine Öl- und Gastochter Wintershall mit der früheren RWE-Sparte DEA verschmelzen und an die Börse bringen. DAIMLER: ZWEITE GEWINNWARNUNG Nach den schwachen Q3-Zahlen muss das vierte Quartal jetzt sitzen. Der Stuttgar- ter Autobauer Daimler hatte mit der zwei- ten Gewinnwarnung binnen weniger Mo- nate Investoren verschreckt. Vor allem Aus- lieferungsverzögerungen bei Mercedes- Benz, weil nicht alle Motor-Getriebekombi- nationen die Zulassung beim neuen Ab- gastestverfahren WLTP erhalten haben, der drohende Brexit und Importzölle auf dem weltweit größten Pkw-Markt in China wur- den zur Belastung. Bei der Kernsparte Mercedes fiel die operative Gewinnmarge von 9,0 auf magere 6,3 Prozent. DemKunst- stoffhersteller Covestro setzt zunehmend ein schwierigeres Marktumfeld zu. Das Be- triebsergebnis stagnierte im dritten Quar- tal, im Gesamtjahr erwarten die Leverku- sener aber weiterhin einen Anstieg. Der Umsatz stieg um 4,8 Prozent. Bis 2021 wer- den Kosteneinsparungen von rund 350 Mil- lionen Euro im Jahr angestrebt. Diese sollen auch durch den vermehrten Einsatz von di- gitalen Lösungen erreicht werden. Offenbar drohen die Preise für das wichtige Kunst- stoffvorprodukt MDI unter Druck zu gera- ten. Die Prognose 2018 kann jedoch noch gehalten werden. Der Autozulieferer Conti- nental hat im dritten Quartal besser abge- schnitten als zuletzt befürchtet. Das opera- tive Ergebnis erreichte im dritten Quartal D ie Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im Ok- tober stärker als erwartet eingetrübt. Das ifo-Geschäftsklima sank auf 102,8 Zähler von 103,7 Punkten. Sowohl Geschäftslage als auch Aussichten wurden schlechter ein- geschätzt. Flaute herrschte in der Autobran- che, die mit der Umstellung auf den Abgas- standard WLTP kämpft. Wirtschaftsfor- schungsinstitute wie das Berliner DIW ge- hen davon aus, dass das Bruttoinlandspro- dukt im Sommer nur noch um 0,1 Prozent gewachsen ist. Immerhin hat die deutsche Industrie zuletzt deutlich mehr Aufträge er- halten als in den Vormonaten, allerdings nur aus dem Ausland. Das Wachstum be- trug zwei Prozent und ist der erste Anstieg nach zwei Rückgängen in Folge. Im Ver- gleich zum Vorjahresmonat fielen die Auf- träge im August zwar um 2,1 Prozent, der Rückgang war aber schwächer als erwartet. FRESENIUS SCHOCKT DIE BÖRSIANER Unternehmen wie Daimler, Continen- tal, Osram, Zalando, Talanx, BASF oder HeidelbergCement hatten bereits die Märkte mit Gewinnwarnungen beunruhigt. Dabei ist eines auffallend: Die Enttäu- schungen kamen entweder von Anleger- lieblingen (Fresenius, Zalando), die zudem ein relativ hohes Bewertungsniveau erreicht hatten, oder von Unternehmen aus kon- junktursensiblen Branchen (Daimler, Con- tinental, HeidelbergCement). Vor allem die gesenkte Gewinnprognose von Fresenius Medical Care, der Dialysetochter der Frese- nius SE, schockte die Anleger und schickte den Wert mit einem zweistelligen Kursab- schlag auf Talfahrt. Das schwächelnde Nordamerika-Geschäft mit einem Umsatz- anteil von 70 Prozent belastet FMC. Für das laufende Jahr geht der Bad Homburger Konzern nur noch von einem Umsatz- wachstum von zwei bis drei Prozent aus (statt fünf bis sieben Prozent). Auch der Chemieriese BASF konnte nicht überzeu- gen. Das schwache Geschäft mit Basische- mikalien, Integrations- und Umbaukosten nach der Übernahme der Saatguttochter von Bayer belasteten die Quartalszahlen. Unterm Strich verdiente BASF mit 1,2 Mil- liarden Euro zehn Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Dazu trugen niedrigere Preise bei Kunststoffvorprodukten bei. Aber DAX Durchbruch nach unten. Der Deutsche Aktien- index (DAX) konnte nach dem deutlichen Fall unter die 200-Tage-Linie, wie leider erwartet, die wichtige Unterstützung bei 11.800 Punkten nicht halten. Die Folge war ein Absturz fast bis auf 11.000 Punkte. Nun wird um die eher schwache Unterstützung bei 11.200 Punkten gerungen. Erholungen deutlich über die Marke von 11.500 Punkten sind nicht sehr wahrscheinlich, aber möglich. Die Hoffnungen ruhen nun auf einer Entschärfung des Handelskonflikts mit den USA. Die Quartalsberichtssaison entwickelt sich so gar nicht nach dem Geschmack der Investoren. Es gibt zahl- reiche Gewinnwarnungen und bei den guten Quartalsausweisen wird die kleinste Schwäche als Verkaufs- argument herangezogen. Dennoch sind die Chancen für eine Erholung nach den US-Kongresswahlen gut. Wolfgang Regner CREDIT: pixabay

RkJQdWJsaXNoZXIy MzgxOTU=