GELD-Magazin, November 2018

creditS: shutterstock.com aktien  ° Börse Wien 60 ° GELD-MAGAZIN – November 2018 Chancen in der Marktbereinigung und eine Dividende von 1,40 Euro je Aktie (Rendite: 3,9%). Trotz der guten Zahlen wandert der Kurs der Erste Group-Aktie zwischen etwa 34 und 38 Euro seitwärts. Bei rund 35 Euro ist die Aktie durchaus einen Kauf wert. Aber auch die Bawag meldete für die ersten drei Quartale einen Anstieg des Nettogewinns – um 9,2 Prozent auf 327Mil- lionen Euro. Der Vorstand geht davon aus, dass er 2018 alle Ziel übertreffen werde. Im Gegensatz zum seitwärts verlaufenden Kurs der Erste Bank Aktie tendiert jener der Ba- wag eher sogar noch abwärts. Mitte Okto- ber fiel er wieder unter die 40 Euro-Marke. Auch das sind wieder Kaufkurse, die Divi- dendenrendite liegt hier bei 5,6 Prozent! Voestalpine mit Gewinnwarnung Voestalpine erzielte im ersten Halbjahr 2018/19 zwar einen Rekordumsatz von 6,67 Milliarden Euro (+5,9%), die Ergebnisse wurden jedoch von mehreren Sondereffek- ten beeinflusst: Schwäche in der Autoindus- trie, Erneuerung des größten Hochofens, temporärer Stillstand des Werkes in Texas aufgrund von Hochwasser. Damit verrin- gerte sich das operative Ergebnis (EBIT) um fast 18 Prozent auf 479,5 Mllionen Euro, der Gewinn nach Steuern sank um 18,7 Prozent von 388,9 auf 316,2 Millionen Euro. Vor- stand Wolfgang Eder kappte daraufhin das Jahresziel und geht nun von einem EBIT von etwas unter einer Milliarde Euro aus. Das entspricht rund 700 Millionen Euro Gewinn und einem KGV von unter acht. Das sind Kaufkurse. Wienerberger überrascht positiv Wienerberger hingegen profitierte in den ersten drei Quartalen von der guten Baukonjunktur in ihren Kernmärkten so- D as Wachstum im Eurozone-Industrie- sektor schwächt sich weiter ab. ImOk- tober war es so niedrig wie seit gut zwei Jah- ren nicht mehr. Für Österreich wurde in der Herbstprognose der EU-Kommission das Wachstum 2019 nach 2,2 auf zwei Prozent reduziert. Der Chefökonom der Industriel- lenvereinigung, Christian Helmenstein, er- wartet ein deutlich geringeres Wachstums- tempo im kommenden Jahr. Bereits seit dem Frühjahr 2018 sei das konjunkturelle Momentum abwärts gerichtet. Deutlich kann man das aber auch an den Entwick- lungen der Aktienkurse seit Jahresanfang ablesen. Lediglich sechs Werte aus dem ATX Prime Index liegen im Plus: die Ver- bund-Aktie hat knapp verdoppelt, Do&Co legte mit ihrem erfogreichen Turnaround um 70,5 Prozent zu, der Impfstoffhersteller Valneva stieg um 24 Prozent und CA Im- mobilien um 17 Prozent. Das war es dann heuer auch schon mit Kurszuwächsen. Am unteren Ende der Performance-Liste findet sich der Autozulieferer Polytec mit einem Kursrückgang von 47,5 Prozent. Zuletzmel- dete das Unternehmen für die ersten drei Quartale einen Umsatzrückgang um 5,8 Prozent auf 479 Millionen Euro und ein um 28,4 Prozent niedrigeres Periodenergebnis von 22,1 Millionen Euro. Eine Kurshalbie- rung ist hier eine harsche Konsequenz. Bei Kursen um 27 Euro kann man sich wieder einige Polytec-Aktien ins Depot legen, zu- mal im Mai eine Dividende von über vier Prozent winkt. Banken nicht im Stress Ende Oktober veröffentlichte die Ban- kenaufsicht ihre Stresstest-Ergebnisse für 48 große Banken in der EU. Sowohl Erste Group Bank wie auch Raiffeisen Bank In- ternational schlossen in diesem Test leicht unterdurchschnittlich ab. Doch so wirklich tangiert hat das niemanden, denn die Test- bedingungen sind derart konstruiert, dass die Frage ist, ob sie überhaupt in der ange- nommenen Weise eintreten würden. Kurz nach Veröffentlichung des Stresstests gab die Erste Bank ihre Zahlen für die ersten drei Quartale bekannt. Und siehe da, sie konnte den Nettogewinn in diesem Zeit- raum um 24 Prozent auf 1,23 Milliarden Euro steigern. Auf das Gesamtjahr gesehen sollten rund 1,5 Milliarden rauskommen Austrian Traded Index (ATX) Kurzfristige Erholung. Der ATX markierte Ende Oktober bei 3050 Punkten einen Tief- punkt. Die (fragliche) Aussicht, dass sich das Verhältnis zwischen den USA und China ent- spannen könnte, ließen ihn wieder auf 3200 Punkte zulegen – eine klassische technische Erholung. Nach einer kurzen Pause könnte der ATX diesen Widerstand aufgrund der noch immer etwas überkauften Situation zwar durchaus überwinden, doch es lauern bereits die nächsten bei 3300 und 3400 Punkten. Zehn Jahre Bullenmarkt haben dazu verleitet, Umsatz- und Gewinnanstiege der Unternehmen hoch- zurechnen. Dementsprechend stiegen auch die meisten Aktien. Jetzt trennt sich imMarktrückgang die Spreu vomWeizen, Überbewertungen werden abgebaut, so manche Aktie ist wieder günstig geworden. Mario Franzin

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