GELD-Magazin, November 2018

brennpunkt Panorama 6 ° GELD-MAGAZIN – November 2018 30 Prozent der österreichischen Un- ternehmen wurden im Jahr 2010 von einer oder mehreren Frauen geführt. 2014 lag die Quote bereits bei 34,3 und 2017 bei 36,6 Prozent. Umgekehrt gab es bei den von Männern geführten Unternehmen einen Rückgang von 64,6 Prozent im Jahr 2010 auf 57,9 Prozent in 2017, so das Ergebnis einer Erhebung der Wirt- schaftsauskunftei CRIF Österreich. „Grundsätz- lich ist diese Tendenz begrüßenswert, in den großen, vor allem auch börsennotierten Unter- nehmen sind Frauen jedoch trotz gleicher Quali- fikation nach wie vor in der Minderheit“, erklärt CRIF-Geschäftsführer Boris Recsey. „Nicht nur in Österreich, auch in anderen Ländern Europas be- kommen Frauen weniger Gehalt bei gleicher Leistung, haben schlechtere Aufstiegsmöglich- keiten und stoßen irgendwann an eine gläserne Decke.“ Und das, obwohl Frauen in vielen Be- reichen nachweislich besser wirtschaften. Laut der CRIF-Auswertung wurden 2017 rund 70 Pro- zent der von einer Insolvenz betroffenen österrei- chischen Unternehmen von einem oder mehre- ren Männern geleitet – im Vergleich zu 20,9 Pro- zent, bei denen eine oder mehrere Frauen das Ruder in der Hand hatten. 81 Prozent der heimischen Firmen pla- nen oder experimentieren mit Künst- licher Intelligenz (KI), fünf Prozent auf fortge- schrittenem Level.Das sind einige der Ergebnisse einer in Europa durchgeführten KI-Studie von EY und Microsoft. Weitere Resultate der Untersu- chung: Nur rund ein Drittel der österreichischen Unternehmen glaubt heute, dass KI ihre gesamte Branche verändern wird. Die Hälfte erwartet ei- nen großen Einfluss auf ihr Kerngeschäft. Die Mehrheit der Unternehmen befasst sich zwar be- reits mit KI,insgesamt liegt die KI-Expertise Öster- reichs aber unter dem Europa-Durchschnitt. „In Österreich fehlt es noch an der Basis.Viele Unter- nehmen sind noch mitten in ihrer digitalen Trans- formation und noch nicht bereit, sich mit fortge- schrittenen Einsatzmöglichkeiten zu beschäfti- gen“, so Axel Preiss, Leiter Managementberatung EY Österreich. Immerhin: Fünf Prozent der Unter- nehmen würden ihren KI-Einsatz als fortgeschrit- ten einstufen; im Europa-Durchschnitt sind es vier Prozent. zahlenspiel gegen den rest der welt. Immer wieder wird gerne folgende Frage gestellt: Kann das Reich der Mitte die USA als Wachstumsloko- motive der Welt ersetzen? Für Larry Hatheway, Chefökonom bei GAM Investments, ist dieses Szenario aus zwei Gründen unwahrschein- lich: „Erstens hätte China nur wenig davon, die Geldpolitik weiter zu lockern. Zweitens lockert China nun die Kreditvorgaben, um das Risi- ko auszugleichen, dass die Exporte durch den zunehmenden Handelskonflikt mit den USA schrumpfen könnten.Das ist kaum beruhigend, gam investments: USA bleiben die Nummer eins HealthCare. Das Streben nach einem län- geren, besseren Leben gehört zu den weltweit größten Herausforderungen unserer Zeit. Auf der Suche nach Lösungen stehen Unterneh- men aus dem Gesundheitssektor an vorderster Front und sind damit auch für Investoren at- traktiv. Einige finanzielle Risiken sollten aber nicht verschwiegen werden. In den etablierten Märkten sehe sich der Gesundheitssektor mit kontinuierlich sinkenden Renditen für Investi- tionen in Forschung und Entwicklung sowie einem höheren Preisdruck konfrontiert, meint man in einem Kommentar von Axa Invest- ment Managers. Dagegen dürften die Firmen der Entwicklungsländer künftig der maßgeb- liche Treiber für das Branchenwachstum sein: „Unternehmen in den Schwellenländern, die sich den Zugang zu Medikamenten und me- dizinischen Programmen erschließen, sollten rasch an Marktanteilen gewinnen und zu den Profiteuren im Gesundheitssektor zählen“, erklärt Julien Foll, Responsible Investment Analyst bei AXA. AXA: Gesunde Schwellenländer Zins-entscheid. Der Gesamt-Einkaufs- managerindex (EMI) der Eurozone fiel im Oktober unter den Wert von 53. Obwohl dies immer noch im Einklang mit der Expansion steht, stellt es einen deutlichen Rückgang gegenüber den im Jänner dieses Jahres er- reichten 58,8 dar.Nicht alle Indikatoren für die Wirtschaftsaktivität im Euroraum fallen aber so enttäuschend aus. Das Wachstum der Kredite an Nichtfinanzunternehmen stieg im Septem- ber im Vergleich zum Vorjahr um 3,1 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit 2009. Die EZB soll ihre Nettoanlagekäufe bis Ende dieses Jahres einstellen, hat jedoch zu- gesagt, die Zinssätze bis mindestens Sommer nächsten Jahres auf den derzeitigen Niveaus zu halten. An den Märkten wächst die Sorge, dass die Handelsspannungen und/oder ein globaler Wirtschaftsabschwung die EZB von einer Normalisierung ihrer Geldpolitik abhal- ten könnte.In diesem Fall würden uns negative Zinsen noch weiter erhalten bleiben (siehe auch Artikel ab Seite 12). EZB: Keine Normalisierung? denn China bereitet sich auf das Schlimmste vor, statt sich kompromissbereit zu zeigen.“ An den Börsen konnten sich die Vereinigten Staaten in den vergangenen Jahren wiede- rum durch ihre starke Performance als klare Nummer eins unter den Industriestaaten po- sitionieren. Auf die Frage, ob ein anderer Aktienmarkt die USA in dieser Rolle ablösen könne,zeigt sich Hatheway ebenfalls eher pes- simistisch: „Japan erfreut sich zwar heimlich eines bemerkenswerten jahrzehntelangen Anstiegs der Unternehmensgewinne – aber kann sich wirklich jemand vorstellen, dass Ja- pan allein die globalen Aktienmärkte anführen wird? Europa und die Schwellenländer haben es immer wieder versäumt, ihre Gewinne zu steigern, und ohne eine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums wird sich dies auch nicht ändern.“ Ein Führungswechsel erscheine auch eher unwahrscheinlich, solange auf geo- wie auch wirtschaftspolitischer Ebene so viele Unsicherheiten herrschen würden. CrediTS: Elon Musk by Kristoffer Tripplaar / Alamy Stock Photo, pixabay

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