GELD-Magazin, November 2018

F amily First: Familienunternehmen sind die Eckpfeiler der meisten Volkswirt- schaften, werden als wirtschaftliches Phä- nomen aber nur unzureichend vom Re- search der Bankanalysten abgedeckt. Das Credit Suisse Research Institute hat Gründe ermittelt, warum familiengeführte Unter- nehmen in der Regel so erfolgreich und so- mit aus Anlegersicht attraktiv sind. Dabei definiert man familiengeführte Unterneh- men als Firmen, bei denen die Gründer oder deren Nachkommen eine direkte Be- teiligung von mindestens 20 Prozent halten oder mindestens 20 Prozent der Stimm- rechte auf sich vereinen. Der CS Family 1000 Report basiert auf einer Datenbank aus 1000 börsennotierten Familienunter- nehmen. Unternehmen im beobachteten Universum haben die breiteren Aktien­ märkte jährlich um 3,4 Prozent pro Jahr übertroffen. An der Börse schwanken Ak- tien von Familienunternehmen weniger stark. Der Grund: Sie haben meist einen Großaktionär, der mindestens 25 Prozent der Stimmrechte hält. Häufig sind die Fami- lienunternehmer zusätzlich im Vorstand oder Aufsichtsrat aktiv. Konservative Finanzpolitik Gestützt wird dieser Trend durch die Tatsache, dass familiengeführte Unterneh- men auch aus finanzieller Sicht besser ab- schneiden als Nicht-Familienunternehmen. Das Wachstum des Umsatzes und des ope- rativen Gewinns fällt stärker, die Gewinn- margen höher, die Cashflow-Erträge besser und die Verschuldung geringer aus. Eine höhere Eigenkapitalausstattung verleiht in Krisenzeiten Stabilität und Banken-Unab- hängigkeit. Gerade Letzteres ist besonders wichtig. Darüber hinaus deutet eine Stil- und Bonitätsanalyse auf eine starke Ten- denz in Richtung Qualität hin. Die Bilanzen sind deutlich solider und mit mehr Eigen- kapital unterlegt. Und nicht zuletzt denken Familien-CEOs nicht in Quartalsberichten, sondern verfolgen eine langfristige Strate- gie. Familiengeführte Unternehmen legen auch auf Innovationen einen höheren Wert, da die Ausgaben für Forschung und Ent- wicklung (F&E) höher ausfallen. Das Rückgrat der Wirtschaft Unglaublich, aber wahr: Fast jeder zwei- te Weltmarktführer stammt aus Deutsch- land. Das Institut für Mittelstandsforschung hat errechnet: Obwohl die rund 4700 größ- ten Familienunternehmen in Deutschland weniger als ein Prozent aller Firmen ausma- chen, sind sie für fast ein Viertel aller Um- sätze verantwortlich. „Ein Vorteil dieser Firmen, die häufig patriarchisch geführt werden, liegt in den kurzen Entscheidungs- wegen. Die Verantwortung liegt oft nur beim geschäftsführenden Eigentümer, der strategische Entscheidungen selbst treffen kann“, meint Maximilian Thaler, Fondsma- nager des DJE Mittelstand & Innovation. Ein zweiter Vorteil ist, dass in eigentümer- geführten Unternehmen der Firmenlenker oftmals auch selbst der größte Gesellschaf- ter ist – der langfristige Erhalt des Unter- nehmens steht an erster Stelle, was sich in sehr soliden Unternehmensbilanzen und hohen Barmittelbeständen widerspiegelt.“ Viele dieser Unternehmen haben ihr Haupt- produkt als Innovation selbst eingeführt und über die Generationen ihren Wettbe- werbsvorteil erfolgreich verteidigt. „In die- ser Hinsicht weisen familiengeführte Un- ternehmen auch einen hohen Innovations- grad aus, was sich zum Teil auch in ange- meldeten Patenten messen lässt“, erklärt DJE-Fondsmanager Thaler. Wie erfolgreich die börsenotierten Familienfirmen waren, zeigt ein Vergleich des DAXplus Family In- credit: Adobe Stock © amriphoto.com geldanlage  ° Familienunternehmen 50 ° GELD-MAGAZIN – November 2018 Dank Faktoren wie einer besseren Finanzperformance , konservativeren langfristigen Strategie und einem stärkeren Fokus auf Innovation kommen Familienunternehmen auf eine überdurchschnittliche Wert­ entwicklung an der Börse. Wir stellen unsere Top-Werte näher vor. Wolfgang Regner Auf der Überholspur isra vision Der Gründer Enis Ersü hält noch einen Anteil von 22,7 Prozent und ist gleichzeitig CEO. Mayr-Melnhof Der Kartonhersteller steht zu 57 Prozent im Eigentum der Kernfamilie Mayr-Melnhof.

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