GELD-Magazin, November 2018

36 bzw. elf Prozent unter dem sechsjährigen Durchschnitt. Gemäß dem Modell von Pa- trick Zweifel, Chefökonom bei Pictet Asset Management, das Kaufkraftparitäten, Pro- duktivität und Nettoauslandsvermögen be- trachtet, sind derzeit die Schwellenländer- Währungen gegenüber demEuro umknapp 12 Prozent unterbewertet – so stark wie seit Mitte der 90er-Jahre nicht mehr. Gegenüber über dem US-Dollar liegt die Unterbewer- tung sogar bei 25,2 Prozent und damit dem höchsten Wert seit Mitte der 80er-Jahre! Dazu Walter Liebe, Investmentspezia- list bei Pictet Asset Management in Frank- furt: „Die Abwertungen resultierten aus verschiedenen Entwicklungen, die lange Zeit keinen Zusammenhang hatten, aber an den Währungsmärkten zunehmend zu ei- ner Ansteckung und Sentimentverschlech- terung führten. So waren die Autokratie- tendenzen in der Türkei, die bevorstehen- den Wahlen in Brasilien, die Sorge vor US- Strafzöllen usw. nur singuläre Belastungs- faktoren für einzelne Län- der, die aber nicht zu einem flächendeckenden Abverkauf führten. Seit dem Zinsanstieg in den USA im Februar 2018 rückten diese Belastungs- faktoren stärker in den Blickpunkt der Anleger.“ Dieser Abverkauf von Währungen eröffnet nun wiederum Chancen: „Aus unserer Sicht sind die Be- wegungen an der Wäh- rungsfront übertrieben, die über das fundamental gerechtfertigte Maß hi- nausgehen. Aus diesem S teigende Dollarzinsen, rückläufige Rohstoffpreise und Strafzölle der USA auf Produkte aus China, Mexiko, Russland und der Türkei belasten die Wachstums- märkte. Über die Sommermonate entfaltete der Zollstreit eine immer größere Eigen­ dynamik, was infolge von Kapitalabflüssen vor allem hochverzinste Schwellenländer- Währungen unter Druck setzte. Die Wäh- rungsverluste gegenüber dem Euro liegen auf Jahressicht bei bis zu 27 Prozent (siehe Tabelle unten). Einige Währungen sind deutlich unterbewertet Die real effektiven Wechselkurse der meisten Schwellenländer-Währungen lie- gen nun deutlich unter ihrem sechsjährigen Durchschnitt und damit auf dem nied- rigsten Stand seit der Finanzkrise 2008/09. Laut Franz Schardax, Fondsmanager des IQAM Bond LC Emerging Markets, liegen türkische Lira und russischer Rubel bereits Grund haben wir in unseren Lokalwäh- rungsanleiheportfolios bereits wieder eine Übergewichtung in einer Reihe von Wäh- rungen aufgebaut, da wir seit wenigen Wo- chen wieder eine Gegenbewegung feststel- len“, so Liebe. Profis sehen jetzt Langfristig gute Chancen Das Fondsmanagement-Trio des Black- Rock Global Funds Emerging Markets Lo- cal Currency Bond Fund – Sergio Trigo Paz, Laurent Develay und Michal Wozniak – sieht erste Anzeichen, dass das Wirtschafts- wachstum der Schwellenländer die Talsohle erreicht hat, was für sie eine Bestätigung da- für ist, dass es sich aktuell nur um einen „Mid-Cycle-Slowdown“ handelt. Die Wachstumsrate der Schwellenländer sollte sich bei stabilen Rohstoffpreisen bei ca. 4,5 Prozent einpendeln. Für China und die EU werden in den kommenden Monaten sogar wieder Wachstumsimpulse erwartet und bezüglich Argentinien und der Türkei we- niger „Ansteckungsrisiken“. Seit Ende Mai hat die türkische Zentralbank ihren Ein- Wochen-Reposatz verdreifacht. Der jüngste Zinsschritt vom 13. September, eine Anhe- bung um 6,25 auf 24 Prozent, stoppte bis dato den Kursverfall der Lira. Indessen han- delte Argentinien mit dem IWF eine Auf- stockung der Finanzhilfe von 50 auf 57,1 Milliarden Dollar aus. In Brasilien hingegen führte der Wahlsieg von Jair Bolsonaro zu- letzt zu einem Rebound des Real. Langfristig von Vorteil ist der im Ver- gleich zu den entwickelten Ländern nied- rigere Verschuldungsgrad der Schwellen- länder. Der IWF beziffert die Staatsver- schuldung der Entwicklungs- und Schwel- lenländer 2018 mit 50,4 Prozent des BIP im credit: beigestellt , pixabay Geldanlage  ° Schwellenländer-Anleihen in Lokalwährungen 34 ° GELD-MAGAZIN – november 2018 Die jüngsten Turbulenzen in den Schwellenländern hinterließen ausgebombte Währungen und hohe Anleihenrenditen – eine Chance, die Anleger über eine Reihe attraktiver Emerging-Markets-Lokalwäh- rungs-Anleihenfonds wahrnehmen können. Michael Kordovsky Gute Chancen in Hochzinsländern ° Schwache Währungen – hohe Renditen Währung Veränderung zum Euro Rendite 3 Monate 1 Jahr 5 Jahre Staatsanl. (5 J.) Türkische Lira –5,0% –27,0% –56,0% 18,7% Ägyptisches Pfund 1,4% 0,6% –54,3% 18,6% Brasilianischer Real 1,8% –8,6% –27,7% 9,2% Südafrikanischer Rand –5,4% 1,3% –15,6% 8,5% Russischer Rubel –2,8% –9,0% –41,9% 8,3% Indonesische Rupiah –1,7% –7,8% –9,2% 8,2% Mexikanischer Peso –5,9% –2,3% –22,8% 8,2% Indische Rupie –4,5% –9,7% 0,3% 7,8% Kolumbianischer Peso –7,7% –2,8% –29,0% 6,5% Chinesischer Renminbi 0,7% –1,8% 4,9% 3,4% Polnischer Zloty –1,1% –1,5% –2,6% 2,5% Thai Baht 2,8% 2,9% 12,5% 2,3% Quellen:onvista, Investing.com;04.11.2018

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