GELD-Magazin, November 2018

D ie Zahl der Menschen, die von Herzen gerne Steuern zahlt, dürfte sich in überschaubaren Grenzen halten. Natürlich bekommt der Bürger für sein Geld auch einiges geboten: gratis Schulausbildung, eine funktionierende Infrastruktur, breit ausgebaute Sozial- und Gesundheitsleis­ tungen sowie sichere Pensionen (wie sich der letzte Punkt weiterentwickelt, steht auf einem anderen Blatt, siehe auch Seite 72 in diesem GELD-Magazin). Auf der anderen Seite darf aber auch nicht verschwiegen werden, dass die Belas­ tung der heimischen Arbeitnehmer im europäischen Spitzenfeld liegt: Die Summe der Steuern und Abgaben liegt nur in weni- gen Ländern höher als in Österreich, wie die Grafik unten anschaulich vor Augen führt. Wer in Österreich Vollzeit arbeitet, verdient im Schnitt laut dem Think Tank Agenda Austria rund 49.000 Euro brutto im Jahr, das entspricht monatlich 3500 Euro. Davon kommt aber bei weitem nicht alles netto an. Über die gesamten Lohnne- benkosten tragen die österreichischen Ar- beitnehmer deutlich mehr an Sozialabga- ben und Steuern bei als auf den Lohnzetteln aufscheint (siehe Grafik auf der rechten Sei- te). Von Agenda Austria und anderen Ex- perten wird deshalb eine deutliche Senkung der Lohnnebenkosten gefordert. Die ÖVP- FPÖ-Regierung hat auch mehrmals bekräf- tigt, an dieser Schraube drehen zu wollen. „Wahrscheinlich wird sich deshalb im kom- menden Jahr auf steuerlicher Ebene einiges tun, heuer gab es hingegen nur wenig Ver- änderungen“, zieht Monika Seywald, Exper- tin der TPA Steuerberatung, Bilanz. Für das GELD-Magazin hat sie einige Tipps vor­ bereitet, worauf man Ende 2018 noch Acht geben sollte. Die „lieben Kleinen“ Einige Veränderungen gibt es zum Jah- reswechsel doch, die mehr als einen Blick wert sind. Denn sie betreffen einen Gutteil der Österreicherinnen und Österreicher. So löst nämlich der sogenannte Familien­ bonus 2019 den Kinderfreibetrag und die Abzugsfähigkeit der Kinderbetreuungs­ kosten ab. Bis zum 18. Lebensjahr des Kin- des können 1500 Euro per annum und ab dem 18. Lebensjahr 500 Euro jährlich als Absetzbetrag berücksichtigt werden. Die- ser verringert tatsächlich die Steuer, ist je- doch nicht negativsteuerfähig. Vorausset- zung ist der Bezug der Familienbeihilfe, bei unterjährigen Änderungen wird monatlich aliquotiert. Der Familienbonus kann über die Lohnverrechnung (eine entsprechende Erklärung ist dem Arbeitgeber vorzulegen) oder über die Veranlagung beansprucht werden. Für finanziell schwächer gestellte gilt wiederum: Der Kindermehrbetrag von 250 Euro pro Jahr steht jenen Eltern zu, die keine Steuer zahlen, aber Anspruch auf den Familienbonus hätten. Werden mehr als 330 Tage Arbeitslosenentgelt, Notstands- hilfe etc. bezogen, steht der Kindermehrbe- trag hingegen nicht zu. Achtung! Kinderbetreuungskosten sind letztmalig für 2018 bis zu einem Betrag von 2300 Euro pro Kind abzugsfähig. Begüns­ credits: beigestellt/Christoph Meissner, pixabay wirtschaft  ° Steuertipps 24 ° GELD-MAGAZIN – november 2018 2018 neigt sich dem Ende zu. Jetzt ist es höchste Zeit, um Bilanz zu ziehen – nicht zuletzt was die eigenen Finanzen betrifft. Noch kann der eine oder andere Schritt gemacht werden, um die eigene Steuerbelastung zu reduzieren. Denn jeder Euro zählt. Die besten Tipps. Harald Kolerus Nur nicht zu viel löhnen! Quelle:EU-Kommission abgabenquoten 2018 im eu-vergleich Ein Niedrigsteuerland ist Österreich nicht, weshalb von der Politik weitere Schritte zur Senkung der Abgabenquote gefordert sind. Steuersparen kann aber jeder Einzelne schon jetzt. Steuern und SV-Beiträge in Prozent des BIP Frankreich Belgien Dänemark Schweden Italien Österreich Finnland Griechenland Deutschland Niederlande Luxemburg UK Spanien Estland Litauen Bulgarien Rumänien Irland 47,6 % 42,3 % 46,2 % 45,9 % 23,8 % 43,4 % 42,5 % 41,9 % 41,2 % 40,6 % 39,6 % 26,0 % 38,9 % 34,9 % 34,4 % 34,0 % 30,1 % 29,6 %

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