GELD-Magazin, Juli/August 2018

credit: beigestellt 28 ° GELD-MAGAZIN – JULI/AUGUST 2018 Peter Harold ist seit mehr als zehn Jahren Vorstand der HYPO NOE. In dieser Zeit steigerte er die Bilanzsumme auf 14,4 Milliarden Euro und breitete die Bank auf 27 Geschäftsstellen in NÖ und Wien aus. Gleichzeitig richtete Harold die Bank auf Nachhaltigkeit aus und ist von seinem Erfolgsrezept „Sei nah am Kunden“ nach wie vor überzeugt. GELD ° Heute reicht das Thema Digitalisie- rung auch stark in den Finanzbereich hinein. Online Banking, Robo-Advisor, Fintechs.Wird das Geschäftsmodell der klassischen Haus- bank à la longue überflüssig? Peter Harold: Wir betreiben das Bank- geschäft seit 130 Jahren und werden das auch die nächsten 130 Jahre tun. Dass die technolo- gische Entwicklung vor unserer Branche nicht Halt macht, ist natürlich klar. Ich halte das so- gar für eine gute Entwicklung. Viele Prozesse werden stärker automatisiert, einige Fintechs docken an und übernehmen Routinevorgän- ge. Was sie bei den diversen Fintechs aber kaum bekommen, ist das Kernbankgeschäft – die Do- kumentation, die persönliche Betreuung und fachliche Beratung. Die technische Entwicklung ist aber nicht einseitig zu sehen. Sie geht Hand in Hand mit der Änderung des Kundenverhaltens. Die meisten einfachen Bankgeschäfte werden heute online durchgeführt. Dazu brauchen Sie auch keinen Berater. Neben der Digitalisierung, die uns viel Routinearbeit erspart, halte ich es aber für essentiell, dass der Kunde in der Bank einen glaubwürdigen Partner findet. Das ist der Bereich des Bankgeschäfts, auf den wir uns konzentrieren. Haben Sie in dieser Beziehung als Landesbank einen Vorteil gegenüber großen Instituten? Als Landesbank für Wien und Niederöster- reich haben wir mit einer Bilanzsumme von 14,4 Milliarden Euro und einer Kernkapital- quote von 19,4 Prozent (CET1) eine optimale Struktur. Einerseits kapitalkräftig genug, um Finanzierungen einfach vergeben zu kön- nen – 2017 rund 1,2 Milliarden Euro – und uns günstig zu refinanzieren, und andererseits überschaubar genug, um für den Kunden fle- xibel zu sein und ihn auch persönlich optimal betreuen zu können. Wir sind stark im öffentlichen Geschäft und im KMU-Bereich tätig. Da ist es nicht so wich- tig, ob Sie 50 Cent bei den Kontogebühren sparen oder nicht. Da wollen Sie einen An- sprechpartner, der mit Ihnen z.B. verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten beim Kauf oder der Entwicklung von Immobilien durchspricht, eine Bank, die flexibel auf ihre Bedürfnisse re- agieren kann. Da ist einfach die Kundennähe und die persönliche Beratung unumgänglich. So etwas können Sie nicht einfach über Online Banking planen. Entwickelt sich z.B. eines Ihrer Projekte nicht so ganz, wie Sie sich das vorge- stellt haben. Da lernen Sie erst den Wert einer Bank kennen, die Ihnen den Rücken freihalten kann. Und dennoch ist die Quote der sogenann- ten NPLs – also Kredite, die in Verzug geraten sind – bei der HYPO NOE mit 1,9 Prozent sen- sationell niedrig. Bei Großbanken ist die Quote ausfallsgefähr- deter Kredite wesentlich höher.Worauf führen Sie das zurück? Ebenso wichtig wie für den Kunden, uns als verlässlichen Ansprechpartner zu haben, legen wir als Bank auch großen Wert, unsere Kunden genau zu kennen. Wenn sie den Background und die unternehmerischen Bedürfnisse ken- nen, sind Lösungen gemeinsam wesentlich schneller zu erreichen. Da kommt uns auch un- sere schlanke Struktur sehr entgegen. Bei uns werden Entscheidungen rasch getroffen. Bei der Finanzierung von Immobilien oder Infra- struktur ist es z.B. auch wichtig, die örtlichen Gegebenheiten genau zu kennen. Da haben wir als Landesbank natürlich einen wesentlichen Vorteil. Bei der Recommender Gala des FMVÖ (Finanzmarketingverband) wurde die HYPO NOE Landesbank zum Aufsteiger des Jahres 2018 gewählt.Was waren da die Gründe? Die Auszeichnung freut mich persönlich sehr, weil ich in den vergangenen zehn Jahren als Vorstand der HYPO NOE bei der Entwicklung der Bank mitwirken durfte und es mir zeigt, dass wir die richtigen Entscheidungen getroffen haben. Einer der ausschlaggebenden Gründe war die Fusion der HYPO NOE Landesbank mit der Muttergesellschaft. Das war zwar eine große Herausforderung, aber wir konnten deutlich effizienter werden und Synergieeffekte erzie- len. Die kommen wiederum unseren Kunden zugute, weil wir unsere Ressourcen noch stär- ker in der Beratung einsetzen können und uns weniger mit internen bürokratischen Abläu- fen beschäftigen müssen. Außerdem sparen wir damit Kosten, indem wir Zweigleisigkeiten be- seitigt haben. Man sieht ja auch die positive Entwicklung in der Verbesserung des Kreditratings der HYPO NOE Landesank... Standard & Poor’s hat uns lange Zeit mit A/A-1 und stabilem Ausblick angeführt, durch den positiven Ausblick ist jetzt ein Rating auf A+ in greifbarer Nähe. So eine Ratingverbesserung ist kein Kinderspiel, das ist harte Arbeit. Letztend- lich zahlt es sich aber aus, ein besseres Rating heißt günstigere Refinanzierung. Und das heißt wiederum bessere Kreditkonditionen für unse- re Kunden und eine höhere Eigenkapitalbildung für die Bank. „Als starke Landesbank sind wir für Kunden ein verlässlicher Partner“

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