GELD-Magazin, Juli/August 2018

T rump stellt sich vor, seine Handelspart- ner dazu zwingen zu können, mehr Waren aus den USA zu kaufen. Damit will er den Export ankurbeln und das US-Han- delsbilanzdefizit reduzieren. Gleichzeitig ist ihm ein Dorn im Auge, dass China techno- logisch rasant aufholt, in einer Domäne, die bislang den USA vorbehalten war – und vielleicht auch noch Europa und Japan. Dies wird von den USA umso bedrohlicher wahrgenommen, da China sich auf eine Einwohnerzahl und damit auf einen Kon- sum von 1,4 Milliarden Menschen stützen kann, die USA mit 325 Millionen nur auf knapp ein Viertel davon. Rechnet man die Eurozone mit 340 Millionen Einwohner und Japan (127 Mio.) hinzu, kommen die Industrienationen zusammengerechnet nur auf etwas mehr als die Hälfte von Chinas Population. Hinzu kommt, dass China die USA in rund zehn Jahren als größte Welt- macht überholen wird – zumindest vom BIP her gesehen. Derzeit liegt das Verhält- nis noch bei rund 1,5:1 (USA: 18,6 Bio. USD vs. China: 11,2 Bio. USD). Die Stoßrichtungen Donald Trumps sind auf zwei Themen gerichtet: einerseits das Handelsbilanzdefizit der USA reduzie- ren, indem vornehmlich China und Europa gezwungen werden sollen, mehr Waren aus den USA zu beziehen und zweitens, den technologischen Aufholprozess Chinas zu bremsen, indem US-Technologien vor Ab- wanderungen bzw. vor einem Ausverkauf geschützt werden sollen. Zölle auf Stahl und ALuminium wurden Anfang Juni eingeführt Im ersten Schritt führte Trump daher mit 1. Juni generell Zölle auf Stahl- und Aluminium-Importe ein. Das soll die Basis- industrie in den USA schützen und trifft gleichzeitig die größten US-Exporteure, wie China und Europa. Weniger Stahl in die USA zu exportieren, heißt aber für China (und auch Russland), den Verkauf wieder in Europa über Dumpingpreise zu forcieren. 2017 wurde Stahl aus Europa im Wert von 25 Milliarden Euro in die USA exportiert. Betroffen vom Zoll sind jedoch nur Stahl- waren imWert von 6,4 Milliarden Euro. EUropa schlug bereits zurück Die Antwort der EU ließ nicht lange auf sich warten. Die Europäische Kommission belegte im Gegenzug typische US-Produkte (z.B. Whiskey, Harley-Davidson-Motorrä- der, Levi’s-Jeans, Erdnussbutter etc.) seit 20. Juni im Wert von 2,8 Milliarden Euro mit einem ebenso 25 Prozent-Zoll. Harley-Da- vidson kündigte umgehend an, einen Teil der Produktion nach Europa auszulagern, um von den EU-Zöllen nicht getroffen zu werden, Jack Daniels will wiederum den Preis entsprechend erhöhen. Streng genom- men geht es mit 6,4 und 2,8 Milliarden Euro noch um Beträge, die im Handel zwischen der EU und den USA lediglich ein Prozent ausmachen. Insgesamt exportierte die EU 2017 Waren im Wert von 376 Milliarden Euro in die USA und importierte von dort Güter imWert von 260 Milliarden Euro. Trump stoßen die EU-Zölle auf typisch amerikanische Waren jedoch sauer auf und er droht, ab August die EU-Autoindustrie aufs Korn zu nehmen. Das würde besonders Deutschland treffen, die gegenüber den USA einen Handelsbilanzüberschuss von 50,5 Milliarden Euro aufweisen und 2017 nach Information des deutschen Verbandes der Automobilindustrie knapp 500.000 Fahrzeuge in die USA exportierten – lokal produzieren sie dort zusätzlich 800.000 Ein- heiten. China weist einen hohen Handels- bilanzüberschuss zu den USA auf Um die Dimension abzuschätzen: Chi- na exportierte 2017 Waren im Wert von 505,6 Milliarden Dollar in die USA und im- portierte von dort um130,4MilliardenDol- lar.UmdiesenenormenHandelsbilanzüber­ schuss abzubauen, lenkte China bereits ein, indem es sich verpflichtete, seinen Markt für Einfuhren ein Stück weit zu öffnen und mehr Waren aus den USA zu beziehen. Gleichzeitig senkte die chinesische Regie- rung den durchschnittlichen Zollsatz für fast 1500 Konsumgüter zum 1. Juli von der- zeit 15,7 auf 6,9 Prozent. Doch das ist Trump noch nicht genug. Deshalb führte er ab 6. Juli neue Zölle auf Importe aus China in der Höhe von 34 Mil- liarden Dollar ein. Bei aller Verhandlungs- bereitschaft ist das für den chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping ein Gesichts- verlust, den er so nicht hinnehmen kann. Deshalb hat China im Gegenzug Strafzölle auf US-Waren imWert von ebenso rund 34 Milliarden Dollar verhängt. Trump tobt und droht nun an, weitere Zölle auf Waren aus China imWert von 200 Milliarden Dol- lar zu belegen. China natürlich vice versa. Xi Jinping dazu: „ImWesten gibt es die Nei- gung, die rechte Backe hinzuhalten, wenn jemand auf die linke geschlagen hat. In un- serer Kultur schlagen wir zurück.“ Obwohl vice versa geht gar nicht mehr, denn China importiert aus den USAWaren imWert von „nur“ 130 Milliarden Dollar. Brennpunkt  ° US-Handelskrieg 12 ° GELD-MAGAZIN – JULI/AUGUST 2018 Ein Pokerspiel mit hohem Einsatz. Es geht um den Welthandel und damit um den Wohlstand von Milliarden Menschen. Doch Donald Trump will auf Biegen und Brechen das US-Handelsbilanzdefizit reduzieren und sieht Zölle als Mittel der Wahl, um den US-Export anzukurbeln. Europa und China wehren sich. Mario Franzin Einer gegen alle creditS: beigestellt/Archiv, White House/Shealah Craighead, Shutterstock

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