Europa im Anleger-Fokus
Europa rückt verstärkt in den Fokus der Anleger und punktet mit Krisenresistenz sowie attraktiven Aktienbewertungen. Hans Selleslagh, Österreich-Sprecher bei Freedom24, erklärt, warum europäische Small- und Mid-Cap-Unternehmen als „Hidden Champions“ gelten.
Der Stoxx600, welcher die 600 größten börsennotierten Unternehmen Europas umfasst, erreichte Anfang des Jahres Rekordhöhen und übertraf damit den S&P500. Besonders Small- und Mid-Cap-Aktien zeigen sich widerstandsfähig, während Märkte wie Skandinavien und Polen, die bislang wenig Beachtung fanden, nun als interessante Investmentmöglichkeiten in den Vordergrund rücken.
Günstiges Europa
Angesichts der anhaltenden Herausforderungen der US-Wirtschaft zieht es immer mehr Anleger zu europäischen Märkten hin, die aktuell mit attraktiven Bewertungen locken. „Der Stoxx600 wird aktuell mit einem KGV von 13 gehandelt – verglichen mit 22 beim amerikanischen S&P500. Europäische Aktien werden also deutlich günstiger bewertet, was angesichts eines erwarteten Gewinnwachstums von zehn bis zwölf Prozent nicht gerechtfertigt ist“ erläutert Selleslagh. Dennoch birgt der Markt auch erhebliche Risiken: „Der Abschwung in der deutschen Industrie – sichtbar durch den Abbau von rund 60.000 Stellen im letzten Jahr – sowie Frankreichs steigende Staatsverschuldung könnten das weitere Wachstum ausbremsen. Auch Trumps Drohung mit Strafzöllen auf europäische Waren bleibt eine Unbekannte“, so Experte Selleslagh, der trotzdem klare Chancen für Anleger sieht, die ihr Portfolio umschichten möchten: „Wer gezielt in stabile Branchen und Wachstumssektoren investiert, kann profitieren.“
Hidden Champions
Besonders europäische Small- und Mid-Cap-Aktien (SMID Caps) haben sich im Zuge der politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten als widerstandsfähig erwiesen. „Diese Unternehmen kombinieren die Agilität kleiner Firmen mit der Stabilität etablierter Konzerne und sind oft weniger von globalen Handelsschocks betroffen“, so Selleslagh. Dies zeigt sich unter anderem daran, dass deutsche und skandinavische Mid-Caps trotz der allgemeinen Schwäche in der Industrie weiterhin florieren. Ein Beispiel für ein bislang unterschätztes Unternehmen ist Alfen N.V. aus den Niederlanden, das auf intelligente Stromnetze spezialisiert ist. „Mit einem Umsatzwachstum von 30 Prozent seit 2020 und einem KGV von 15 ist die Aktie relativ günstig bewertet“, so Selleslagh.
Auch das dänische Biotech-Unternehmen ChemoMetec A/S, das mit einer Bruttomarge von 40 Prozent und einer schuldenfreien Bilanz aufwartet, blieb für viele Investoren bisher unter dem Radar und besitzt somit noch erhebliches Potenzial. In Deutschland wiederum wird der Hensoldt AG, einem führenden Unternehmen in Radar- und Sensortechnologie, noch nicht die ganz große Beachtung geschenkt, obwohl es seit März ein Wachstum von 22 Prozent erzielt hat.
KI, Erneuerbare Energien, Rüstung
Als die Anleger-Lieblinge von morgen in Bezug auf zukunftsträchtige Branchen in Europa hebt Selleslagh besonders den Sektor der erneuerbaren Energien hervor, der durch die ambitionierten Netto-Null-Emissionen-Ziele Europas und die 500-Milliarden-Euro-Finanzierung des Green Deals unterstützt wird. „Dieser Sektor ist besonders resistent gegen globale Handelsschocks“, erklärt er. Auch der europäische Technologiesektor, mit einem Fokus auf KI und Halbleiter, zeigt starke Wachstumsprognosen und ist weniger von Handelskrisen mit China betroffen als die US-Industrie. So soll der europäische KI-Markt bis 2027 jährlich um 20 Prozent wachsen.
Schließlich sichern geopolitische Spannungen auch stabile Regierungsaufträge für die Verteidigungs- und Luftfahrtindustrie, während Unternehmen im Gesundheitswesen und in der Pharmaindustrie – wie die Schweizer Giganten Novartis und Roche oder Dänemarks Novo Nordisk – weiterhin eine starke Marktstellung behaupten. „Europa wird die US-Wirtschaft nicht über Nacht ablösen – die 28 Billionen Dollar starke US-Wirtschaft, die Technologie-Giganten und der Status des Dollars als Weltreservewährung bleiben bestehen“, fasst Selleslagh zusammen. „Doch die aktuellen Entwicklungen könnten den Beginn einer fundamentalen Verschiebung im globalen Anlagefokus darstellen.“
Freedom24/HK
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