GELD-Magazin, Juli/August 2018

GELD-Magazin, Juli/August 2018

creditS: beigestellt BUCHTIPPS Neuerscheinungen & Pflichtlektüre 90 ° GELD-MAGAZIN – juli/august 2018 investment-legende. In der vergangenen Ausgabe des GELD-Magazins haben wir ausführlich über George Soros berichtet – und über die heftigen Anfein- dungen,mit denen der Multimilliardär konfrontiert ist.Vor allem in seinem Geburts- land Ungarn wird heftig gegen ihn geschossen: Er sei ein gewissenloser Spekulant, Nazi und wolle Europa mit Zuwanderern überfluten.Auf solche Vorwürfe soll an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden, stattdessen ist doch interessant, Soros selbst zu Wort kommen zu lassen. Das tut er in seinemWerk „George Soros. Die heutige Finanzkrise und was sie bedeutet“. Hier nimmt er sich der großen Krise von 2008 an und beleuchtet, welche Lehren wir aus dieser Verwerfung ziehen können. Dabei geht es mitunter philosophisch zu (Soros studierte Philosophie und wurde maßgeblich von Karl Popper beeinflusst): „Mein Ausgangspunkt ist, dass unser Verständnis der Welt, in der wir leben, inhärent unvollkommen ist, weil wir Teil dieser Welt sind, die wir zu verstehen versuchen“, ist hier etwa zu lesen. Oder: „Ich habe dieses Buch hauptsächlich deswegen geschrieben, weil ich die Gültigkeit und Wichtigkeit der Reflexivität aufzeigen wollte.“ Es handelt sich bei vorliegendemWerk also um keinen „leichten Stoff“ und schon gar nicht um einen Ratgeber unter dem Motto: „So werden Sie reich in 48 Stunden.“ Vielmehr erhält man Einblick in die Denkweise von George Soros, was eben auch für Menschen interessant ist, die sich nicht Tag und Nacht mit der Entwicklung der Finanzmär- kte beschäftigen. Migration. Europa hat weit mehr als nur ein Imageproblem: Sinkende Geburten- raten, unkontrollierte Masseneinwanderung und eine lange Tradition des verinnerlichten Misstrauens machen dem sogenannten Alten Kontinent zu schaffen. Der Autor und Journalist Douglas Murray sieht in vorliegendemWerk Europa gar an der Schwelle zum Freitod wan- deln. So schlimm muss es wohl nicht kommen, unbestreitbar Recht hat der Autor jedenfalls mit seiner Diagnose, dass Europa unfähig ist, seine Interessen zu verteidigen. Nicht einer Meinung muss man mit Murray sein, wenn es um die Ursachenerforschung geht. So schreibt er: „...und immer noch beharren Politiker,Medien, Stars und Prominente darauf, dass Europa weiterhin die Migranten der Welt aufnehmen müsse.“ Tun sie das tatsächlich? Oder ist es nicht viel eher so, dass populistische Politiker und Parteien Migration um jeden Preis stop- pen wollen und damit auch von Wahlerfolg zu Wahlerfolg eilen? Gut, die englische Origi- nalversion des Buches wurde bereits 2017 veröffentlicht, aber auch zu diesem Zeitpunkt war die nicht gerade flüchtlingsfreundliche Ten- denz bereits absehbar. Jedenfalls legt Murray vor allem politischen Entscheidungsträgern folgende Fragen ans Herz: „Sollte Europa ein Ort sein, wohin jeder kommen und wo jeder für immer bleiben kann? Sollte es ein Hafen für jeden sein, der vor einem Krieg flüchtet?“ Die Antworten darauf sind noch nicht gefunden und werden lange für Diskussionsstoff sorgen. Steht nun der Selbstmord Europas bevor? Diesen alleine aus der Flüchtlingsproblema- tik abzuleiten, scheint doch übertrieben. wiedergelesen. Imperien sind keine Relikte der Vergangenheit. Schon unter der Präsidentschaft von George W. Bush wurde das wieder einmal (sehr schmerzhaft) in Erinne- rung gerufen, als die USA ihre Vormachtstel- lung offen demonstrierten und unverhohlen Krieg im Mittleren Osten führten. Herfried Münkler, Professor für Politikwissenschaft an der renommierten Berliner Humboldt-Universi- tät, hat bereits 2005 das Standardwerk „Imperien“ zu der Thematik geschrieben, wodurch sich imperiale Politik auszeichnet. Somit ist das vorliegende Werk mehr als zehn Jahre alt – an Aktualität hat es aber wenig eingebüßt. Leider,muss man hinzufügen, denn die Vormachtbestrebungen eines Donald Trump oder Wladimir Putin stimmen nicht gera- de zuversichtlich für den weiteren Weltenver- lauf. Ebenso die Tatsache, dass China militärisch und ökonomisch eine hegemoniale Stellung in Asien (und nicht nur dort) anstrebt. Münkler beantwortet nun Fragen wie:Welche Risiken birgt eine imperiale Ordnung? Und welche Chancen bietet sie? Der Experte zeigt weiters auf, wie Imperien für Stabilität sorgen und welche Gefahren ihnen selbst drohen, wenn sie ihre Kräfte überdehnen. Nicht zuletzt wird Europa von der „Wiederkehr“ der Imperien herausgefordert. So müssen sich die Europäer zu den übermächtigen USA ins richtige Verhältnis setzen, dabei aber auch nicht auf die Entwicklungen im Osten vergessen. Erschwert wird die Rolle Europas durch seine politische Marginalisierung – wofür wider- sprüchliche politische Ziele der Einzelstaaten verantwortlich sind. Der selbstmord europas Douglas Murray.Finanzbuchverlag.338 Seiten. ISBN:978-3-95972-105-9 George Soros.Das Ende der finanzmärkte... George Soros.Finanzbuchverlag.174 Seiten. ISBN:978-3-89879-413-8 Imperien Herfried Münkler.Verlag:Rowohlt.331 Seiten. ISBN:978-3-499-622137

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