GELD-Magazin, Juli/August 2018

GELD-Magazin, Juli/August 2018

aktien  ° Deutschland 72 ° GELD-MAGAZIN – juli/august 2018 Bangen wegen Brexit & Handelskrieg Auftragseingänge im Mai gegenüber dem Vormonat um 2,5 Prozent – den fünften Monat in Folge. Die Exporte gingen um 0,3 Prozent zurück, die Industrieproduktion schrumpfte um 1,0 Prozent. Seit Jahresbe- ginn liegt die deutsche Industrieproduktion aber immer noch zwei Prozent im Plus. Dennoch: Das Münchner ifo-Institut schätzt die deutschenKonjunkturaussichten erheblich pessimistischer ein als noch im Frühjahr. Es senkte seine Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes in diesem Jahr von 2,6 auf 1,8 Prozent. Für 2019 wurde sie von 2,1 auf ebenfalls 1,8 Pro- zent zurückgenommen. Zuvor hatten schon das Berliner DIW und das IWH in Halle ihre Erwartungen kräftig nach unten korri- giert. Auch das schwache erste Quartal, in dem sich das Wachstum von Europas größ- ter Volkswirtschaft auf 0,3 Prozent hal- bierte, stimmt die Institute pessimistischer. Deutsche Post rudert zurück Auch der Logistikkonzern Deutsche Post gab eine saftige Gewinnwarnung he- raus. Bei Vorlage des Berichts zum ersten Quartal am 8. Mai bestätigte der Konzern noch alle Ziele, rund vier Wochen später sieht die Welt ganz anders aus. Auch wenn im Bericht bereits erkennbar wurde, dass der Logistiker in seinem Kerngeschäft mit Briefen und Paketen vor Herausforde- rungen steht, fiel die Gewinnwarnung doch kräftig aus. Der operative Gewinn soll 2018 nun bei 3,2 Milliarden Euro liegen und da- mit fast eine Milliarde weniger als bisher er- wartet. Vor allem bei der Effizienz hapert es offenbar: Der Paketboom befeuert zwar die Wachstumsstory, kostet die Post aber auch viel Geld, wichtige Investitionen in die IT- S chon ziehen einige Firmen Konse- quenzen: Im ersten Halbjahr brachen die Investitionen in die britische Auto­ industrie um fast die Hälfte ein. Die spa- nische Infrastruktur-Gesellschaft Ferrovial kündigte an, wegen des Brexit die Holding für das internationale Geschäft von Oxford nach Amsterdam zu verlegen. Und ein Großteil der Teile für die britische Mini- und Rolls-Royce-Produktion bei BMW kommt vom europäischen Festland. Auch Präsident Trumps geplante Automobilzölle von 20 Prozent könnten vor allem deutsche Cabrios von US-Straßen fegen. Der US- Handelsstreit und mögliche Zölle im Zuge des EU-Austritts Großbritanniens könnten das gesamte Geschäftsmodell zerstören, wenn es um hochpreisige Modelle geht. Denn sinkt wegen höherer Preise die Nach- frage, lohnen sich die Entwicklungskosten für immer kleinere Stückzahlen nicht mehr. Die Hersteller haben nur noch die Möglich- keit, Kosten zu senken. Dass BMW oder Mercedes die Produktion ihrer Cabrios oder anderer Nischenmodelle von Übersee in die Vereinigten Staaten verlagern wer- den, um die Zölle zu umgehen, gilt als un- wahrscheinlich. Niemand in diesem Ge- schäft kann leicht eine Auto-Linie nehmen und sie woanders hin verschieben. Denn die Logistikinfrastruktur und die Zulieferbasis müssten komplett erneuert werden. Aller- dings könnten die Hersteller ein Gegenge- wicht aufbauen, indem sie die Produktion zwischen ihrenWerken in den USA, Europa und China neu verteilen. Daimler mit Gewinnwarnung Das rauere Handelsklima belastet den deutschen Autoriesen Daimler schon jetzt. Zuletzt hat der schwäbische Autokonzern wegen des US-chinesischen Handelsstreits eine Gewinnwarnung für das laufende Ge- schäftsjahr herausgegeben. Die höheren chinesischen Zölle für in den USA herge- stellte Autos könnten nicht vollständig an die Kunden weitergegeben werden, erklärte Daimler. Zudem werde man wegen der Ab- gaben wohl in der Volksrepublik weniger Geländewagen als erwartet verkaufen. Auch in der übrigen Industrie mehren sich die Schwächezeichen. So sanken die dax Neuerlicher Absturz. Der Deutsche Aktienindex (DAX) konnte die 200-Tage-Linie erneut nicht halten und fiel in einer Woche um sechs Prozent. Der Ausbruch über 13.000 Punkte war somit eine Bullenfalle.Auch die Unterstützungen bei 12.500 und 12.400 Punkten konnten keinen Halt bieten. Damit wird ein Absacken auf 11.800 Punkte immer wahrscheinlicher.Allerdings ist der Markt überhitzt und könnte durchaus eine Erholungs- rally bis 12.700 Punkte aufs Parkett legen. Die Unterstützung bei 11.800 Punkten sollte halten. Die anhaltende Unsicherheit rund um den Brexit und den eskalierenden Handelskrieg versetzt immer mehr deutsche Unternehmen in Alarmstimmung. So haben BMW und Airbus davor gewarnt, dass ein Brexit ohne Vertrag über die Handelsbeziehungen die Präsenz in Großbritannien gefährden könnte. Wolfgang Regner

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