GELD-Magazin, Juli/August 2018

GELD-Magazin, Juli/August 2018

aktien  ° Österreich 68 ° GELD-MAGAZIN – Juli/August 2018 Langsam wieder auf Kaufniveau Austrian Traded index (ATX) Unterstützungslinien. Das abrupte Ende des Aufwärtstrends fällt zeitgleich mit der Andro- hung der ersten Zölle seitens der USA zusam- men. Dementsprechend wird der weitere Ver- lauf des ATX die Entwicklung dieses Themas widerspiegeln. Da niemand abschätzen kann, ob sich Donald Trump von den Gegenzöllen beeindrucken lassen wird, ist auch der Verlauf des ATX nicht seriös vorherzusagen.Aufgrund des doch noch guten Umfeldes für Aktien sollte das Downside-Risiko begrenzt sein. Charts: Tai Pan/software-sysstems zurzeit die Sanktionen der USA gegen rus- sische Oligarchen und den Iran. Vor rund einem Jahr startete die OMV im Iran ge- meinsam mit Gazprom Explorationen. Zu- dem versuchen die USA das Projekt Nord- stream, an dem die OMV beteiligt ist, zu hintertreiben. Also bei der OMV ist daher noch etwas Vorsicht angebracht, obwohl Analysten von Goldman Sachs unlängst das Kursziel auf 60 Euro angehoben haben. Auf der Verliererseite im ersten Halb- jahr findet man hingegen Zumtobel (-39%), Polytec (-33%), AT&S (-33%), Semperit (-30%) und Kapsch TrafficCom (-21%). Da wir die Kursverluste zum Teil für übertrie- ben halten, setzen wir besonders AT&S und Polytec auf unsere Einkaufsliste. Aber auch Strabag, die etwa unverändert zum Jahres- beginn notiert, ist noch günstig zu haben. Vorsicht noch bei zyklischen Werten und Finanztiteln Wie bereits in den vergangenen Ausga- ben des GELD-Magazins bleiben wir bei zyklischen Werten aufgrund der nachlas- senden Konjunktur noch zurückhaltend. Zum Teil kündigt sich eine Flaute auch bei Der Zollstreit und die Sanktionen der USA verändern das Umfeld für Unternehmen. Vor allem die Folgewir- kungen sind schwer einzuschätzen und verringern die Planbarkeit von Investitionen und Expansionsstrategien. Das drückt generell auf die Aktienkurse – was aber wiederum gut für Schnäppchenjäger ist. Mario Franzin D er US-Handelsstreit verändert die Marktbedingungen erheblich. Ängste in der Autoindustrie vor Strafzöllen schla- gen auf die Zulieferindustrie durch. US- Zölle auf Stahl lassen Billigimporte nach Europa und Druck auf die Preise befürch- ten. Angedrohte Sanktionen gegen den Iran treiben den Ölpreis nach oben – mit allen Konsequenzen höherer Energiekosten und steigender Inflation. Die Erwartungen zur Wirtschaftsentwicklung werden weltweit nach unten revidiert. Zum Krisengewinner zählt kurzfristig der Dollar, der exportie- rende Unternehmen zunächst unterstützt. Betrachtet man rückblickend das erste Halbjahr, so zählen vor allemUnternehmen aus dem Rohstoff- und Energiesektor zu den Gewinnern. Die Verbund-Aktie legte seit Jänner um 44 Prozent zu (siehe Kasten rechts), Schoeller-Bleckmann um rund 20 Prozent. Obwohl die Aktie mit einem für heuer erwarteten KGV von rund 33 relativ teuer ist, bleiben die Aktionäre durch er- wartete weitere Preissteigerungen beim Rohöl bei der Stange. Das sollte man bei der OMV zwar auch glauben, deren Aktienkurs korrigiert aber derzeit. Hier verunsichern den Preisen für Industrie-Rohstoffe an, die derzeit auf einem relativ hohen Niveau kon- solidieren. Für Überraschung könnte Do- nald Trump sorgen, wenn er beim Zollstreit einen Rückzieher machen würde – gegenü- ber China eher unwahrscheinlich, bei den Autozöllen zeichnet sich eine Lösung ab. Sowohl die Banken (Erste Bank, RBI, BAWAG) als auch die Versicherungen (VIG, Uniqa) weisen seit Jahresbeginn Kursver- luste im zweistelligen Prozentbereich auf. Die gesamte Branche leidet unter der Null- zinspolitik der EZB, die bis spät in das Jahr 2019 festgeschrieben wurde. Zudem wer- den die Banken von den Diskussionen um faule Kredite (v.a. italienische Banken mit möglichem Dominoeffekt) belastet. Und nicht zuletzt erfordern neue Geschäftsmo- delle von Fintechs und Insurtechs höhere Investitionen in die IT-Systeme. Da sich die Kursrückgänge aus Sicht der Hochkurse be- reits auf rund 20 Prozent belaufen und sich damit die Bewertungen deutlich reduzier­ ten, kannman sich hier – eigentlich bei allen fünf genannten Finanztiteln – wieder auf die Käuferseite stellen. Immobilienwerte profitieren weiterhin Was des einen Leid, ist des anderen Freud. So spielen die niedrigen Zinsen, die die Finanzwerte belasten, wiederum den Immobilienunternehmen in die Hände. Sie erhalten günstige Kreditkonditionen, die sich positiv auf das Finanzergebnis auswir- ken. Und die Nachfrage nach Immobilien ist noch immer gut, die Preise stabil. Zudem geht der Konsolidierungsprozess bei den österreichischen Immobilienunternehmen weiter. Die BUWOG wird über kurz oder lang dem Schicksal der Conwert folgen und

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