GELD-Magazin, Juli/August 2018

GELD-Magazin, Juli/August 2018

D er deutsche Industriegase-Hersteller Linde schluckt den US-Konkurrenten Praxair, Bayer den US-Saatguthersteller Monsanto oder der Arzneimittelhersteller Stada wird vom Finanzinvestor Bain Capi- tal gekauft – alle diese Transaktionen waren heftig umstritten und konnten nur nach Erhöhungen der Angebote über die Bühne gehen. Deshalb ist dieses spezielle Börse- segment auch für Privatanleger interessant. Betrachten wir zuerst einmal das funda- mentale Umfeld der M&A-Aktivitäten. Der M&A-Boom hat zwei wesentliche Gründe: Einerseits haben viele Unternehmen das gute konjunkturelle Umfeld genutzt, um ihre Verschuldung stark zurückzufahren und strotzen nun nur so vor Finanzkraft. Auf der anderen Seite erleben Private Equity (PE)-Gesellschaften eine wahre Geld- schwemme und suchen nach lukrativen An- lagemöglichkeiten. Im Übernahme-Geschäft gilt grund- sätzlich: Groß frisst Klein. Ein Konzern schnappt sich ein Zielunternehmen, um größer und effizienter zu werden. Externes Wachstum ist nicht selten der einfachere Weg, um den Unternehmenswert zu stei- gern und um die Kostenbasis zu verbessern. Wir haben uns am deutschen M&A-Markt auf die Suche nach potenziellen Übernah- me-Kandidaten gemacht. Zunächst wollen wir Ihnen aber einiges an Hintergrund- Wissen rund um das Übernahme-Geschäft geben. So gibt es feindliche (wenn sich der Vorstand dagegen ausspricht) und freund- liche Übernahmen. Das Erstgebot bringt den Stein ins Rollen. Dieses muss nach deutschem Recht abgegeben werden, wenn ein Bieter mindestens 30 Prozent der Stimmrechte eingesammelt hat. Dann muss der Käufer den Aktionären ein freiwilliges Angebot unterbreiten. Bis das Unterneh- men endgültig von der Bildfläche ver- schwunden ist, vergehen häufig Jahre. Denn nach dem Erstangebot erhält der Groß­ aktionär zwar einen Großteil der Aktien – aber eben nicht alle. Und wer seine Aktien bei dem Erstgebot nicht abgegeben hat, der bleibt auch weiterhin Aktionär mit allen Rechten. Erst beim „Squeeze out“ (Englisch für „Ausquetschen“) endet die Investition endgültig. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum Beispiel reichen 50 Prozent nicht aus, um das Unternehmen mit dem eigenen Un- ternehmen zu verschmelzen oder eine Ka- pitalerhöhung durchzuführen. Ein Großak- tionär, der aber 95 Prozent der Anteile hält (in Österreich ab 90 Prozent), kann die ver- bliebenen Minderheitsaktionäre hinaus- drängen, um sich die Kosten für die Börsen- notiz, für die Hauptversammlungen, für die laufenden Geschäftsberichte und für Ad hoc-Meldungen zu sparen. Lukrative Squeeze outs Aktionäre von Squeeze out-Kandidaten erhalten häufig einen Nachschlag. Der Käu- fer des bestreffenden Unternehmens darf sie nicht ohne finanzielle Entschädigung hi- nausdrängen. Zwar hat er das Recht, ihnen gegen ihrenWillen Aktien abzukaufen, aber er muss den Aktionären dafür eine satte Ab- findung zahlen. In einem ersten Schritt er- halten sie den Drei-Monats-Durchschnitts- kurs. Danach kann es nur noch mehr wer- den. Denn in einem gerichtlichen Spruch- verfahren wird geprüft, ob der Preis auch wirklich angemessen war. Wenn z.B. ein credit: pixabay geldanlage  ° Firmenübernahmen 36 ° GELD-MAGAZIN – juli/august 2018 M&A (Mergers & Acquisitions) , also Fusionen und Übernahmen, verzeichnen seit gut einem Jahr stark steigende Volumina. Obwohl manche Analysten meinen, dass dies das Ende des Bullenmarktes bei Aktien signalisiert, hat das GELD-Magazin Investments aufgespürt, die auch längerfristig gut performen. Wolfgang Regner Die letzte Stütze des Bullenmarktes M&A-aktivitäten in europa und nordamerika 2017 war die Anzahl abgeschlossener Transaktionen rückläufig, das Transaktionsvolumen konnte sich jedoch etwas stabiler entwickeln. Quelle:PitchBook 3.500 3.000 2.500 2.000 1.500 1.000 500 0 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 25.000 20.000 15.000 10.000 5.000 0 Transaktionswert (in Mrd. Dollar) Transaktionswert in Mrd. Dollar Anzahl Transaktionen Anzahl Transaktionen Geschätzter Transaktionswert (in Mrd. Dollar) Geschätzte Anzahl abgeschlossener Deals

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