GELD-Magazin, Juli/August 2018

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GELD ° Anlagestrategien, die jahrzehn- telang funktioniert haben, könnten nun nicht mehr die gewohnten Renditen bringen.Wie sehen Sie dieses Problem? William Davies: Das könnte tatsächlich zum Problem werden, besonders für den Anleihe­ markt. Mit einer Rendite von rund drei Prozent, nach einem Tiefstand von rund einem Pro­ zent, liegen die USA deutlich in Führung. In Deutschland, besonders aber in Japan, erhal­ ten Investoren Minirenditen von null bis 0,5 Prozent. Es scheint aber unvermeidlich zu sein, dass in anderenWeltmärkten die Anleiherendi­ ten ebenfalls steigen werden. Was könnte die Finanzmärkte negativ beeinflussen? Wir haben 2013 den Beginn des US-Tape­ rings (Anm.: Stopp der Anleihekäufe) gesehen, danach stieg die US-Zehn-Jahres-Rate für Staatsanleihen in nur vier Monaten von 1,5 auf drei Prozent. Die Märkte befanden sich in gro­ ßer Unruhe und auch wir erwarteten, dass die Renditen noch weiter steigen könnten. Doch im Gegenteil, sie fielen wieder auf 1,5 Prozent zurück und befinden sich jetzt auch nicht über drei Prozent. Doch das nominelle US-Wachs­ tum liegt derzeit bei gut fünf Prozent, das inflationsbereinigte Wachstum bei drei und die Kerninflation bei zwei Prozent, die Zehn-Jah­ res-Rendite aber nur bei drei Prozent. Das passt nicht zusammen und kann noch zu erheblicher Volatilität führen. Die Fed kauft keine Anleihen mehr, doch die Frage ist, ob sie die Erlöse abrei­ fender Bonds bzw. die Zinserträge reinvestieren wird. Die kurze Antwort: Wir wissen es nicht. Es wäre vernünftig, nicht zu reinvestieren, doch das werden wir noch sehen. Bedeuten steigende Zinsen nicht sinkende Unternehmensgewinne? Nicht unbedingt, vor allem, wenn das Gewinn­ wachstum stark genug ist, um den negativen Zinseffekt auszugleichen. Natürlich werden Analysten bei ihren Discounted Cashflow-Mo­ dellen höhere Abzinsungsraten einkalkulieren, was die Gewinnschätzungen unter Abwärts­ druck bringen wird. Wenn die positiven Effekte der US-Steuerreform auslaufen, so wird die da­ durch stärker gewachsene US-Konjunktur auch stärker unter Druck kommen und möglicher­ weise in eine Rezession stürzen – aber erst in rund zwei Jahren. Es ist noch nicht klar genug, um ein solches Szenario ernsthaft zu erwägen, aber es ist ein großes Risiko. Wie sieht Ihr Ausblick aus? Wenn es zu einem scharfen Anziehen der Bondrenditen kommen sollte, dann wäre dies negativ für die globalen Aktienmärkte. Erfolgt die Renditeerhöhung in maßvollen Schritten und bleiben die Unternehmensgewinne stark, so könnten die Aktienbörsen gut damit leben. Meiner Ansicht nach sind die Bewertungen globaler Aktien nach wie vor nicht unvernünf­ tig hoch. Sie handeln auf Basis 2019 mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 14 – das ist nicht wirklich teuer, wennman sich den gesam­ ten Zyklus ansieht. Die USA sind allerdings ein teurer Markt ge­ worden – als Gesamtmarkt betrachtet liegt das KGV aber kaum über 16. Nur Europa und Japan sind mit einem KGV 2019 von rund 13 deutlich günstiger. Asien liegt irgendwo zwischen 12 und 13. Das ist nicht zu hoch, vor allem, wenn man den Vergleich mit den sehr niedrigen An­ leiherenditen heranzieht. Unternehmen nützen dies aus, indem sie Fusionen oder Übernahmen lancieren. Und der letzte Anstieg der Märkte erfolgte in einem Umfeld deutlich steigender Unternehmensgewinne – anders als in den Jah­ ren davor. Das ökonomische Umfeld, wie wir es derzeit sehen, spräche dennoch für ein baldiges Ende des Bullenmarkt-Zyklus. Welche Märkte gefallen Ihnen besonders gut? Auf Länderebene sind wir bei Aktien sehr posi­ tiv für Japan eingestellt, vor Europa und Asien. In einer Welt mit steigender Inflation und einem globalen Industrieaufschwung achten wir auf einen hohen operativen Leverage (Ge­ winnhebel). Länder mit hohen Fixkosten der Unternehmen sind eben Japan, wo auch die Unternehmensgewinne am stärksten wach­ sen, dann zum Teil auch Länder in Europa und Asien. Zudem hat sich die Corporate Gover­ nance in Japan stark verbessert. www.columbiathreadneedle.com William Davies, Global Head of Equities, Columbia Threadneedle credit: beigestellt Das fundamentale und markttechnische Umfeld für Investoren ist sehr herausfordernd geworden. 2017 sind fast alle Assetklassen gestiegen, das wird sich 2018 nicht wiederholen. William Davies, Global Head of Equities bei Columbia Threadneedle, erläutert seinen Ausblick. Wolfgang Regner „Ende des Zyklus naht an den globalen Akienmärkten“ geldanlage  ° Im Gespräch mit William Davies, Columbia Threadneedle 34 ° GELD-MAGAZIN – Juli/august 2018

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