GELD-Magazin, Juli/August 2018

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S hrenick Shah, Fondsmanager des JPM Global Macro Fund, hat fünf volkswirt­ schaftliche Trends identifiziert, die die glo­ balen Märkte in der zweiten Jahreshälfte – und darüber hinaus – besonders beeinflus­ sen dürften: Erstens ist der aktuelle Wirt­ schaftszyklus länger als angenommen. In den USA haben fiskalpolitische Anreize den Wachstumsausblick beflügelt und den wahrscheinlichen Beginn der nächsten Re­ zession weiter aufgeschoben. Andernorts wachsen die meisten maßgeblichen Märkte weiterhin über ihren langfristigen Trend­ raten, auch wenn sich das Tempo zuletzt ab­ geschwächt hat. Zweitens ist die Volatilität an die Märkte zurückgekehrt – vor allem wegen des sukzessiven Abbaus der geldpoli­ tischen Unterstützung durch die weltweit größten Zentralbanken. Drittens hat sich der Ausblick für Finanzwerte verbessert. In den USA verheißen steigende Zinsen besse­ re Zinsspannen und das Potenzial von De­ regulierung sorgt für einen positiven Aus­ blick für Finanztitel. In China konzentrie­ ren sich die Behörden weiterhin auf Schul­ denabbau und Verringerung des Schatten­ bankensystems. Viertens beschleunigt sich der Einsatz neuer Technologien. Shah erläutert: „Wir favorisieren aktuell Hersteller von Halbleitern. Sie verfügen über das Potenzial einer stark steigenden Nachfrage, da immer mehr Artikel des tag­ täglichen Bedarfs – das Internet der Dinge wie Haushaltsgeräte und Fahrzeuge – mit Halbleitern ausgerüstet sind. Und fünftens werden Staatsanleihen wieder wichtiger, denn mit der Normalisierung der Geldpoli­ tik steigen die Renditen. Dadurch werden Anleihen wieder zu einer Diversifikations­ möglichkeit gegenüber Aktien in einem Multi-Asset-Portfolio.“ Soll bedeuten: An­ leihen aus den USA bzw. Emerging Markets werden relativ zu Aktien wieder attraktiver. Rezession ante Portas? US-Analysten von Merrill Lynch/Bank of America haben zwölf Indikatoren identi­ fiziert, die auf eine Rezession hindeuten könnten. So z.B. die Zinskurve: Wird sie flach oder gar invers (kurzfristige Zinsen sind höher als längerfristige), ist Vorsicht geboten. Oder die Risikoaufschläge bei Un­ ternehmensanleihen. Steigen sie gegenüber den Staatsanleihen, ist dies ein Alarmsignal. Auch ein deutlicher Rückgang der Geld­ menge ist kritisch zu sehen, wenn auch die US-Geldmenge seit 2008 von acht Billionen auf 14 Billionen Dollar gestiegen ist. Ein Lohnwachstum von rund vier Prozent signalisiert ebenfalls das Ende eines Zyklus. Zudem sollte die Preisentwicklung bei Roh­ stoffen beachtet werden. Hohe Preise kön­ nen die Inflation anheizen, fallende Preise deuten hingegen auf geringere Nachfrage hin. Rückläufige Baugenehmigungen sind ebenfalls bedenklich. Stark steigende An­ träge auf Arbeitslosenunterstützung kön­ nen auf Probleme im Konsumsektor hin­ weisen: sinkende Einzelhandelsumsätze. Die Gewinnmargen der Unternehmen könnten durch Lohninflation, höhere Roh­ stoffpreise und steigende Kosten für die Zinsen des Fremdkapitals unter Druck ge­ raten. Fallende Auftragseingänge, eine Komponente im Einkaufsmanagerindex, sind ein ziemlich guter Rezessionsindika­ tor. Und zuletzt noch das Lkw-Transport­ volumen. Sinkt es, droht Gefahr. Derzeit, so die Merrill Lynch-Experten, sind noch alle diese Indikatoren im grünen oder gelben Bereich. Am ehesten sprechen noch die flache Zinskurve und schwächere Auf­ tragseingänge für eine Wachstumsdelle, nicht aber für eine Rezession. Steve Berexa, Fondsmanager des Allianz Global Insights, meint in seiner Einschät­ zung: Unser Investment-Ausblick ist vor­ sichtig optimistisch. Sorgen hinsichtlich einerVerlangsamungdesweltweitenWachs­ tums stehen anhaltend kräftige Unterneh­ mensgewinne und aktuell immer noch günstige Wirtschaftsdaten gegenüber. In­ vestments unserer Wahl sind weiterhin Aktien von Unternehmen, die in jedem Marktumfeld wachsen können und von denen wir sehr überzeugt sind. Ausblick:Vorsicht dominiert Gergely Majoros, Mitglied des Invest­ mentkomitees bei Carmignac: „Das aktuel­ le Umfeld wird durch eine globale Verlang­ samung des Wachstums und den Rückgang der Liquiditätsunterstützung durch Zen­ tralbanken geprägt. Wir haben uns deswe­ gen in ‚Qualitätsunternehmen‘ mit nachhal­ tigem Wachstum und soliden Bilanzen po­ sitioniert. Ausgewählte Technologiewerte sind ein gutes Beispiel für diese Kategorie – eine der Hauptsäulen unserer Aktienstrate­ gie. Aufgrund ihrer innovativen und dis­ credit: beigestellt geldanlage  ° Globale Aktien 32 ° GELD-MAGAZIN – Juli/august 2018 Angesichts der Dauer der derzeitigen Expansion gehen einige Marktbeobachter davon aus, dass sich die globale Wirtschaft einer Rezession nähern könnte. Das gegenwärtige Umfeld deutet hingegen darauf hin, dass derlei Befürchtungen verfrüht sind. Wir geben einen Überblick. Wolfgang Regner Aufwärtstrend geht weiter „Wir setzen weiter auf ausgesuchte Technologie­ werte mit gutem Wachstum“ Gergely Majoros, Carmignac

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