GELD-Magazin, Juli/August 2018

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S ie sind gekommen, um zu bleiben – Fintechs. Im Bankenbereich sind jun- ge, innovative Finanztechnologie-Unter- nehmen schon längst keine Exoten mehr oder gar Spielwiesen für Techno-Freaks. Tatsächlich haben sich Fintechs (siehe Defi- nition auf der nächsten Seite) im Main- stream fest positioniert. Nicht nur zur Freu- de alteingesessener Banken. Spürbares Unbehagen Die Branche sieht nämlich ihre Umsät- ze von Fintech-Unternehmen bedroht, wo- bei 88 Prozent der befragten Finanzdienst- leister (83 Prozent im Jahr 2016) dies als reale Gefahr betrachten. So die Ergebnisse des „Global FinTech Report 2017“ der Un- ternehmensberatung PwC. Im Durch- schnitt werden demnach 24 Prozent der Umsätze als gefährdet angesehen. Weitere interessante Details der Analyse: Fintech- Start-ups sind effizient, kostengünstig und bedienen erfolgreich veränderte Kunden- bedürfnisse, etwa bei der Kreditvergabe oder bei Überweisungen. „Aber auch klas- sische Banken können die Chancen nutzen, die sich durch neue Technologien ergeben. Die Digitalisierung steigert die Effizienz im operativen Geschäft. Mit Customer Rela ­ tionshipManagement Systemen, Datenana- lyse und Kundenkontakt über soziale Me­ dien etwa lassen sich engere Kundenbezie- hungen aufbauen“, heißt es in der Analyse. Milliarden-Investments Wie sehr Fintechs und der fortschrei- tende Digitalisierungstrend die Branche in Atem halten, lässt sich leicht anhand fol- gender Zahlen ablesen: Laut PwC wurden in den vergangenen vier Jahren weltweit insgesamt 40 Milliarden Dollar in Fintech- Start-ups investiert. Die Finanzierungen für Blockchain-Unternehmen stiegen 2016 ge- genüber dem Vorjahr um 79 Prozent auf weltweit 450 Millionen Dollar. Neue Daten von KPMG ergänzen das Bild: Demnach wurden rund 50 Prozent aller Fintech-In- vestments in den USA getätigt. Hier wur- den im Vorjahr 15,2 Milliarden Dollar in die Hand genommen. Eine deutliche Steige- rung ist ebenfalls in Europa zu beobachten: Das Investitionsvolumen stieg von 2,2 Mil- liarden Dollar im Jahr 2016 auf 7,44 Milliar- den im Gesamtjahr 2017. Ein besonders starkes Wachstum ist überdies in den Be- reichen Insurtech und Blockchain festzu- stellen: Bei Start-ups im Versicherungsbe- reich konnte eine Steigerung von 1,2 Mil­ liarden im Jahr 2016 auf 2,1 Milliarden Dol- lar erzielt werden. Im Bereich Blockchain wurden 92 Investmentgeschäfte in Höhe von 512 Millionen Dollar getätigt. Die KPMG-Studie stellt aber auch Pro- gnosen für 2018 an, folgende Trends zeich- nen sich demnach ab: weitere Innovationen und Einführungen von Technologien, die auf Künstlicher Intelligenz basieren, sowie steigende Investitionen im Bereich Regtech. Dabei handelt es sich um Start-ups, die re- gulatorische Anforderungen durch neue Technologien und Standards lösen. Es soll auch verstärkt zu Partnerschaften zwischen credit: beigestellt, pixabay banking  ° Fintechs 24 ° GELD-MAGAZIN – Juli/august 2018 Von einer Revolution zu sprechen wäre übertrieben. Vielmehr ist es eine Evolution, die sich gerade in der Bankenlandschaft abspielt – und durchaus zügig voranschreitet. Die Rede ist von der Digitalisierung, die als Chance erkannt wurde, aber gleichzeitig in den Vorstandsetagen altehrwürdiger Finanzinstitute für rauchende Köpfe sorgt. Die Zukunft liegt in der Zusammenarbeit mit aufstrebenden Fintechs. Harald Kolerus Konkurrent und Partner Kunden: digital oder filiale? In Österreich präferieren Bankkunden über- wiegend Multi-Kanal-Lösungen. nur Filiale nur digital Multi-Kanal 36% 54% 10% Quelle: INTEGRALRetailBankingReportHJ2/2017 was klassische finanzdienstleister fürchten Noch immer ist die Skepsis traditioneller Banken gegenüber Fintechs groß – zunehmend werden aber Kooperationen mit diesen neuen Unternehmen eingegangen. ...dass der Wettbewerb zu Fintechs ihre Gewinnmargen belasten wird ...einen Verlust von Marktanteilen ...den Verlust von Teilen ihres Geschäfts an Fintech-Unternehmen 67% 83% 59% Quelle:PwCGlobalFinTechSurvey2016

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