GELD-Magazin, Juni 2018

CREDITS: beigestellt BUCHTIPPS NEUERSCHEINUNGEN & PFLICHTLEKTÜRE 82 ° GELD-MAGAZIN – JUNI 2018 „DIESE WIRTSCHAFT TÖTET.“ „Unethisches Verhalten ist nicht nur für die Gesellschaft verheerend, sondern auf Dauer auch unökonomisch“, so lautet eine der Kernaussagen des vorliegenden Werks von Michael Neumayer. Und der Experte weiß, wovon er spricht, er ist seit vielen Jahren in der Investmentindustrie tätig und darüber hinaus Unternehmensberater mit Spezialisierung auf ethische Fragen.Aber was hat das alles nun mit den „falschen Sätzen“ zu tun, an die wir laut Buchtitel so leicht glauben? Neumayer meint, dass menschliche Überheblichkeit – also Hybris – heute nicht nur im technolo- gischen Bereich, sondern auch in der Wirtschaft und der Unternehmenskultur breite Spuren zieht. Und oft wird diese Hybris in falschen Sätzen artikuliert. In Sätzen, die eine Wirtschaft rechtfertigen wollen, über die etwa Papst Franziskus wörtlich schreibt: „Diese Wirtschaft tötet.“ Der Heilige Vater bezweifelt ebenso wie Neumayer die Behauptung, dass eine effiziente Marktwirtschaft schließlich doch irgendwie und irgendwann allen Menschen zugute kommen würde.Mehr Gerechtigkeit durch freie Marktwirtschaft? Neumayer will nicht so recht daran glauben, so führt er etwa ins Treffen, dass Anfang 2016 das private Nettovermögen der 63 wohlhabendsten Menschen der Erde ebenso groß war wie das aller anderen Menschen zusammen. Für den Autor ist eine bessere Welt nur möglich, wenn falsches Denken und eben falsche Sätze entlarvt werden, die unsere Kultur prägen, wie zum Beispiel: „Richtig ist alles, was nicht gesetzlich verboten ist.“ BELIEBTES BETONGOLD. Vorsorge- wohnungen sind schon seit längerer Zeit ein heiß begehrtes Anlageinstrument – wobei die internationale Finanzkrise aus dem Jahr 2008 sowie das heute noch immer anhaltende Niedrigzinsumfeld die Nachfrage nochmals angefeuert haben.Allerdings sind natürlich auch Vorsorgewohnungen keine Selbstläu- fer, es gibt eine Reihe von Faktoren, die man genau in Betracht ziehen muss, bevor man sich für ein solches Investment entscheidet. Dankenswerterweise haben die Experten bzw. Expertinnen Sandra Bauernfeind, Karin Fuhr- mann, Erland Pirker und Stephan Verweijen das Thema vom Grunde her aufgerollt und verständlich in Buchseiten gegossen. Das Spektrum reicht von Fragen wie „Was genau ist eine Vorsorgewohnung?“ oder „Was unter- scheidet sie von herkömmlichen Immobilien?“ bis hin zur richtigen Vorbereitung, Finanzie- rung und Auswahl der Objekte für potenzielle Investoren. Ein Aspekt, der dabei besonders in Auge gefasst werden sollte, ist nicht zuletzt die steuerliche Behandlung. Denn Vorsorge- wohnungen sollen nicht nur sichere Mietein- nahmen und eine schöne Wertsteigerung des Objekts bringen, sondern sie können auch aus steuerlichen Überlegungen interessant sein. Übrigens: Im Gegensatz zu früher liegt der Fokus nicht nur auf Vorsorgewohnungen in in- nerstädtischen Bezirken; wenn die Verkehrsan- bindung sowie die lokale Infrastruktur stimmen, werden auch Randbezirke für die Vermietung interessant. Das gilt nicht nur für Großstädte, auch in ländlichen Regionen erfreuen sich Vorsorgewohnungen anhaltender Beliebtheit. KUCKUCK IM NEST. Die Bestandsauf- nahme der Oxford-Ökonomin Kate Raworth fällt nicht gerade erfreulich aus: Ihrer Meinung nach steht der Planet Erde kurz vor dem Kollaps. Es gelte daher, den Klimawandel, den Verlust der Artenvielfalt, den Rückgang der Ozonschicht sowie die Versauerung der Meere zu stoppen. Schön und gut, aber wie soll dieses Kunststück gelingen? Antwort: Die sogenannte Donut-Ökonomie macht’s möglich. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um ein auf Nachhaltigkeit aufbauendes Wirtschaftsmo- dell, bei dem nicht (wie in der klassischen und heute regierenden Ökonomie) mehr das reine Wirtschaftswachstum angebetet wird. Die Autorin bezeichnet in diesem Zusammenhang das BIP als den „Kuckuck im Nest der Ökonomie“. Raworth schreibt: „Im 20. Jahrhundert ist die Wirtschaftswissenschaft davon abgekommen, ihre Ziele klar zu formulieren: Da sie darauf verzichtet, wurde ihr Nest vom BIP-Wachstum in Beschlag genommen. Es ist höchste Zeit, dass der Kuckuck das Nest verlässt, damit sich die Wirtschaftswissenschaft wieder dem Zweck widmen kann, dem sie dienen soll.“ Dieses Ziel sei,Wohlstand für alle im Rahmen der Mittel der Möglichkeiten des Planeten zu ermögli- chen.Aber was hat das nun alles mit einem Donut zu tun? Es handelt sich dabei um ein Sinnbild: In der Mitte der neuen Ökonomie soll sich das gesellschaftliche Fundament finden, rundherum der Kreis aus Ökologie, Politik und Wirtschaft in harmonischem Einklang. Laut Raworth der „ideale Ort“ für die Menschheit. Guten Appetit! VORSORGEWOHNUNGEN Bauernfeind,Fuhrmann u.a.Verlag:Manz.118 Seiten. ISBN:978-3-214-11241-7 WARUMWIRAN FALSCHE SÄTZE GLAUBEN Michael Neumayer.Verlag:Echter.159 Seiten. ISBN:978-3-429-03992-9 DONUT-ÖKONOMIE Kate Raworth.Verlag:Hanser.412 Seiten. ISBN:978-3-446-25845-7

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