GELD-Magazin, Juni 2018

IMMOBILIEN Panorama CREDIT: Shutterstock GRUNDSTÜCKE NACHGEFRAGT PREISE STEIGEN KRÄFTIG. Nach einer Aus- wertung der Statistik Austria kletterte der durch- schnittliche Preis für einen Quadratmeter Baugrund in Österreich im vergangenen Jahr von 75 auf 86 Euro.Groß sind dabei naturgemäß die regionalen Unterschiede. Mit Abstand am meisten zahlte man für einen Quadratmeter mit im Schnitt 676 Euro in Wien (2016: 642 Euro). Im Bundesländervergleich folgenVorarlberg mit 374 Euro und Tirol mit 257 Euro pro Quadrat- meter.Amgünstigsten gibt es den Quadratmeter Baugrund mit 55 Euro in der Steiermark, ge- folgt von Kärnten mit 56 Euro und Burgenland mit 65 Euro. Regional ähnliche Muster wie die Preise der Baugrundstücke zeigen jene von Wohnungen und Häusern. Beispielsweise kostete eine durchschnittliche 67-Quadratme- ter-Wohnung laut immoflash im Bezirk Dornbirn 255.000 Euro, während ein Objekt vergleich- barer Größe in der Landeshauptstadt St. Pölten 112.000 Euro kostete. STABILISIERUNG. 2017 lag die Erhöhung der Mieten im Österreich-Schnitt bei 1,4 Prozent auf 7,5 Euro und damit unter der Inflations- rate.WKO-Fachverbandsobmann Georg Edlauer relativiert bei der Präsentation des Immobilien- preisspiegels auch die Mietzinsentwicklung der zurückliegenden zehn Jahre, in denen die Hauptmietzinse inflationsbereinigt um gerade einmal insgesamt vier Prozent gestiegen seien. Etwas teurer ist im Vorjahr noch Eigentum ge- worden, aber auch das nur um 2,2 Prozent auf durchschnittlich 2500 Euro pro Quadratmeter. Mehr als 3500 Euro pro Quadratmeter kosten Neubauwohnungen nur in vier Landeshaupt- städten – nämlich in Salzburg (4160 Euro), Wien (3817 Euro), Innsbruck (3799 Euro) und Bregenz mit 3537 Euro.Das sei für die Branche gar nicht mehr so lukrativ,die Preissteigerungen bei Grundstücken und beim Bauen können nicht mehr weitergegeben werden. Preisstei- gerungen der Immobilien von im Durchschnitt MIETPREISANSTIEG BREMST SICH EIN 1,8 Prozent stehen deutlich größeren Kosten- steigerungen gegenüber. Bei fertigen Wohnungen werden die kleinen Wohnungen überwiegend rasch als Anlegerwohnungen verkauft, die größeren brauchen deutlich län- ger. Eine Leistbarkeitsgrenze liegt in Wien bei rund 400.000 Euro pro Wohnung, darüber wird die Nachfrage schon knapp.Ähnliches gilt bei den Mieten: Bis 700 Euro kann sehr rasch ver- mietet werden, darüber wird es für die meisten nicht mehr leistbar. 74 ° GELD-MAGAZIN – JUNI 2018 S eit Jahren redet man von alters- gerechtem Wohnen als Megatrend in der Immobilienindustrie. Es wurden Investmentfonds aufgelegt, die in Alters- heime investieren, Bauherrenmodelle an- geboten, die behindertengerechte Wohn- anlagen errichten und generell ist „bar- rierefrei“ das Schlagwort der Stunde. Die Immobilienwirtschaft hat sich auf dieses Schlagwort gestürzt und schlachtet es aus. Mittlerweile will jeder 30-Jährige eine barrie- refreieWohnung kaufen und denkt an die ferne Zukunft, in der er seine Füße nicht mehr he- ben kann. Es wird aber damit Wohnraum pro- duziert, der sehr teuer wird. Auch das ist ein Schlagwort der Stunde, „leistbares Wohnen“. Und hier sehen Sie schon den Widerspruch! Für den Investor muss die einzige Frage lau- ten: „Bekomme ich für die Mehrkosten, die durch die Barrierefreiheit entstehen, eine adä- quate Entlohnung?“ Die Demografie bestätigt eindeutig, dass wir älter werden. Wir werden aber auch relativ gesünder. Die Gesundheits- problematik im Alter liegt heutzutage nicht mehr hauptsächlich an der eingeschränkten Bewegungsfreiheit, sondern eher an neurolo- gischen Hürden, die mit hohem Alter entste- hen. Hüft- und Kniegelenke und auch die Wir- belsäule sind mittlerweile meistens gut repa- rabel und Probleme damit führen nicht mehr zur Immobilität. Ich denke es lohnt sich, für Im- mobilieninvestoren zu überlegen, ob hier nicht aufgrund eines guten Verkaufsargumentes am Markt vorbeiproduziert wird. Häuser ohne Lift und mit einigen Stufen sind nicht immer ein Problem und in der Anschaffung und in der Erhaltung (Betriebskosten) günstiger. Die Mie- ten weichen bis auf einige Ausnahmen nicht wesentlich ab. Meist ergeben diese Woh- nungen eine attrak- tivere Rendite als die „barrierefreien“. Auch glaube ich nicht, dass man sich Sorge über die langfristige Ver- mietung solcher Woh- nungen machen muss. Der Preisvorteil wird immer ziehen und die durchaus sehr „rüs- tige“ und wachsende Bevölkerung zeigt eine steigende Mietnachfrage über die Jahre hi- naus. Es macht Sinn, ab und zu einmal abseits des Trends zu investieren, vielleicht finden Sie da auch noch manchmal ein Schnäppchen. mario.kmenta@trivium.at Investments in altersgerechtes Wohnen – sinnvoll? MARIO KMENTA, Geschäftsführer, trivium gmbH TRIVIUM GMBH KOLUMNE

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