GELD-Magazin, Juni 2018

Juni 2018 – GELD-MAGAZIN ° 39 Nachhaltigkeit ° geldanlage D ieses „Pflänzchen“ wächst nicht mehr im Verborgenen: Mit einem Anlage­ volumen von rund 15 Milliarden Euro hat die Summe nachhaltiger Geldanlagen in Österreich einen neuen Rekordwert er­ reicht. Gegenüber dem Vorjahr wuchs das unter Berücksichtigung von strengen sozia­ len, ökologischen und auf eine gute Unter­ nehmensführung bezogene Kriterien ange­ legte Vermögen um 16 Prozent. Ähnliche Raten sind auch im viel größeren deutschen Markt zu beobachten. Das sind die Kern­ ergebnisse des Marktberichts 2018, den das FNG – ForumNachhaltige Geldanlagen vor Kurzem vorstellte. Dass es sich dabei um keine „Eintagsfliege“ handelt, beweist das kontinuierliche Wachstum nachhaltiger In­ vestments seit vielen Jahren – so lag das Vo­ lumen 2009 bei noch bescheidenen rund zwei Milliarden Euro (siehe Grafik auf der rechten Seite). Und es soll sogar in erhöhtem Tempo weitergehen: Für das laufende Jahr erwartet die Mehrheit der vom FNG be­ fragten Experten ein Wachstum des nach­ haltigen Anlagemarktes von bis zu 30 Pro­ zent. Vorzeichenwechsel Gerold Permoser, Leiter nachhaltige Veranlagungen der Erste Asset Manage­ ment, zeigt sich ebenfalls optimistisch und plaudert im Gespräch mit dem GELD-Ma­ gazin aus der Schule: „Interessant ist mein Eindruck von einer Konferenz in Amster­ dam, an der vor Kurzem rund 100 CIOs europäischer Asset Manager teilnahmen. Nachhaltigkeit war hier eines der beherr­ schenden Themen und brachte den Saal im positiven Sinne ,zum Klingen‘. Früher lau­ tete die Frage: Was kostet mich Nachhaltig­ keit? Heute hat man erkannt, dass sie auch Renditevorteile bringen kann. So führen Good Governance oder effizienter Ressour­ ceneinsatz zu einer besseren Performance. Nachhaltigkeit ist also nicht nur eine Frage von Moral und Ethik, sondern auch bein­ harter ökonomischer Überlegungen.“ Laut dem Experten komme Nachhaltigkeit bei den Unternehmen selbst, aber auch bei der Politik immer stärker an, und es gebe heute kein namhaftes Investmenthaus mehr, in dem Nachhaltigkeit keine Rolle spiele – ein weltweiter Trend. Permoser weist auf eine weitere interessante Entwicklung hin: „Vor rund fünf Jahren gab es noch eine relativ klare Unterscheidung zwischen ,traditio­ nalistischen‘ Fondsmanagern und Nach­ haltigkeitsmanagern. Diese Grenze ist ver­ schwommen, heute fließen Elemente aus demNachhaltigkeitsbereich immer mehr in das klassische Fondsmanagement ein. Nicht zuletzt, um die Rendite zu steigern. So ist es auch für den traditionellen Fondsmanager zum Beispiel wichtig, ob einem Unterneh­ men im Lebensmittelbereich das Wasser auszugehen droht.“ Wertvolles Wasser Das „blaue Gold“ ist ohnedies für die EAM ein wichtiges Thema, sie ermittelt als erste Fondsgesellschaft den „Wasserfußab­ druck“ ihrer nachhaltigen Aktienfonds. Walter Hatak, ESG (Environment Social Governance)-Research Analyst EAM, führt aus: „Die Messung der Wasserintensität geht über eine rein ethisch-moralische Be­ urteilung des Wasserverbrauchs weit hi­ naus. Wir berücksichtigen insbesondere die regionale Verteilung des Wasserverbrauchs. Dadurch können wir das unternehmens­ spezifische Risiko einer Wasserverknap­ pung in unsere Nachhaltigkeitsanalyse ein­ beziehen. So ist der Obstanbau in der Wachau ungefährdet, in den trockenen Ge­ bieten Kaliforniens hingegen problema­ tisch.“ Wobei Wasser bekanntlich ein knap­ pes Gut ist: So haben laut der Welthunger­ hilfe fast 750 Millionen Personen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, jedem dritten Erdenbürger fehlt eine Toilette bzw. hygienische Abwasserentsorgung. Unter solch katastrophalen Voraussetzungen ver­ breiten sich Krankheitserreger besonders schnell, mit dramatischen Folgen: Täglich sterben allein 3600 Kinder unter fünf Jah­ ren an Durchfallerkrankungen, die durch schmutziges Wasser und verunreinigte Le­ bensmittel verursacht werden. Im Jahr 2015 erklärte das Weltwirtschaftsforum Wasser­ knappheit und ihre Auswirkungen als die größte Gefahr des kommenden Jahrzehnts. Somit ist es logisch, dass gegengesteuert werden muss und Investments in Wasser­ versorgung zu einem immer stärkeren Trend werden – von dem nicht zuletzt spe­ zialisierte Wasserfonds profitieren. Hier kommen Spitzenprodukte wie der Robeco­ SAM Sustainable Water Fund auf eine Per­ formance von rund 15 Prozent per annum. Ein weiterer Trend, dem eine zunehmende Bedeutung zugesprochen wird, ist das institutionelle: Anteile am heimischen nachhaltigkeitsmarkt Nachhaltigkeit gehört vor allem bei institutionellen Investoren fast schon zur „Standard­ ausrüstung“. Den größten Teil des Kuchens nehmen Vorsorgekassen ein. Quelle:FNG–ForumNachhaltigeGeldanlagen 4,3% 68% 11% Vorsorgekassen Kirchliche Institutionen & Wohlfahrtsorganisationen Versicherungen 2,2% Öffentliche Hand 2017 6,5% 4,6% 1,8% Stiftungen 0,8% Sonstige Betriebliche Kollektivversicherungen Pensionskassen credit: Alamy

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