GELD-Magazin, Juni 2018

Dividendenfonds – Mythos und Wirklichkeit D as bereits seit Jahren andauernde Niedrigzinsumfeld hat dazu geführt, dass viele Investoren nach Ertragsquellen suchen, die ihnen helfen, ihre Anlageziele, insbesondere im Hinblick auf regelmäßige Einkünfte, zu erreichen. Neben hoch ver- zinslichen Anleihen sind für diese Anleger die sogenannten Dividendenfonds eines der Produkte der Wahl. Bei Dividenden- fonds handelt es sich um Aktienfonds, de- ren Strategie es ist, Aktien mit einer mög- lichst hohen Dividendenrendite zu kaufen und die Erträge an die Investoren auszu- schütten. Diese Eigenschaft führt dazu, dass Divi- dendenfonds, insbesondere für institutionelle Anleger wie zum Beispiel Stiftungen, interes- sant werden, da diese mit Zinspapieren nicht mehr die Erträge erwirtschaften können, die sie benötigen, um ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, ohne die Substanz des Stif- tungsvermögens anzugreifen. Auch für die- jenigen Privatanleger wird diese Eigenschaft relevant, die ihre Einkünfte aus ihrem Portfolio beziehen und mit diesen ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Ein weiterer Punkt, der für die Nutzung von Dividendenstrategien spricht, ist, dass diese als eine defensive Art des Aktieninvestments gel- ten, da die Dividende als Puffer gesehen wer- den kann. Dieser Annahme widerspricht aber die Tatsache, dass viele der dividendenstarken Aktien bei plötzlichen Rückschlägen, aufgrund ihrer oftmals sehr hohen Liquidität, besonders stark von Kursrückgängen betroffen sind. Dies liegt daran, dass Investoren bei einem Kurs- rückschlag in der Regel versuchen, den Aktien- anteil in ihrem Portfolio möglichst schnell und mit einer möglichst geringen Marktbeeinflus- sung zu reduzieren. Hierfür bietet es sich an, diejenigen Aktien zu verwenden, die eine hohe Liquidität aufweisen. Dementsprechend müssen Anleger die Divi- dendenstrategien in ihrem Portfolio nutzen, über ein Risikobudget verfügen, mit dem sie auch größere Rückschläge, wie sie von Zeit zu Zeit an den Aktienmärkten auftreten, verkraften können. Um bei etwaigen Abwärtsbewegungen nicht unter Zugzwang zu geraten, sollte sich dieses Risikobudget eher an den großen Kurs- rückgängen der Jahre 2008 und 2011 orien- tieren, als an den kurzen Abwärtsbewegungen der Jahre 2012 ff. ANLAGEREGION: USA VERSUS EUROPA? Anleger, die eine hohe Ausschüttung bevor- zugen, setzen bei Dividendenstrategien haupt- sächlich auf Europa. Dies ist grundsätzlich nicht verwunderlich, da zum einen für Euro- Investoren die Währungsrisiken deutlich redu- ziert werden. Zum anderen zahlen europäische Unternehmen in der Regel Bar-Dividenden aus, während zum Beispiel in den USA die Unter- nehmensgewinne häufig auch in Form von Ak- tienrückkäufen statt einer direkten Auszahlung an die Aktionäre ausgeschüttet werden. DIVIDENDENFONDS EIN THEMA FÜR AKTIVE MANAGER? Auch wenn sich der Aufbau einer Dividen- denstrategie eher einfach anhört, ist die er- folgreiche Umsetzung einer solchen Strategie doch komplex, denn die Dividende des letzten Jahres (Quartals) ist ausbezahlt und kann so- mit nur noch als Indikator für die nächste Divi- dendenzahlung dienen. Somit muss der Fonds- manager, neben der Qualität und Stabilität der Dividenden, auch die zukünftigen Erfolgsaus- sichten des Unternehmens beurteilen, um so diejenigen Aktien zu finden, die auch im kom- menden Jahr eine hohe Dividendenrendite zah- len und sich zudem auch insgesamt betrachtet noch gut entwickeln werden. In Bezug auf die Dividendenrendite ist noch anzumerken, dass diese, neben der Auszah- lung, auch durch den Kurs der Aktie bestimmt wird, so kann ein Kursrückgang zu einer stei- genden Dividendenrendite führen. Wenn der Portfoliomanager dann nicht prüft, ob sich die Aussichten für das Unternehmen entsprechend negativ verändert haben oder nicht, kann dies nicht nur zu einem Ausfall der Dividenden, son- dern bei entsprechend hohen Verlusten sogar zu einer negativen Wertentwicklung des Port- folios führen. Somit sind Dividendenstrategien aus meiner Sicht immer ein Thema, bei dem aktives Management gefragt ist. www.lipperleaders.com DETLEF GLOW, Head of Lipper Research EMEA Für den Inhalt der Kolumne ist allein der Verfasser verantwortlich. Der Inhalt gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder, nicht die von Thomson Reuters. JUNI 2018 – GELD-MAGAZIN ° 37 LIPPER RESEARCH KOLUMNE

RkJQdWJsaXNoZXIy MzgxOTU=