GELD-Magazin, Juni 2018

über Suchanfragen, besuchte Websites und Aktivität in sozialen Netzwerken wie Face- book Spuren hinterlassen, lassen sich mit- hilfe intelligenter Algorithmen genaue Pro- file über Interessen und Vorlieben erstellen. Die Menschen können mit Werbung zielge- richteter angesprochen werden. Haben wir damit den Zenit der Datenkonzerne schon gesehen? Wahrscheinlich nicht. Alexander Sacerdote ist Hedgefonds- manager mit dem Fokus Technologieaktien und einer der erfolgreichsten seiner Zunft. Seine Recherchen sind eindeutig: Egal ob Onlinehandel, Cloud-Computing oder Streaming von Videos – in vielen Bereichen machen die neuen Geschäftsmodelle gerade erst fünf bis 15 Prozent des Markts aus. Sacerdote meint, dass sich der Siegeszug der Techaktien in den kommenden Jahren noch beschleunigt: „Wir sind an der Schwelle einer Entwicklung, bei der mehrere Megatrends wie selbstfahrende Autos, Künstliche Intelligenz (KI), Roboter und das In- ternet der Dinge ihre Wirkung entfalten.“ MARKtDOMinAnZ Heute haben viele Tech- konzerne eine überra- gende marktbeherr- schende Stellung. Google ist für 92 Prozent aller Suchanfragen in Europa verantwortlich. Amazons Marktanteil im Internet- Einzelhandel der USA beträgt 48 Prozent. Der liche Monopole, für die es kaum historische Präzedenzfälle gibt. Negative Auswirkun- gen wären zumeist steigende Kosten, tiefere Gewinnmargen und Unsicherheiten über die mittelfristigen Bewertungen der Tech- nologieunternehmen.“ DAten sinD DAs neue ÖL Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche und Facetten der Wirt- schaft. Sie ist dabei, ganze Wertschöpfungs- ketten neu zu ordnen – in rasanter Ge- schwindigkeit. Noch 2010 vereinten Print- medien 25 Prozent der Werbeausgaben in den USA auf sich. Heute hat sich dieser An- teil halbiert. Gleichzeitig sprang der Markt- anteil von Onlinewerbung von 17 auf 37 Prozent. Der wichtigste Grund: Daten. Weil Menschen, die im Internet unterwegs sind, Konzern schlägt mehr um als die zehn nächsten Konkurrenten. Fast drei Viertel al- ler Bücher in den USA werden über Ama- zon verkauft. Facebook hat über zwei Mil- liarden Mitglieder. Das Unternehmen ver- einnahmt mit Google zusammen fast zwei Drittel aller digitalen Werbeeinnahmen in den USA. Und diese Monopole entstehen fast automatisch. Netzwerkeffekte wie bei Facebook (je mehr Nutzer, desto attraktiver ist das Angebot) und die extreme Skalier- barkeit von Software (Digitales lässt sich nahezu ohne weitere Kosten kopieren und distribuieren) führen dazu, dass immer mehr Märkte einem Prinzip folgen: „The winner takes it all.“ Tech-Unternehmen versuchen mög- lichst rasch zu expandieren und nehmen ei- nen geringeren Gewinn vorerst in Kauf. Ne- ben den Milliardengewinnen liegt der An- teil von Technologieaktien im breiten US- Aktienindex S&P 500 derzeit bei 24 Prozent – vor siebzehn Jahren waren es 38 Prozent. Das zyklisch adjustierte Kurs-Gewinn-Ver- hältnis (KGV) des S&P 500 Information Technology, nach Robert Shiller, auch „Shil- ler KGV“ oder 10-Jahres-KGV genannt, übersteigt das KGV des S&P 500 nur ge- ringfügig. Ähnlich positiv gestimmt ist AB- Fondsmanagerin Lau: „Es wird erwartet, dass der gesamte Technologiesektor 2018 rund 20 Prozent Gewinnwachstum aufwei- senwird, bei einemPEG-Ratio (wachstums- adjustiertes KGV) von rund eins, was auf keine Überbewertung gegenüber den mei- sten anderen Sektoren im S&P 500 Index schließen lässt. Die Technologiebranche profitiert von langfristigen Wachstumstreibern (z.B. zu- nehmende Mobilität, der Wechsel von Soft- Technologieaktien ° geldanlage juNI 2018 – GELD-MAGAZIN ° 29 tEcHNoLoGIEAuSGABEN 2016 noch führen smartphones deutlich das Feld an – Telekom-Aus- rüstung und Cloud-Software wachsen jedoch deutlich schneller. Quelle: IDC&StrategyAnalytics 168,0 68,0 Smartphones 49,0 414,0 57,1 PCs Tablets Server Digitale Speicher USD Mrd. 25,0 44,0 Netzwerke Telekomausrüstung

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