GELD-Magazin, Juni 2018

könne es etwa passieren, dass ein Firmenei- gentümer privat ein Haus für zum Beispiel 350.000 Euro gekauft hat, dadurch beim Fi- nanzamt auffällig wird und dann gleich auch eine aufwendige Betriebsprüfung auf- gehalst bekommt. Ein interessantes Detail am Rande ist, dass aus Kreisen von Steuerprüfern zu hö- ren ist, dass beimGroßteil der untersuchten Fälle keine wesentlichen Ergebnisse bzw. Vergehen festgestellt werden konnten. Wo- bei der Jahresprüfungsplanungserlass 2017 des Finanzministeriums 6000 Überprü- fungen pro Jahr fordert. Ob hier vielleicht über das Ziel hinaus- bzw. mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird, bleibt noch abzu- warten. Jedenfalls sollten kritische Beo- bachter im Auge behalten, ob das löbliche Ziel der Bekämpfung von Steuerflucht nicht Datenschutz und Selbstbestimmung von redlichenUnternehmenwie Privatpersonen unter die Räder kom- men lässt. DIGITALSTEUER Die neue Regierung will den Hebel aber auch noch an ganz an- derer Stelle ansetzen. Finanzminister Hart- wig Löger hat angekün- digt, im Rahmen der österreichischen Rats- präsidentschaft in der zweiten Jahreshälfte 2018 einen Fokus auf die Besteuerung digi- taler Dienstleistungen zu legen. Das Thema müsse aber aus gesamt- strategischer Sicht bewertet werden, um keine Schritte zu setzen, die den europäi- schen Markt auf globaler Ebene schwächen oder schaden könnten, so Löger. Hinter- grund: Mit ihren Legislativvorschlägen für eine Digitalsteuer schlägt die EU-Kommis- sion Maßnahmen vor, die sicherstellen sol- len, dass digitale Großunternehmen einen gerechten Steueranteil tragen. Im Zentrum steht die Ausdehnung des Betriebsstätten- begriffs auf virtuelle Plattformen und somit eine Neudefinition. Dort, wo durch die Nut- zung digitaler Dienste Gewinne erwirt- schaftet werden, würde die Steuer schla- gend und käme dem jeweiligen Staat zugu- te. Jetzt wird eifrig daran gefeilt, wie die Lö- sungen aussehen könnten. Einige Milliar- den Euro Mehreinnahmen sollten Schät- zungen zufolge EU-weit möglich sein. Bis im September sollen die Berechnungen für Österreich vorliegen. gemeldete Ausgaben und Einnahmen zu- sammenpassen. So zum Beispiel, ob beim Grundstückserwerb Differenzen auftau- chen, was Schwarzgeldzahlungen nahele- gen würde. Casandra Hermann, Geschäfts- führerin der Steuerberatungskanzlei Tax- services, meint: „Eigentlich kann jeder der Prüfung unterliegen. Unserer Erfahrung nach sind aber oft vermögende Privatper- sonen betroffen, die schon älter sind und ei- gentlich nicht im klassischen Verdacht der Schwarzgeldschieberei stehen. So könnte für die Nachkommen ein Grundstück oder Haus gekauft worden sein oder es handelt sich ganz einfach um legale Transfers auf andere Konten.“ WIE WEIT GEHT DIE FINANZ? Problematisch ist, dass es dabei zu Falschmeldungen seitens der Banken kom- men kann. Hermann ist der Fall einer äl- teren Dame bekannt, wo Kapitalabflüssen von vier Millionen Euro nachgegangen wurde – in Wirklichkeit ist eine Million Euro viermal von einem auf ein anderes Konto transferiert worden: „Es können also völlig unbescholtene Bürger ins Visier der Finanz geraten, was für die Betroffenen schon alleine deshalb extrem unangenehm ist, weil sie die Unterlagen, die schon viele Jahre zurückliegen, mühsam auftreiben müssen. Manche Steuerpflichtige wissen hier nicht, wie ihnen geschieht.“ Auch hält es die Expertin für „grenzwertig“, dass sich Steuerpflichtige in einem demokratischen Land wie Österreich mitunter dafür recht- fertigen müssen, wofür sie ihr Geld verwen- den. Hermann: „Salopp könnte man es so formulieren: Das Finanzamt will Sachen wissen, die es eigentlich nichts angehen.“ So JUNI 2018 – GELD-MAGAZIN ° 23 „Es können völ- lig unbeschol- tene Bürger ins Visier des Finanzamts geraten“ Casandra Hermann, taxservices HUNDERTE MILLIARDEN DOLLAR SIND IN STEUER- OASEN GEBUNKERT Computer- und Internetgiganten lieben Steuerschonung, dem will die EU nun einen Riegel vorschieben. In Steueroasen geparkte Summe in Mrd. US Dollar Apple 181,1 108,3 61,4 52,7 38,0 47,4 25,7 23,3 11,8 Microsoft IBM Cisco Google Oracle Qualcomm Intel EMC 2 Quelle:Citizens for Tax Justice/U.S.PIRGEducationFund Steuer ucht ° WIRTSCHAFT

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