GELD-Magazin, Juni 2018

schwörungstheorie eingeordnet) werden für Soros wohl zu verkraften sein... Hexenjagd Schlimmer ist, was in seinem Geburts­ land Ungarn passiert. Dort hat die Wochen­ zeitschrift Figyelö eine Liste von Intellek­ tuellen veröffentlicht, die angeblich Ge­ folgsleute Soros’ sein sollen (das GELD-Ma­ gazin hat in der Mai-Ausgabe darüber be­ richtet). Der Vorwurf lautet, dass diese Journalisten, Universitätsprofessoren und Mitarbeiter von Institutionen dem Multi­ milliardär dabei helfen, finstere Pläne für eine neueWeltordnung zu realisieren. Soros wolle nämlich Nationalstaaten zerstören und durch eine „Einwanderungszone“ er­ setzen. Diese solle wiederum dem globalen Markt dienen – also ganz im Sinne einer (jüdischen) kapitalistischen Weltverschwö­ rung. Zu diesem Zweck habe Soros auch die Flüchtlingswelle von 2015 losgetreten. Dem nicht genug, Soros soll auch in der österreichischen Innenpolitik der heimliche Strippenzieher sein und Sebastian Kurz an die Spitze der ÖVP gehoben haben! Und zwar, weil sich Kurz ja für Flüchtlingskon­ tingente innerhalb der EU ausgesprochen hat. Dass der Bundeskanzler im Gegenteil für eine harte Gangart bei der Flüchtlings­ plitik eintritt, sich immer wieder mit der Schließung der Balkan-Route brüstet und damit auch erfolgreich das Bundeskanzler­ amt erobert hat, ist den Soros-Hassern gleichgültig. Soros kehrt Ungarn den Rücken Wobei der Feldzug seine Auswirkungen zeigt. Wegen des schweren politischen Drucks der Regierung Orban auf die Stif­ tung des Milliardärs wird die Organisation ihre Pforten in Ungarn schließen und künf­ tig von Berlin aus operieren. Aber auch Wien kommt zum Zug: So will die von So­ ros ins Leben gerufene Central European University einen Standort in der Bundes­ hauptstadt eröffnen – hoffentlich keine Basis für Soros’ „Weltrevolution“. George Soros °  Brennpunkt juni 2018 – GELD-MAGAZIN ° 11 ° Eine Lebende Legende Die frühen Jahre George Soros (gebürtig György Schwartz) wurde am 12.August 1930 in Budapest gebo- ren. 1947 erfolgte der Umzug nach England. An der London School of Economics and Political Science promovierte er im Fach der Philosophie. Er studierte bei Karl Popper, des- sen Vorstellungen einer offenen Gesellschaft ihn bis heute stark beeinflussen. Karriere als Spekulant 1956 zog Soros in die USA und startete 1968 seine Laufbahn als Investmentfondsmana- ger. Bekannt ist vor allem sein Quantum Fund; zu Berühmtheit weit über die Grenzen der Finanzwelt hinaus kam Soros 1992 mit seiner erfolgreichen Wette gegen das unterbewer- tete britische Pfund.An einem einzigen Tag verdiente er hier über eine Milliarde Dollar. Philanthrop Eigenen Angaben zufolge hat Soros seit dem Jahr 1979 insgesamt 32 Milliarden Dollar für wohltätige Zwecke gespendet. Einen Großteil seines stattlichen Vermögens übertrug er auf die von ihm selbst gegründete Open Society Foundations – was nicht gerade zu Steuer- nachteilen für den Multimilliardär führte. Die Open Society Foundations setzt sich für die Förderung von Demokratie und Menschen- rechten ein und ist heute in mehr als vierzig Ländern vertreten. Übergeordnetes Ziel der Stiftung ist die weltweite Stärkung einer offenen Gesellschaft. Einblicke Das Buch „Die Alchemie der Finanzen“ be- zeichnet Soros selbst als sein Lebenswerk. Hier gewährt er tiefe Einblicke in seine Invest- mentstrategie und seine Vorstellungen von einer funktionierenden Wirtschaft. „Offene Gesellschaft“ als Ziel von George Soros

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