GELD-Magazin, März 2018

G erne wird Peter Thiel zu einem seiner Lieblingsthemen zitiert – und es han- delt sich hier nicht um Geld oder Invest- ments, sondern weit weniger Profanes: den Tod. „Man kann ihn akzeptieren, man kann ihn leugnen oder man kann ihn bekämp- fen“, so das Bonmot. Thiel hat sich für den letztgenannten Weg entschieden und expe- rimentiert laut „Die Zeit“ mit diversen Diä- ten und Wachstumshormonen, die ein langes Leben versprechen. „bLutdurst“ Es geht aber auch noch viel extremer: Der Selfmade-Milliardär liebäugelt mit Blutauffrischungen durch die Spenden jun- ger Probanden und hat bereits hohe Sum- men in diese Methodik investiert. Außer- dem will er nach seinem Tod eingefroren werden, sollte zu seinen Lebzeiten der Schlüssel zur Unendlichkeit noch nicht ge- funden sein. Und wenn er schon nicht ewig leben kann, so will er laut ei- genem Bekunden zumin- dest 120 Jahre alt werden. Dazu passt ins Bild, dass Thiel Kryonik-Start- ups finanziert, Unter- nehmen, die sich auf das „Tieffrieren“ von Menschen spezialisieren. Abgesehen von e t h i s c h e n B e d enken , stellt sich hier natürlich die Frage: Wie tickt dieser Mann eigentlich? Wobei sein Werdegang durchaus für gesunden Menschenverstand, unternehmerischen Instinkt und Realitäts- bezug spricht – auch wenn er gerne visionär handelt. Schon seine akademische Karriere verlief erfolgreich: Er studierte Philosophie und Rechtswissenschaften an der US-Elite- universität Stanford und darf sich Bachelor of Arts sowie Doctor of Jurisprudence nen- nen. Nach abgeschlossenem Studium arbei- tete er als Anwalt, diesen Job hing er jedoch schnell an den Nagel. Thiel wurde Derivate- Trader bei der Credit Suisse und gründete schließlich seinen eigenen Anlagefonds – Thiel Capital Management. der richtiGe riecher Reich wurde er allerdings mit zwei heu- te sehr prominenten Namen: PayPal und Facebook. Thiel investierte den relativ über- schaubaren Betrag von 280.000 Dollar in den Internet-Bezahldienst PayPal und über- nahm auch gleich den Vorstandsposten. Er brachte das rasant wachsende Unterneh- men 2002 an die Börse, wobei noch im sel- ben Jahr die Übernahme durch Ebay er- folgte. Das war der Grundstein für das Mil- liardenimperium des Peter Thiel: Mit dem Erlös (55 Millionen Dollar) aus dem Ver- kauf gründete er seinen Hedgefonds Cla- rium Capital. Sein bisher genialster Schach- zug war allerdings die sehr frühe Beteili- gung an einem damals noch jungen Start- up namens Facebook. Mit Postings und Chats Geld verdienen? Mit einem Projekt, das in einer Studentenbude aus von einem unbekannten Studienabbrecher (Mark Zu- ckerberg) gegründet worden ist? Daran glaubten im Jahr 2004 nur wenige Anleger – Thiel war einer von ihnen und investierte 500.000 Dollar. Somit war er der erste exter- ne Kapitalgeber des sozialen Netzwerks, das heute eine globale Internet-Großmacht dar- stellt. Wie stark Thiels Anteile im Wert ge- stiegen waren, wurde beim Börsengang im Jahr 2012 sichtbar: Thiel konnte Aktien um über eine Milliarde Dollar verkaufen. buLLdoZer AM stArt Thiel betont, dass der Einstieg bei Face- book für ihn eine „no brainer“-Entschei- dung war, soll heißen, er musste gar nicht darüber nachdenken. „Thiel erkannte, dass das Start-up schnell wuchs und lediglich Geld für neue Computer benötigte. Er ver- sprach denn auch Zuckerberg, ihm relativ freie Hand zu lassen“, ist in dem Buch „Wie Peter Thiel die Welt revolutionierte. Die Biografie“ von Thomas Rappold nachzule- sen (erschienen im Finanzbuchverlag). Die Facebook-Erfolgsstory ist bekannt, wobei Autor Rappold ein martialisches Bild be- nützt: „Facebook wirkt wie ein Bulldozer oder Mähdrescher, der sich nicht aufhalten lässt und alles platt macht, was ihm in den Weg kommt.“ Thiel hat als Aufsichtsrats- mitglied diesen Bulldozer entscheidend mitgelenkt und den unternehmerisch noch relativ unerfahrenen Zuckerberg (er war ge- rade einmal Anfang 20) geholfen, in die richtige Richtung zu steuern, wofür der Fa- cebook-Gründer auch mehrfach seinen Dank ausgesprochen hat. Für Thiel hat sich das Engagement jedenfalls bezahlt gemacht: Er verfügte nach Angaben von Forbes heute über 2,5 Milliarden US-Dollar Privatver- mögen und landet somit im Ranking der reichsten Menschen der Welt zwar „nur“ auf Platz 745, aber es kann ja vielleicht noch BILDER: FBV, CHART: Tai-Pan/Mountain-Data Brennpunkt ° Porträt Peter Thiel Er ist ein erfolgreicher Investor und steinreich. Soweit liest sich die Story von Peter iel wie die vieler Größen aus dem Silicon Valley. Allerdings polarisiert der Multimilliardär mit kontroversiellen Aussagen zu Wirtscha und Gesellscha . Der geborene Deutsche unterstützte Donald Trump, hasst staatliche Regulierung und lieb- äugelt obendrein mit dem ewigen Leben. Harald Kolerus milliardär mit Ecken und Kanten 8 ° GELD-mAGAzIN – märz 2018 z l s peterthieL die biographie thomas rappold.Fbv.330 seiten.

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