GELD-Magazin, März 2018

aktien  ° Deutschland 50 ° GELD-MAGAZIN – märz 2018 DAX kommt unter Druck nehmen wie Heidelberger Druckmaschinen oder das Gendiagnostik- und Biotechunter- nehmen Qiagen. Deutsche Bank: Grossaktionär muss Grundstücke verkaufen Um seinen Liquiditätsengpass zu besei- tigen, trennt sich der hoch verschuldete Deutsche Bank-Großaktionär HNA von zwei Grundstücken in Hongkong. Wie der chinesische Mischkonzern mitteilte, soll der Verkauf rund 1,7 Milliarden Euro in die Kassa spülen. Das Konglomerat HNA hatte in den zurückliegenden Jahren für rund 50 Milliarden Dollar in aller Welt Beteiligun­ gen erworben, darunter Anfang 2017 auch einen knapp zehnprozentigen Anteil an der Deutschen Bank. Diesen reduzierte HNA zuletzt leicht und hält nun direkt und über komplexe Derivatestrukturen noch 9,2 Pro- zent. Schon zuvor hatte sich die Finanzsitua­ tion der laut einem Anleiheverkaufspro- spekt auf einem Schuldenberg von 100 Mil- liarden Dollar sitzenden HNA etwas ver- bessert, nachdemdie chinesische Citic Bank eine 3,2 Milliarden Dollar umfassende Kre- ditlinie gewährt hatte. Die Deutsche Bank sollte aber von einer Besserung des Handels­ umfelds profitieren. Die größeren Schwan- kungen an den Finanzmärkten sind positiv für das Geschäft mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen (FICC). IPO-Torschlusspanik Angesichts des Marktumschwunges werden nun die neuen Börsenaspiranten zunehmend nervös. So will die Medizin- technik-Tochter von Siemens noch vor Os- tern an die Börse. Der Münchner Industrie- konzern gab bereits den offiziellen Start- B erichte, wonach der weltgrößte Hedge- fonds Bridgewater, der ein Vermögen von 160 Milliarden Dollar verwaltet, im großen Stil auf Kursverluste bei europäi­ schen Großkonzernen wettet, sorgten für zusätzliche Unruhe an den Aktienmärkten. Seit Ende Jänner hat der Investor Leerver- kaufspositionen um fast sechs Milliarden Euro bei 13 DAX-Konzernen aufgebaut, da- runter Deutsche Bank, Allianz, BASF und Siemens, wie aus Veröffentlichungen im deutschen Bundesanzeiger hervorgeht. Die mögliche Begründung ist: Bridgewater po- sitioniert sich für einen Wirtschaftsab- schwung in Europa. „Wir wissen nicht ge- nau, wie weit die Aktienmärkte und dann die Wirtschaft vom Gipfel entfernt sind, aber es ist klar, dass die Anleihenmärkte den Gipfel überschritten haben“, schrieb Hedge- fondsgründer Ray Dalio. Allein bei Siemens hat Bridgewater rund 800 Millionen Euro im Feuer – Leerverkaufspositionen im Vo- lumen von 0,86 Prozent des Grundkapitals. Bei der Deutschen Bank waren es 0,78 Pro- zent, bei der Allianz 0,87 Prozent und bei BASF 0,84 Prozent des Nominales. Wann kommt der Abschwung? Die deutsche Wirtschaft ist 2017 bereits das achte Jahr in Folge gewachsen. Nach Prognosen aller führenden Institute hält der kräftige Aufschwung in diesem und im kommenden Jahr an. Allerdings stößt der Konjunkturboomallmählich an seine Gren- zen. Fundamental gesehen scheint immer noch die Sonne, denn die Mehrheit der DAX-Konzerne lieferte besser als erwartete Quartals- und Gesamtjahresberichte ab, wie aus einer Analyse des Beratungsunterneh- mens EY hervorgeht. Nur zehn Prozent der Unternehmen aus der höchsten deutschen Börsenliga mussten ihre Gewinn- oder Um- satzerwartungen reduzieren. Vor allem die milliardenschwere US-Steuerreform hinter- ließ teilweise tiefe Kratzer in den Bilanzen. Allein die Deutsche Bank bezifferte den ne- gativen Effekt daraus auf rund 1,4 Milliar- den Euro im vierten Quartal. Zwar senkte die Reform die Steuerquote für Firmen deutlich. Zugleich können Verluste aus der Vergangenheit nicht mehr im gleichen Maße auf künftige Steuern angerechnet werden. Das belastete auch andere Unter- DAX Umschwung nach unten. Der DAX musste seit Mitte Jänner die höchsten Verluste seit Mitte 2015 hinnehmen.Verantwortlich dafür war ein Stimmungsreversal: Die Zahl der Optimisten ist im Zuge neu entfachter Zins- und Inflationsängste deutlich gefallen. Nun sind DAX-Unterstützungen bei 13.320 sowie 13.175 Punkten zu Widerstän- den geworden. Die höchste Hürde könnte die 200-Tage-Linie werden, die derzeit bei 12.800 Punkten liegt. Hauptunterstützung ist nun die 11.800er-Marke. Nach dem guten Jahresstart setzte ab Mitte Jänner ein teils atemberaubender Stimmungsumschwung ein: Anlegersorgen, die Inflation könnte schneller als erwartet steigen und so rascher zu höheren Zinsen führen, führten zu Kurseinbußen vom Hoch abwärts von rund zehn Prozent. Wolfgang Regner

RkJQdWJsaXNoZXIy MzgxOTU=