GELD-Magazin, März 2018

aktien  ° Österreich 48 ° GELD-MAGAZIN – März 2018 Störfeuer aus den USA Die Saison der Jahresberichte ist in vollem Gange. Im Großen und Ganzen haben die Unternehmen 2017 gut verdient. Doch die Zinsanhebungen der Fed, der schwache Dollar und die Strafzölle in den USA verunsichern die Anleger. Die dadurch verursachten Kursrückgänge können nun für selektive Käufe genützt werden. Mario Franzin Der Versicherungskonzern Uniqa konn- te mit dem vorläufigen Jahresergebnis 2017 ebenfalls die Erwartungen weitgehend erfül- len. Die Prämieneinnahmen wurden um 4,9 Prozent auf 5,29 Milliarden Euro gesteigert und trotz höherer Schadenzahlungen (we- gen zahlreicher Unwetter) sank die Com- bined Ratio auf 97,5 Prozent. Ein Wermuts- tropfen waren die Erträge aus Kapitalanla- gen, die aufgrund des anhaltendenden Nied- rigzinsumfeldes um 4,7 Prozent auf 560,9 Millionen Euro gesunken sind. Das alles konnte die Uniqa jedoch durch den Verkauf des Casino-Anteils (um 53 Mio. EUR) kom- pensieren, sodass unterm Strich das Vor­ steuerergebnis um 7,4 Prozent auf 242,2 Mil- lionen Euro anstieg. Bei der Dividende ist die Uniqa großzügig. Sie will mit 0,51 Euro pro Aktie beinahe den gesamten Jahresgewinn an die Aktionäre auszahlen, was einer stol- zen Dividendenrendite von 5,60 Prozent gleichkommt. Die Kehrseite der Medaille ist dabei, dass man kaum mehr von weiteren Kursanstiegen verwöhnt werden wird. Industriewerte sehr selektiv Über den Kamm geschoren kann man feststellen, dass sich die meisten Industrie- werte im vergangenen Jahr ganz gut entwi- ckelt haben – mit einigen wenigen Ausnah- men, wie z.B. Zumtobl oder Semperit. Bei ei- nigen war das Ergebnis zwar leicht schwä- cher als erwartet, jedoch wurde quasi als Trost der Ausblick wiederum positiver dar- gestellt. In diese Kategorie fallen z.B. Andritz und AMAG (siehe die Meldungen auf Seite 42), Kapsch TrafficCom, Wienerberger (sie- he Kasten rechts) sowie der Flughafen Wien. Bemerkenswert war in den vergangenen Wochen der Kursverlauf der Voestalpine. G erade in Korrektur-Phasen ist es inte- ressant zu sehen, welche Aktien kaum nach unten reagieren und welche ordentlich Federn lassen müssen. Hier offenbaren sich die spezifischen Einflüssen der jeweiligen Korrektur-Auslöser, wie z.B. Währungs-, Ölpreis- und Zinsänderungen, sowie wirt- schaftspolitisch gravierende Eingriffe. Die Aktien an der Wiener Börse stehen derzeit unter der Spannung zwischen mehrheitlich guten Jahresergebnissen und anderseits dem Stress durch Zinsanhebungen in den USA bzw. dem gleichzeitig schwachen Dol- lar und dem zunehmenden Handelsprotek- tionismus. Finanzwerte erholen sichweiter Zuletzt veröffentlichten die Erste Bank und die Bawag ihre Ergebnisse. Beide Ban- ken konnten dabei mit gutem Zahlen auf- warten. Die Erste Bank steigerte den Gewinn auf 1316 Millionen Euro und damit um rund 50 Millionen Euro stärker als erwartet. Die Dividende wird auf 1,20 Euro erhöht, was eine ansprechende Rendite von 2,90 Prozent ergibt. Damit verwundert es nicht, dass der Kurs der Aktie heuer bereits weiter (um 14,8%) gestiegen ist, während der ATX in diesem Zeitraum mit knapp einem Prozent imMinus liegt. Die Bawag erfreute die Aktionäre vor- derhand mit einem Rekordergebnis vor Steuern, das um 12 Prozent auf 517 Millio- nen Euro gestiegen ist. Der Nettogewinn ging allerdings um 1,4 Prozent auf 467 Mil­ lionen Euro bzw. 4,67 Euro je Aktie zurück (KGV 8,9), vor allem durch einen Anstieg der operativen Aufwendungen um 20 Pro- zent auf 528,8 Millionen Euro (inklusive einem Incentiv-Programm für das Manage- ment in Höhe von 55 Millionen Euro). Im Jänner meldete die Bawag eine vorzeitige Auflösung der Filialkooperation mit der Post. Sie soll nun Ende 2019 und damit ein Jahr früher als geplant beendet sein. Dafür musste die Bawag 110 Millionen Euro rück- stellen und noch etwa 150 verbliebene Post- filialen räumen. Das Netz an eigenen Filialen soll von 76 auf rund 100 Standorte ausgebaut werden. Aufgrund des eher schwachen Aus- blicks gab der Aktienkurs der Bawag seit Mitte Jänner um rund zehn Prozent nach. Austrian Traded index (ATX) An der Kippe. Der ATX befindet sich gerade noch in seinem Aufwärtstrend. Doch Quer- schüsse aus den USA, die sich negativ auf die europäischen Börsen auswirkten, machen auch ihm langsam zu schaffen.Vom (etwas euphorischen) Hoch bei 3700 Punkten am 24. Jänner korrigierte der ATX deutlich auf die Unterstützung bei 3300 Punkten zurück. Die darauf folgende Erholungsbewegung fiel ausgesprochen schwach aus, was die Befürchtung eines Trendbruches nährt. Charts: Tai Pan/software-sysstems

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