GELD-Magazin, März 2018

2 0 Prozent hat die indische Börse auf Sicht eines Jahres zugelegt, in fünf Jah­ ren kletterte der breite Index Sensex sogar um rund 80 Prozent. Natürlich ist der welt­ weite Kursrutsch auch an indischen Aktien nicht spurlos vorübergegangen, sondern schlug eine harte Kerbe. Jedoch scheint sich der Sensex – parallel zur Entwicklung an den internationalen Märkten – bereits wie­ der stabilisiert zu haben und den Aufwärts­ trend fortzusetzen. Auf der anderen Seite haben indische Aktien im Zuge des Booms bereits recht stattliche Bewertungen er­ reicht und der Subkontinent selbst ist über weite Strecken von einer Infrastruktur west­ lichen Standards meilenweit entfernt. In­ dien ist generell ein Land der Widersprü­ che: Die Universitäten bilden scharenweise gut ausgebildete Ingenieure aus – das ge­ samte Bildungssystem ist aber (vornehm ausgedrückt) verbesserungsfähig: Die An­ alphabetenrate liegt bei rund 25 Prozent. Ins Auge springt auch weit verbreitete Ar­ mut, nicht zuletzt in Mega-Städten wie New Delhi und im Corruption Perceptions In­ dex 2017 nimmt das Land Rang 79 von 176 Plätzen ein. Was zeichnet Indien nun ange­ sichts aller Fakten als Investitionsstandort aus, sowohl gegenüber anderen Schwellen­ märkten als auch imVergleich zu Industrie­ ländern? Und besonders wichtig: Auf wel­ che Risiken müssen Anleger sich in Indien einstellen? Dazu meint Kristy Fong, Senior InvestmentManager AktienAsien bei Aber­ deen Standard Investment: „Im Vergleich zu anderen Schwellenmärkten unterschei­ den sich die besten indischen Unternehmen durch ihre gute Corporate Governance. Und gegenüber den Industrieländern wächst Indien natürlich viel schneller und es wird noch Jahre dauern, bevor die Wirt­ schaft an ihre Grenzen stößt. Allerdings sind indische Aktien teuer, weil der Markt in seinen Bewertungen von einer Erholung der Unternehmensgewinne ausgeht, die bis­ her ausgeblieben ist. Auch wenn die Regie­ rung ihre Reformen nicht so schnell um­ setzt wie erhofft, könnten Anleger ihre po­ sitive Einschätzung korrigieren.“ Riesiger Markt Leigh Innes, Portfoliospezialistin bei T. Rowe Price, sieht die Ausgangslage so: „Indien ist ein absolut typisches Schwellen­ land mit einer starken Demografie, starkem strukturellenWachstumund guten Reform­ fortschritten unter Premierminister Naren­ dra Modi. Es gibt einen riesigen, uner­ schlossenen Verbrauchermarkt, der eine enorme Chance für jedes Unternehmen darstellt, das die Massen anspricht. Das gilt insbesondere, da sich das Land entwickelt und die Konsumenten ihre neuen Möglich­ keiten stärker nutzen wollen. In diesem Zu­ sammenhang sind folgende Fakten interes­ sant: Nur drei Prozent der Inder sind jemals geflogen, nur einer von 45 besitzt ein Auto oder einen Lastwagen. Wenn fast 300 Mil­ lionen Inder zum „Mittelstand“ gehören, wie HSBC publiziert hat, verdienen einige dieser 300 Millionen etwa drei Dollar pro Tag. Innes: „Für viele befindet sich Indien in einer frühen Phase derselben Reise, die China zu einer wirtschaftlichen Supermacht hat werden lassen. Indien verfügt weiters über ein tief verwurzeltes demokratisches System.“ Manchmal unterschätzt Laut Avinash Vazirani, Indien-Fonds­ manager bei Jupiter Asset Management, credits: beigestellt, Shutterstock Geldanlage  ° Indien-Fonds 30 ° GELD-MAGAZIN – märz 2018 Beeindruckendes Wirtschaftswachstum, schöne Börsenerfolge und viel versprechende politische Reformen – Indien hat Anlegern viel zu bieten. Wieviel Geld lässt sich am Subkontinent in dieser heißen Phase verdienen? „Eine ganze Menge“, meinen Investmentprofis. Allerdings sollte man unbedingt einige länderspezifische Risiken nicht außer Acht lassen. Harald Kolerus Auf der Überholspur börse indien: Spannend Der Sensex konnte in den vergangenen fünf Jahren rund 80 Prozent zulegen. 36.000 34.000 32.000 30.000 28.000 26.000 24.000 22.000 20.000 18.000 2014 2013 2015 2016 2017

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