GELD-Magazin, März 2018

D as Wirtschaftswachstum der Euro­ zone hat das Niveau vor der Euro-Kri­ se 2011 erreicht. Nun, nach dem rasanten Anstieg etwa der Stimmungsindikatoren, liegt es nahe, hinsichtlich des fundamenta­ len Hintergrundes eine Topbildung auszu­ rufen. Doch die Frühindikatoren legen nahe, dass Europa stärker wachsen kann, als es der langfristige Trend erwarten ließe. Die Zugpferde der Binnenkonjunktur ziehen alle den Kontinent in die gleiche Richtung: nach vorne. So etwa die Konsumentenzu­ versicht, die neue Hochs erreicht hat und sogar über dem Niveau vor der Finanzkrise liegt, die fallende Arbeitslosenrate auf zu­ letzt 8,8 Prozent sowie die anziehenden Un­ ternehmensinvestitionen. Dennoch ist das Glas noch nicht voll. Die niedrige Kapazi­ tätsauslastung in einigen Branchen deutet darauf hin, dass es nach wie vor eine große Produktionslücke gibt, die so schnell nicht geschlossen werden kann. Damit ist noch ein gutes Stück bergauf zu gehen, bis ein zyklisches Top und eine Überhitzung in Sicht kommen könnten. Der Preisdruck durch Digitalisierung und Globalisierung dürfte die Inflation unter Kontrolle halten, trotz des starkenWachstums. DieKerninfla­ tion im Jahresdurchschnitt liegt bei nur rund einem Prozent, da auch kaum Lohn­ druck besteht, die Löhne liegen nur 0,2 Pro­ zent über ihrem Drei-Jahres-Durchschnitt. Damit wird die Geldpolitik der Europäi­ schen Zentralbank relativ locker bleiben. Chancen & Risiken Auch politische Gefahren gibt es 2018 deutlich weniger – nur die Wahlen in Italien könnten für Volatilität sorgen. Positiv ist auch, dass Europa im Zyklus früher dran ist als andere Regionen, vor allem die USA. Das heißt, es gibt hier noch einiges fürWirt­ schaft und Börse zu holen, mehr als anders­ wo. In Europa steigen die Investitionen – die Vorsicht vieler Unternehmen nach den Schocks der Finanz- und der Eurokrise be­ deutet, dass diese sich jetzt in einer sehr ge­ sunden finanziellen Lage befinden und die tiefen Zinsen verstärkt für Expansionsfi­ nanzierung nützen. Damit verfügen die eu­ ropäischen Unternehmen über einen hö­ heren operativen Hebel als Konkurrenten in Übersee. Das könnte auch den M&A- Markt weiter antreiben. Zusammen mit dem Wirtschaftswachstum haben auch die Unternehmensgewinne ein Comeback hin­ gelegt, mit der höchstenWachstumsrate seit sieben Jahren. 2018 sollten die Gewinne der Unternehmen um rund zehn Prozent wach­ sen. Eine Belastung stellt der starke Euro dar. Dieser hat das Momentum positiver Gewinnrevisionen etwas abgeschwächt. Mit drei US-Zinserhöhungen oder sogar mehr dürfte der Dollar aber einen Boden ausbil­ den. Das wäre dann ein Treiber für die Un­ ternehmensgewinne. Amazonifizierung Auch für Gergely Majoros, Mitglied des Investmentkomitees bei Carmignac Ges­ tion, ist die europäische Konjunktur weiter­ hin in einer Beschleunigungs- bzw. Aufhol­ phase. Die Frühindikatoren sind weiterhin viel versprechend. „Wir bleiben aber wach­ sam, da der globale Zyklus in den nächsten Monaten eine Verlangsamung erleben könnte, wovon sich Europa auch nicht ab­ koppeln können wird.“ Große Inflationsge­ fahr sieht Majoros jedoch nicht. „Aufgrund der schwachen Demografie, der weltweit hohen Verschuldung und der ‚Amazonifi­ zierung‘ in vielen Sektoren der Wirtschaft, die eine desinflationäre Tendenz haben, dürfte Inflation nicht das große Thema für die Märkte sein.“ Carmignac Grande Europe „Wir sind für Europa weiterhin kon­ struktiv aufgestellt. Wir bevorzugen Quali­ tätsunternehmen, d.h. Wachstumsunter­ nehmen mit einer gesunden Bilanz, die un­ abhängig vom Zyklus weiterwachsen kön­ nen. Wir investieren in Technologie-Unter­ nehmen wie ASML, den niederländischen Maschinenhersteller für die Halbleiterindu­ strie. Die neue Technologie des Unterneh­ mens setzt sich langsam in einem weiter stark wachsenden Markt durch. Generell suchen wir disruptive Unternehmen, die aufgrund des Einsatzes von neuen Techno­ Geldanlage  ° Europa-Aktienfonds 26 ° GELD-MAGAZIN – märz 2018 2017 hat Europa so ziemlich alle Analysten und Finanzexperten mit einer dynamischen Konjunkturbeschleu- nigung überrascht. Das Resultat aber sind neu aufgeflammte Inflations- und Zinsängste. Doch Europa-Aktien bleiben attraktiv. Wir stellen Ihnen einige der langfristig besten Aktienfonds vor. Wolfgang Regner Europa-Aktien bleiben top BIP-WACHSTUM Die Wachstumslokomotive Deutschland zieht die Eurozone mit nach oben. Für 2018 rechnet die deutsche Bundesregierung mit einem satten Plus von 2,4 Prozent. in Prozent (e = erwartet) 2012 2014 2015 2016 2017 2018e Eurozone Deutschland 2013 0,5 0,5 1,9 1,7 1,9 2,2 2,4 1,3 2,1 1,8 2,2 2,1 - 0,2 - 0,9 Quelle:StatistischesBundesamt,Deutschland CrediT: Shutterstock

RkJQdWJsaXNoZXIy MzgxOTU=