GELD-Magazin, März 2018

D en Startschuss für die Umsetzung der 4. EU-Geldwäscherichtlinie gab am 1. Jänner 2017 die Finanzbranche mit dem Finanzmarkt-Geldwäschegesetz, des- sen Normadressaten Banken, Zahlungsinsti- tute und andere Finanzinstitute sind. Im Laufe dieses Jahres folgten die Um- setzungen für andere Berufsgruppen in der Gewerbeordnung, der Rechtsanwalts- und Notariatsordnung, dem Wirtschaftstreu- handberufsgesetz und anderen Gesetzen. Wenngleich sich die Richtlinie nicht in allen Gesetzen gleichermaßen wortident wider- spiegelt, so folgt die dahinterstehende Logik stets ein und demselben Schema: Der Normadressat hat einerseits Sorgfaltspflich­ ten wahrzunehmen, die es ihm ermögli- chen, den (potenziellen) Kunden und des- sen Hintergrund ausreichend zu beleuchten (KYC – „know your customer“); anderer- seits hat er bei Vorliegen von Verdachtsmo- mentenMeldepflichten gegenüber der staat- lichen Geldwäschemeldestelle des Bundes­ kriminalamts (BKA) wahrzunehmen. AM ANFANGWAR DIE ANALYSE Damit ein Unternehmen aber überhaupt seinen Sorgfalts- und Meldepflichten best- möglich und – wie vom Gesetzgeber gefor- dert – risikobasiert nachkommen kann, muss es zunächst einmal seine diesbezüg- lichen geschäfts- und kundenspezifischen Risiken erkennen und verstehen. Die Unter- nehmen haben daher eine Geldwäsche-Risi- koanalyse durchzuführen, in deren Zuge sie ihre einzelnen Geschäftsfelder dahingehend evaluieren, wie hoch das Risiko ist, zu Zwecken der Geldwäsche oder Terrorismus- finanzierung missbraucht zu werden. Bei dieser Analyse müssen alle risikorelevanten Aspekte Berücksichtigung finden, wie zum Beispiel Kunden, Dienstleistungsarten, Transaktionen oder geografische Spezifika; soweit für die Tätigkeit des Unternehmens relevant, sind auch die für den Wirkungsbe- reich des jeweiligen Unternehmens vorlie- genden nationalen und EU-weiten Risiko­ analysen sowie die gesetzlich normierten Ri- sikofaktoren zu berücksichtigen. Die Risiko- analyse ist schriftlich zu dokumentieren und am aktuellen Stand zu halten. SORGFALTSPFLICHTEN IM ÜBERBLICK Die Erfüllung der Sorgfaltspflichten ist die Voraussetzung für die Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Die Sorgfaltspflichten beziehen sich im Un- terschied zur Risikoanalyse nicht auf das Un- ternehmen, sondern auf den einzelnen Kun- den. Die Pflichten sind vor Begründung einer Geschäftsbeziehung bzw. vor Dienst- leistungserbringung anzuwenden und um- fassen Feststellungs- und Prüfungsmaß- nahmen insbesondere in Bezug auf folgende kundenbezogenen Merkmale: Identität des Kunden (vor Begründung einer dauerhaften Geschäftsbeziehung beziehungsweise vor Durchführung von 15.000 Euro übersteigenden Transaktio­ nen zu prüfen); Identität des wirtschaftlichen Eigen- tümers; Herkunft der Mittel; Vorliegen eines allfälligen Treuhandver- hältnisses; Zweck und Art der Geschäftsbeziehung; Vorliegen einer Person des öffentlichen Interesses (PEP – „politisch exponierte Person“); kontinuierliche Überwachung der Ge- schäftsbeziehung. Die Sorgfaltspflichten sind risikobasiert anzuwenden, wobei es in gesetzlich geson- credits: beigestellt wirtschaft  ° Geldwäsche-Prävention 18 ° GELD-MAGAZIN – März 2018 Ob Wirtschaftstreuhänder, Gewerbetreibender, Notar oder Rechtsanwalt – Angehörige dieser und anderer Berufsstände haben seit 2017 umfassende neue Regelungen zur Prävention von Geldwäsche und Terrorismus- finanzierung zu beachten. Das Themen- und Risikobewusstsein scheint allerdings noch nicht in allen Branchen voll entfaltet. Gastbeitrag von Mag. Elisabeth Staudner und Mag. Günther Ritzinger Bitte bloß kein Schwarzgeld! zur person: Mag. Günther Ritzinger ist geschäftsführender Gesellschafter der 2010 gegründeten Wiener Be- ratungsfirma Kapitalmarkt Consult (www.kapital- marktconsult.at ). Seine beruflichen Erfahrungen sammelte er zu- vor unter anderem als leitender Mitarbeiter der Finanzmarktaufsicht (FMA) sowie als leitender Mitarbeiter von Banken und Wertpapierfirmen in den Bereichen Recht, Compliance, Interne Revi- sion und Risikomanagement. zur person: Mag. Elisabeth Staudner ist selbstständige Partne- rin des Wiener Beratungs- unternehmens Wiesmayr & Partner (www.wies- mayr.eu ) und Geschäfts- führerin bei Ziel Invest. Sie verfügt über fundiertes Wissen in den Bereichen Asset- und Risikomanagement, nicht zuletzt auf- grund über 25 Jahren beruflicher Erfahrung in führenden Positionen des Vermögensmanage- ments, unter anderem als Geschäftsführerin ei- ner österreichischen Kapitalanlagegesellschaft.

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