GELD-Magazin, März 2018

BRENNPUNKT ° Kurzmeldungen aus der Hoch nanz CREDITS: William Whtie/Ueli Hiltpold, Deutsche Bundesbank/Gaby Gerster, Federalreserve „Zu expansiv“: Bundesbank-Chef Jens Weidmann kritisiert EZB-Kurs Der Präsident der Deutschen Bundes- bank und Mitglied im EZB-Rat, Jens Weidmann, plädierte bereits im Herbst 2017 für ein de nitives Enddatum für das Staatsanleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Mehrheit des Rates war bislang jedoch anderer Ansicht. Jens Weidmann war und ist – trotz sei- ner Mitgliedschaft im EZB-Rat – einer der härtesten Kritiker der Europäischen Zentralbank. Er befürwortet gegen den Rat- Konsens eine raschere Rückkehr zu einer normalen Geldpolitik. Besonders die um- fangreichen Käufe von Staatsanleihen der EU-Mitgliedsländer sind ihm ein Dorn im Auge sowie die trotz krä igem Wirtscha s- wachstum anhaltende Nullzinspolitik. „Die Kryptowährungen Nach den ö entlichkeitswirksamen Emissionen eigener Kryptowährungen, wie zum Beispiel von Kodak oder Venezuela (PetroCoin), plant nun auch der japanische E-Commerce-Riese Rakuten eine eigene Kryptowährung. Bereits im vergangenen Jahr befeuerte die Spekulation um eine Akzeptanz von Kryp- towährungen durch Amazon die Kurse zahlreicher digitaler Coins. Daraus wur- de bislang nichts. Konkret kündigte Kodak jedoch im Jänner eine KodakCoin an, mit der Fotografen ihre digitalen Bilderrechte einfacher verwalten können. Am 20. Fe- bruar folgte Venezuela mit dem ICO des PetroCoins, von dem 100 Millionen Token platziert werden sollen (für 6 Mrd. USD). Anstatt Amazon startet nun die japanische Rakuten den ersten Coin im E-Commerce- Bereich. Ziel sei es dabei, sich von Rivalen wie Amazon, Alibaba oder Ebay abzuheben und die Beziehung zwischen Händlern und Kunden neu zu beleben. (mf) Käufe der Anleihen haben nicht vernachläs- sigbare Nebenwirkungen. Die Zentralbank ist inzwischen zum größten Gläubiger der Staaten geworden, indem sie bereits für 2,3 Billionen Euro Papiere gekauft hat“, mo- kierte er in einem Interview gegenüber der Neuer Chef der US-Notenbank Fed US-Präsident Donald Trump hat sich diesmal durchgesetzt. Sein Wunsch- kandidat Jerome Powell wurde am 5. Februar zum Chef der US-Zentral- bank Fed gekürt – ein Mann an der Spitze der Geldpolitik mit ungewöhn- lichem Lebenslauf. Jerome Powell hat nicht wie seine Vor- gänger Volkswirtschaft studiert, sondern ist gelernter Jurist. Er arbeitete als Invest- mentbanker und saß in zahlreichen Aufsichtsräten von Unternehmen. Erste politische Erfahrung konnte er in der Zeit von George W. Bush im Finanzministerium sammeln. Bereits seit sechs Jahren ist Powell Mitglied imFed-Komitee – er wurde im Jahr 2011 von Barack Obama nominiert – und trug in dieser Zeit alle geldpolitischen Ent- scheidungen maßgeblich mit. Aus diesem Grund wird allgemein erwartet, dass Po- well die vorsichtige Zinsanhebungspolitik, wie sie Janet Yellen praktizierte, fortsetzen werde und damit für Kontinuität sorgt. Po- well bestätigte dies bei seiner Antrittsrede: „Weitere graduelle Erhöhungen der Leit- zinsen werden am besten eine Überhitzung der Wirtscha vermeiden und das nachhal- tige Erreichen einer In ationsrate von zwei Prozent ermöglichen.“ An der Wall Street waren die Anleger erleichtert. Trump sei- nerseits ho , dass Powell eine Lockerung der Bankenregeln unterstützt, „...um das Wirtscha swachstum in den USA weiter zu fördern“. (mf) Jerome Powell will die vorsichtige Geldpolitik seiner Vorgängerin Janet Yellen fortsetzen. Jens Weidmann fordert eine raschere Rückkehr zu einer normalen Geldpolitik der EZB. 14 ° GELD-MAGAZIN – MÄRZ 2018 Frankfurter Allgemeinen. Auch gegen die Nullzinspolitik findet Weidmann zuneh- mendArgumente. AuchwenndieWirtscha derzeit noch nicht überhitzt sei, so erwar- te er wegen des Aufschwungs ein krä iges Lohnwachstum – in Deutschland 2019 mehr als drei Prozent, was sich auf die In ations- rate auswirken werde. Entsprechend Weidmanns Meinung, dass weniger die Zentralbank für die Lösung der zahlreicher Probleme zuständig sei, sondern vielmehr die Mitgliedsstaaten selbst, lehnt er auch den Vorschlag der EU-Kommission ab, einen weiteren Krisenfonds einzurich- ten. „Die Fiskalregeln werden im Ergebnis nicht gestärkt, während gleichzeitig zuneh- mende Elemente von Gemeinscha sha ung eingeführt werden. Das macht die EU nicht zukun sfester“, meint Weidmann dazu. (mf)

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